Es war nervtötend, wie der Beschuldigte vor dem Amtsgericht Olten-Gösgen beinahe jede an ihn gerichtete Frage mit einem lapidaren: «Weiss ich nicht; kenn ich nicht; es war alles so, wie ich schon in der Einvernahme sagte» abschmetterte. Und dies mit einem überheblichen Lächeln, das während der gesamten Verhandlung nicht von seinem Gesicht wich.

Der 28-jährige, etwa 1.90 Meter grosse und breitschultrige Kosovare wird beschuldigt, zwischen 2010 und 2013 rund 14 Kilogramm gestrecktes Heroin im Raum Trimbach/Olten, Oftringen, Schönenwerd, Lugano und anderswo veräussert zu haben.

In den Worten des Staatsanwalts habe er seinem Auftraggeber - dem eigentlichen Drahtzieher des Heroinhandels in der Region Olten - als «klassischer Gango» gedient. So soll seine Aufgabe im Wesentlichen darin bestanden haben, grössere Mengen Heroin auszuliefern, Heroinbestellungen entgegenzunehmen und neue Kuriere einzuführen.

Deckname «Diamant»

Bestätigt wurde dies vor Gericht von einem Zeugen, dem der Beschuldigte zwischen 2010 und 2013 in Trimbach und Oftringen rund 10 Kilogramm gestrecktes Heroin verkauft hatte. Der Zeuge hatte bei der Einvernahme ausgesagt, dass er den Mann zwar nicht mit Namen, jedoch vom Sehen kenne. Der Angeklagte bestritt das: «Ich habe ihn nie kontaktiert, nie gesehen und nie kennen gelernt», liess er den Dolmetscher aus dem Albanischen übertragen. «Der Zeuge lügt also, wenn er sagt, er habe Heroin von Ihnen gekriegt?», hakte Amtsgerichtspräsidentin Barbara Hunkeler nach.

Er wisse nicht, ob der Zeuge gelogen habe oder nicht – er könne nur wiederholen, was er bei der Einvernahme ausgesagt habe. «Also lügt er?» Das wisse er nicht. «Dann gehen wir davon aus, dass er nicht lügt und sie ihm das Heroin übergeben hat», erklärte die Richterin ungeduldig.

Ein zweiter Zeuge trat auf, den der Mann über drei Jahre hinweg in Trimbach und Schönenwerd mit rund zwei Kilo Heroingemisch beliefert haben soll. Der Beschuldigte sprach indes von lediglich 600 Gramm Rauschgift. «Und was war mit dem restlichen Kilo? Sie sind doch mal mit einer grösseren Bestellung zum Zeugen gefahren?»

Das sei nicht der Fall gewesen, und überhaupt könne er sich nicht an Einzelheiten erinnern, meinte der Angeklagte. «Wieso wissen Sie dann, dass Sie das Kilo nicht überbracht haben, wenn Sie sich an so wenig erinnern können?» Und so ging es in einem fort.

Wenig hilfreich für den Angeklagten waren auch die Telefondaten, die den Mann zwischen März und Mai 2011 zehn Mal in Lugano orteten - gemäss Aussagen eines im Tessin wohnhaften Abnehmers habe er vom Beschuldigten wöchentliche Lieferungen von insgesamt zwei bis drei Kilo Heroingemisch in Empfang genommen.

Dass der Angeklagte von rund zehn seiner Kunden als Kontaktperson «Diamant» identifiziert werden konnte, sprach ebenfalls gegen ihn. Die Übergabe kleinerer Mengen des Rauschgifts erfolgte wiederholt in einem Lokal in Trimbach. Ausserdem wird dem Kosovaren vorgeworfen, in Olten mit zwei Mittätern auf offener Strasse einen unbekannten Wagenlenker angehalten und diesem das Portemonnaie und das Handy gewaltsam entrissen zu haben. Ein Raub, der an Dreistigkeit nicht zu überbieten sei, so der Staatsanwalt.

Staatsanwalt fordert 8.5 Jahre

Letzterer erklärte, dass für den Kosovaren, dessen Aufenthaltsbewilligung 2013 nicht verlängert wurde, aufgrund der gehandelten Heroinmenge sehr viel auf dem Spiel stehe - daher dessen Verweigerungshaltung. Staatsanwalt Philipp Rauber forderte eine Freiheitsstrafe von 8 Jahren und 6 Monaten unbedingt.

Pflichtverteidiger Reto Gasser, der den Ausführungen des Staatsanwalts inhaltlich wenig entgegenzusetzen hatte, erachtete einen Freiheitsentzug von 28 Monaten unbedingt als angemessen. Das Urteil steht noch aus.