Trimbach/Hauenstein-Ifenthal/Wisen

«Projekt Schulen 2020» ist sistiert – Primarschüler müssen nicht pendeln

Trimbach braucht Schulraum, die Kreisprimarschule Hauenstein/Ifenthal-Wisen braucht Schüler. Eine gemeinsame Lösung gibt es aber in absehbarer Zeit nicht.

Noch vor der Wahl von Martin Bühler zum Gemeindepräsidenten gelangte eine Anfrage von Hauenstein-Ifenthal und Wisen an die Gemeinde Trimbach. Die Juradörfer erfragten die Zusammenarbeit der Primarschulen. Denn die Berggemeinden befürchteten, dass ihre Kreisprimarschule wegen schlechter Auslastung in Bedrängnisse kommen wird.

«Vor zwei Jahren herrschte schon fast Panik. Es wurde vermutet, dass der Kanton uns dazu drängen wird, unsere Kreisschule zu schliessen», sagt Dieter Waldschmidt, Präsident der Kreisprimarschule Hauenstein/Ifenthal-Wisen. Die Panik sei nicht unbegründet gewesen: «Ohne die Kreisschule sind unsere Bergdörfer tot», erklärt der Schulpräsident.

Die Arbeitsgruppe «Projekt Schule 2020» soll's richten

In Trimbach hatte man das gegenteilige Problem: Durch den stetigen Zuwachs von Familien fand man kaum Platz für die Schüler. Der Schulraum wurde knapp und die vorhandene Infrastruktur ist marode. Der neue Gemeindepräsidenten rief daher die Arbeitsgruppe «Projekt Schule 2020» ins Leben. Sie sollte jetzt eine Lösung finden, die beiden Parteien hilft. «Eine gemeinsame Lösung drängte sich damals auf», sagt Bühler. Eine Zusammenarbeit bestand schon bei den Obererstufenschüler, die die Schule in Trimbach besuchen.

Die Projektgruppe bestand aus einem Gremium von Trimbachern und Vertretern der Berggemeinden. Das sechsköpfige Gremium wurde von Gilbert Ambühl koordiniert. Er ist Bildungsexperte und sollte eine neutrale und informierte Sicht auf die Dinge wahren. Die Kosten der Arbeitsgruppe wurde drei zu eins geteilt, wobei Trimbach den grösseren Teil übernahm. Dafür wurde 25 500 Franken gesprochen.

«Kein genügender Mehrwert für alle Beteiligten» trotz Ideen

Die Arbeitsgruppe wollte ursprünglich 2019 den drei Gemeindeversammlungen ihre Projekte zur Abstimmung vorlegen, aber so weit kam es nicht. Der Trimbacher Gemeinderat stand auf die Bremse und sistierte das Projekt. Denn es würde «kein genügender Mehrwert für alle Beteiligten entstehen», wie es in der Medienmitteilung heisst.

Ideen wären da gewesen. So hatte man zum Beispiel in Betracht gezogen, rund 60 Primarschüler aus Trimbach in die Juradörfer zu schicken. Bei dieser Variante hätte man eine Tagesstruktur einrichten müssen. Die kurze Mittagspause hätte den insgesamt 40-minütigen Weg nicht erlaubt, vermutet Bühler. «Die Einrichtung einer Tagesstruktur ist heute aber sehr schwierig zu realisieren», erklärt der Gemeindepräsident weiter.

Vergangenes Jahr wurde ausserdem der Kauf des Schulhaus auf der Froburg geprüft und ob dort eine gemeinsame Schule eingerichtet werden soll. «Das kam für uns nicht in Fragen, da wir ja schon zwei Schulhäuser haben», sagt Waldschmidt. Die Trimbacher haben sich nach dieser Absage überlegt, ihre Oberstufe dort einzurichten. «Doch dafür ist das Gebäude wiederum zu klein», sagt Bühler.

Keine Lösung, die allen hilft

«Wie wir es auch wendeten und kehrten, es ging nie auf», sagte Bühler ernüchtert. Als dann diesen Sommer die verschiedenen Lösungen im Trimbacher Gemeinderat besprochen wurden, sei kein Gewinn erkennbar gewesen. «Wir wollten auch nichts durchwürgen», sagt Bühler. So entschloss der Gemeinderat, die Arbeitsgruppe aufzulösen und die Vorschläge nicht umzusetzen.

«Die Zusammenarbeit mit den Berggemeinden funktioniert gut und wir gingen im Guten auseinander», beteuert Bühler. So ähnlich klingt es auch auf dem Berg. «Ja, die Zusammenarbeit läuft gut, aber eine gemeinsame Schule wäre ein finanzielles Nullsummenspiel gewesen. Wir hätten aber die Auslastung der Schulen optimieren können», sagt Waldschmidt.

Er erklärt weiter, dass der Schulvorstand der Berggemeinden mittlerweise eine neue Prognose zur Schüleranzahlen erarbeitet hat. Dadurch wurde klar, dass die Lage bei weitem nicht so dramatisch ist, wie damals vermutet. Die Primarschülerzahlen seien zwar leicht sinkend, da aber seit ein paar Jahren der Kanton die Schüler und nicht die Lehrpersonen subventioniert, müssen die Gemeinden mehr bezahlen, haben aber dafür auch mehr Entscheidungsgewalt.

«Bei weniger Schülern ist das Kosten pro Schüler Verhältnis schlechter, die Gesamtkosten steigen aber nicht», erklärt der Waldschmidt. Für ihn bestätigt es, dass die Gründung der Kreisschule der richtige Weg für die Juradörfer gewesen ist.

Schulhaus Gerbrunnen muss saniert werden

In Trimbach hat sich hingegen nichts grundsätzlich verändert. Die Schülerzahlen sind hoch und einige Schulhäuser sind sanierungsbedürftig. Für Bühler ist jetzt klar: «Wir können nicht mehr Pflästerli-Politik betreiben.» Damit meint er die immer wieder aufgeschobene Sanierung des Oberstufenschulhauses Gerbrunnen: «Wir können nicht mehr einfach hier und dort etwas flicken. Wir müssen jetzt eine grössere Lösung finden.»

Er könne sich vorstellen, dass Schulhaus zu sanieren und gleichzeitig auszubauen. Dabei sollen in diesem Schulhaus die Werkräume und die Schulküche integriert werden. Diese sind momentan in verschiedenen Primarschulhäusern untergebracht und nehmen benötigten Platz für die Primarschüler weg. «Wir müssen dieses Infrastrukturprojekt unbedingt umsetzen», sagt der Gemeindepräsident. Dafür müssten ungefähr acht bis zehn Millionen Franken in die Hand genommen werden. Es könne aber frühestens im Jahre 2021 umgesetzt werden. Bis dann müssen noch mit Pflästerli gearbeitet werden.

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Autorin

Judith Frei

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