Generalversammlung
Raiffeisenbank Mittelgösgen will nicht «Wachstum um jeden Preis»

An der 92. Generalversammlung in Lostorf gab es schöne Zahlen, aber auch nachdenkliche Worte. Denn die Bank wird die globalen Herausforderungen nicht lösen können.

Markus Angst
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V.l.: Gabriela Grob (neu im VR), Frank Mackuth (BL-Vorsitzender), Pia Wegmüller (Rücktritt aus VR), Peter Dietschi (VR-Präsident), Martin Aeschlimann (neu im VR).

V.l.: Gabriela Grob (neu im VR), Frank Mackuth (BL-Vorsitzender), Pia Wegmüller (Rücktritt aus VR), Peter Dietschi (VR-Präsident), Martin Aeschlimann (neu im VR).

Markus Angst

Die Raiffeisenbank Mittelgösgen hat in den vergangenen Jahren viel in ihre Infrastruktur investiert, nun baut sie auch ihre Organisation aus. Am Samstag beriefen 621 Genossenschafter an der Generalversammlung zwei ausgewiesene Finanzexperten in die oberste Bankbehörde: Die in Winznau wohnhafte Gabriela Grob (Jahrgang 1978) machte nach dem Lizenziat der Rechtswissenschaften einen Abschluss als diplomierte Steuerexpertin.

Der in Lostorf wohnende Martin Aeschlimann (Jahrgang 1969) ergänzte sein Studium der Betriebswirtschaft mit dem Abschluss als eidgenössisch diplomierter Wirtschaftsprüfer.

Nach dem Rücktritt von Pia Wegmüller, die für ihre 24-jährige Tätigkeit als Aktuarin von VR-Präsident Peter Dietschi unter grossem Applaus mit einem Blumenstrauss verabschiedet wurde, und der Wahl von Gabriela Grob und Martin Aeschlimann zählt den Verwaltungsrat neu sieben Mitglieder. Die Bisherigen Peter Dietschi, Thomas Vogt, Daniel Gubler, Peter Horni und Reto Meier wurden in ihrem Amt bestätigt.

Offenbar erfolgreiche Strategie

Zusätzliche Kompetenz bekommt jedoch nicht nur der Verwaltungsrat, sondern auch die Bankleitung. Per 1. Juni wird Radoslav Ilieski, bis 2015 Leiter der mittlerweile geschlossenen Credit-Suisse-Geschäftsstelle in Schönenwerd, neuer Leiter Privatkunden und Vertrieb. «Ich freue mich auf zukünftige Begegnungen mit Ihnen», sagte das neue Kadermitglied in seiner kurzen persönlichen Vorstellung.

Mit Radoslav Ilieski verstärkt die Raiffeisenbank Mittelgösgen gemäss den Worten ihres Bankleitungsvorsitzenden Frank Mackuth gezielt die Beraterkompetenz. Dass die Bank mit ihrer Strategie offenbar erfolgreich unterwegs ist, bewiesen die von Frank Mackuth präsentierten Kennzahlen. Die Bilanzsumme stieg 2015 um 2,9 Prozent auf 342,5 Millionen Franken. Die Ausleihungen wuchsen um 3,3 Prozent auf 297,9 Millionen, die Kundengelder um 2,5 Prozent auf 297,3 Millionen Franken.

Der Geschäftserfolg liegt mit 1,027 Millionen Franken gar um 182,5 Prozent über dem Vorjahr, der Jahresgewinn mit 361'000 Franken um 121,5 Prozent. Und auch die Zahl der Mitglieder stieg um 0,8 Prozent auf 4058. «Doch all diese Kennzahlen sind nur nebensächlich», meinte Frank Mackuth mit einer Prise Understatement. «Denn die grösste Bank ist für mich diejenige, der ich mein Vertrauen schenken kann.»

Einige Fusionen hinter sich

Dass dieses Vertrauen seit Jahren konstant gross ist, zeigte Peter Dietschi den Genossenschaftern anhand einiger Schlüsselzahlen seit der Fusion der Raiffeisenbanken Lostorf, Obergösgen und Winznau 2007 auf. In diesen acht Jahren gab es ein markantes Wachstum in allen Bereichen: Bilanzsumme plus 25,3 Prozent, Ausleihungen plus 26,9 Prozent, Kundengelder plus 34,2 Prozent, Reserven plus 65,8 Prozent.

Heute zuerst mal Verdächtige

Dennoch fand der VR-Präsident in seinem Jahresbericht mit Blick auf die Weltwirtschaftslage und die zunehmenden Regulierungsvorschriften für die Banken auch einige nachdenkliche Worte. «Sind wir Kleinen bis vor wenigen Jahren am Bankschalter noch als Kunden und Menschen geschätzt und behandelt worden, so sind wir heute zuerst mal Verdächtige – und im Kundenkontakt müssen die Bankmitarbeiter erdrückende Vorschriften umsetzen.»

Laut Peter Dietschi wird die globale Transparenz Realität und die Privatsphäre werde geopfert, um die Inhaltslosigkeit der politischen Führung zu kompensieren. «Zwar wird die Raiffeisenbank Mittelgösgen die globalen Herausforderungen nicht lösen können. Doch es ist unsere Aufgabe, zu beobachten, zu erkennen und daraus abzuleiten, was für unsere Kunden wichtig sein könnte. Dabei ist nicht Wachstum um jeden Preis, sondern Werthaltigkeit und Vertrauen unsere Orientierung.»

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