Amtsgericht Olten-Gösgen
Prozess gegen Trimbacher Zuhälter wird fortgesetzt — eine Zeugin wird vier Stunden befragt

Der im Juni 2020 unterbrochene Prozess gegen einen Trimbacher Zuhälter wird vor dem Amtsgericht Olten-Gösgen fortgesetzt.

Philipp Kissling
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Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten unter anderem mehrfache Förderung der Prostitution vor.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten unter anderem mehrfache Förderung der Prostitution vor.

Sandra Ardizzone / LTA

Vor dem Amtsgericht Olten-Gösgen versuchen sich thailändische Frauen an Vorkommnisse zu erinnern, die sich vor knapp sieben Jahren in einem Sexstudio in Trimbach zugetragen haben sollen. Ihre bereits vor Jahren gemachten Aussagen waren im Juni 2020 vom Amtsgericht als unverwertbar taxiert worden. Grund: Fehler der Ermittlungsbehörde bei der Rechtsbelehrung der Befragten.

Der Entscheid des Gerichts, die Hauptverhandlung zu unterbrechen, hatte für Verwunderung bei den Beteiligten gesorgt. Mit dem Hinweis auf vergleichbare Fälle in der Vergangenheit waren sie am Mittwoch bei Wiederaufnahme des Prozesses noch immer der Meinung, dass durchaus korrekt gearbeitet worden sei. Es sei nun eine grosse Belastung für die Geschädigten, nach so langer Zeit erneut mit den Vorfällen von 2014 konfrontiert zu werden.

Am Mittwoch ging es nun also weiter in der Sache gegen den beschuldigten Thailänder. Angeklagt ist er in einer ganzen Reihe von Delikten, unter anderem der mehrfachen Förderung der Prostitution, der mehrfachen Beschäftigung von Ausländerinnen und Ausländern ohne Bewilligung sowie des Drogenhandels.

Nachdem alle Aussagen aus den Akten entfernt worden waren, mussten die geschädigten Frauen vor Gericht erscheinen, um als Auskunftspersonen befragt zu werden. Um Begegnungen mit ihrem einstigen Zuhälter zu vermeiden, musste der Beschuldigte in einem Nebenzimmer Platz nehmen und die Befragungen per Videoübertragung verfolgen.

Vier Stunden Vernehmung für eine Zeugin

Mit den neuerlichen Einvernahmen verschaffte sich das Gericht eine Mammutaufgabe. Die erste Auskunftsperson sass geschlagene vier Stunden im Zeugenstand. Das überrumpelte sogar den vorsitzenden Richter Valentin Walter und brachte den Zeitplan durcheinander.

Die Befragung der beiden folgenden Personen dauerte zwar weniger lang, trotzdem war erst um 18.30 Uhr Feierabend. Ein enormes Pensum vor allem für die Dolmetscherin. Die Befragungen können erst im Verlauf des Donnerstags abgeschlossen werden.

Danach folgen die Plädoyers respektive die Ergänzungen zu den bereits beim Prozessbeginn im Juni 2020 gemachten Ausführungen. Nebst der Staatsanwältin Regula Echle und der Verteidigerin Corinne Saner werden drei Rechtsanwältinnen, die vier Privatklägerinnen vertreten, zu Wort kommen.

Vorwurf der Ausbeutung bei illegalem Aufenthalt

Die Anklage wirft dem bald 42-jährigen Thailänder vor, die Situation der Sexarbeiterinnen zu seinen Gunsten ausgenutzt und sie ausgebeutet zu haben. Die Landsleute des Beschuldigten befanden sich illegal in der Schweiz, verfügten also weder über eine Aufenthalts- noch eine Arbeitsbewilligung. Daraus habe sich zum Nachteil der Geschädigten sowohl eine soziale als auch eine wirtschaftliche Abhängigkeit ergeben.

Beispielsweise hätten sich die Prostituierten täglich und rund um die Uhr für Freier zur Verfügung halten müssen. Die Hälfte der Einnahmen hätten sie dem Zuhälter abliefern müssen, dazu wöchentlich 100 Franken für Verpflegung sowie monatlich 200 Franken für Internetwerbung. Schwerwiegend seien auch die Einschränkungen in der sexuellen Selbstbestimmung gewesen, zudem habe der Beschuldigte mehrere Prostituierte mit Drogen versorgt.

Im Juni 2020 sagte der Beschuldigte vor Gericht, er habe keinen Druck auf die Prostituierten ausgeübt und nicht von ihnen profitieren, sondern ihnen einen sicheren Arbeitsort bieten wollen. Dem Mann wird vorgeworfen, die Zuhälterei in Zusammenarbeit mit seiner Mutter betrieben zu haben. Die Mutter hatte dafür bereits im Februar 2019 einen Schuldspruch und eine bedingte Haftstrafe von 18 Monaten kassiert.

Aus Angst geschwiegen und sich gefügt

Die Befragungen offenbarten das Dilemma, in dem sich die Prostituierten aus Thailand befanden. Die Sexarbeit sahen sie als ihre einzige Möglichkeit, Geld zu verdienen, zumal sie sich ja illegal im Land aufhielten. Um die Arbeit erträglicher zu machen, nahmen sie Drogen, die halfen gegen die Schmerzen beim Sex mit Fremden und hielten wach.

Die Drogen jedoch führten nicht zuletzt zu gesundheitlichen Folgeschäden und zu zusätzlicher Abhängigkeit. Interessant diesbezüglich ist, dass in dem Trimbacher Sexstudio kein Klima der Gewalt gegen die Prostituierten herrschte, sondern der Druck eher unterschwellig existierte.

Die Prostituierten gaben an, die Regeln – oft unausgesprochen – seien halt überall gleich, das wüssten alle. Aus Furcht, die Arbeit und somit das Einkommen zu verlieren, getrauten sie sich nicht zu wehren. Die Angst war offenbar so gross, dass sie es nicht einmal versuchten und sich der ausweglosen Situation fügten.

Der Prozess wird am Donnerstag mit den Plädoyers fortgesetzt.

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