Unnachgiebig brannte die Sonne auf die Häupter der kleinen Marschgruppe, die sich am Mittwochvormittag von Dulliken aus in Bewegung setzte. Doch darüber beschwerte sich keiner der rund 50 Teilnehmer. Die Klagen richteten sich vielmehr gegen einen anderen gelben Riesen — gegen die Post. Im Zuge eines rigorosen Sparkurses sollen in den kommenden Jahren Hunderte Poststellen dichtgemacht werden. Allein von den 44 Poststellen im Kanton Solothurn garantiert die Post nur bei 23 den Fortbestand. Und auch das nur bis 2020.

«Und dann ist noch nicht Schluss», warnt Martin Schwab. «Dann wird es eine neue Überprüfung geben.» Schwab ist nicht nur Sektionsleiter der Postangestellten-Gewerkschaft Syndicom im Aargau, sondern auch seit 37 Jahren Pöstler mit Leib und Seele.

Ausserdem ist er in Däniken aufgewachsen. Die Poststellen Däniken und Dulliken stehen auf der Abschussliste der Post. Kein Zufall also, dass die Gewerkschaft ausgerechnet hier zum Marsch von Poststelle zu Poststelle aufgerufen hatte. Mit Protestaktionen und Petitionen soll Druck aufgebaut werden. Rund 50'000 Unterschriften wurden gemäss Syndicom landesweit bereits gesammelt.

Bei der Solothurner Regierung ist die Botschaft inzwischen angekommen. Vergangene Woche nahm der Regierungsrat einen SP-Vorstoss aus dem Kantonsrat entgegen, mit dem Auftrag, sich auf Bundesebene für einen Marschhalt in Sachen Poststellen-Schliessung einzusetzen.

«Solothurn ist der erste Kanton, in dem wir einen solchen Erfolg feiern konnten», freut sich Syndicom-Regionalsekretärin Karin Omanovic. Die Gewerkschaft fordert eine Neu-Definition des Postauftrags. Bis dahin solle ein Moratorium für Poststellen-Schliessungen verhängt werden.

Zumutung für ältere Postkunden

Die Post macht für ihre Schliessungspläne wirtschaftliche Kriterien geltend. Zu teuer sei der Unterhalt des dichten Filialnetzes. Diesem Argument kann Bea Heim nichts abgewinnen. Die Solothurner SP-Nationalrätin marschierte die drei Kilometer lange Strecke an vorderster Front mit und will «den Gemeindebehörden den Rücken stärken», wie sie selber sagt. «Wenn man sieht, wie gut es der Postfinance geht, sollte man über die Bücher gehen und sich fragen, welchen Wert der Service public hat.»

Als Leiterin der parlamentarischen Gruppe für Altersfragen sorgt sie sich auch um die älteren Post-Kunden. Diesen sei eine Umstellung auf Online-Dienste nicht zumutbar und ein Ausweichen etwa in Richtung Olten, wo es kaum genügend Parkplätze gebe, sei keine Option. «Der Weg zur Post wird immer weiter», gibt sie zu bedenken. «Es kommt mir vor, als wolle sich die Post selbst abschaffen.» Das gelte es zu verhindern.

Agenturen keine Alternative

Ähnliche Stimmen hörte man aus der übrigen Marschtruppe, einem bunt zusammengewürfelten Haufen aus Gewerkschaftern, ehemaligen Postangestellten und besorgten Bürgern. «Wir wollen dabei helfen, ein Zeichen zu setzen», begründeten zwei Teilenhmer aus Däniken ihre Anwesenheit. «Jetzt sind wir noch gesund und mobil, aber was, wenn wir älter sind?»

Ein ehemaliger SBB-Angestellter sieht Parallelen zum Schalter-Abbau bei der Bahn. Viele Leute würden sich dort mit den Billettautomaten schwertun. «Werden wir bei der Post bald dasselbe Problem haben?» Die von der Post beschworenen Agenturen, etwa in Dorfläden, seien da keine echte Alternative. In Zeiten von Online-Shopping fehle dort oft der nötige Lagerraum, gibt Ur-Däniker Martin Schwab zu bedenken.«Die Agenturen müssen selber kämpfen», sagt er.

Kämpfen, das wollen auch die Teilnehmer der Protestkundgebung weiterhin für ihre Poststellen. Sie bleiben unnachgiebig gegen den gelben Riesen.