Dulliken
Post-Delegierte mit Pfiffen und Buhrufen empfangen

Rund 200 Personen demonstrierten am Montagabend in Dulliken gegen eine drohende Schliessung der Poststelle. Weil der Andrang so gross war, musste die Gemeinderatssitzung für das Traktandum in die Kleinfeld-Aula verlegt werden.

Christoph Zehnder
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Demo gegen Postschliessung in Dulliken - Info Gemeinderat
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Die Dullikerinnen und Dulliker wollten damit ein Zeichen gegen eine drohende Schliessung der Poststelle setzen.
Neben der Dorfbevölkerung waren auch Gewerkschafter und Einwohner aus Starrkirch-Wil und Obergösgen anwesend.
Da der Andrang so gross war, musste die Sitzung für dieses eine Traktandum in die Kleinfeld-Aula verlegt werden.
Dulliken empfängt Postvertreter
Dulliken empfängt Postvertreter
Dulliken empfängt Postvertreter
Dulliken empfängt Postvertreter
Dulliken empfängt Postvertreter
Dulliken empfängt Postvertreter
Die Post-Vertreter hatten es in Dulliken angesichts des kritischen Publikums besonders schwer, die Vorzüge einer Agenturlösung schmackhaft zu machen.
Die Protest-Teilnehmer liessen sich nicht erweichen.
Dulliken empfängt Postvertreter
Dulliken empfängt Postvertreter

Demo gegen Postschliessung in Dulliken - Info Gemeinderat

Bruno Kissling

Trotz deutlich milderen Temperaturen als noch vor ein paar Tagen war es ein kühler Empfang, den Dulliken am Montagabend einer zweiköpfigen Post-Delegation bereitete. Mit Pfiffen und Buhrufen wurde sie begrüsst.

Rund 200 Personen waren dem Aufruf des unabhängigen Komitees «Pro Post Dulliken» gefolgt und protestierten eine halbe Stunde vor der Gemeinderatssitzung gegen eine drohende Poststellenschliessung, darunter Gewerkschafter – aber auch Einwohner aus Starrkirch-Wil und Obergösgen waren vertreten.

Der Andrang war so gross, dass die Sitzung für dieses eine Traktandum kurzerhand in die Kleinfeld-Aula verlegt wurde. Gemeindepräsident Walter Rhiner, der sich über den Grossaufmarsch freute, wies darauf hin, dass es sich dennoch um eine Ratssitzung und nicht etwa um eine Gemeindeversammlung handle, wodurch eine Mitwirkung ausgeschlossen sei.

Bediente Postagentur angestrebt

Die Post-Vertreter waren vom Gemeinderat eingeladen worden, um über die mögliche Zukunft der Poststelle in Dulliken zu informieren. Sicherlich dürften sie es gewohnt sein, bei solchen Anlässen nicht immer gänzlich mit offenen Armen empfangen zu werden.

In Dulliken hatten sie es angesichts des grossen und kritischen Publikums aber besonders schwer, die Vorzüge einer Agenturlösung schmackhaft zu machen. Denn dies, so wurde schnell klar, ist die von der Post angestrebte Variante für Dulliken. «Wenn es eine Veränderung gibt, dann eine bediente Poststelle», erklärte Urs Krattiger, Spezialist für Netzentwicklung bei der Post.

Sein Kollege Bernhard Büchler, Leiter Region Mittelland, verwies auf das veränderte Kundenverhalten sowie den gesetzlichen Auftrag der Post, der auch mit einer Agenturlösung in Dulliken noch mehr als erfüllt sei.

Die Gäste hatten auch gleich einige mögliche Partner-Kandidaten für eine Agentur zur Hand, nämlich Coop, Coop-Tankstelle, Voi, Denner und Jura-Apotheke. Man habe bislang aber noch mit keinem dieser Kandidaten Gespräche über eine Postagentur geführt, sagte Krattiger.

Bernhard Büchler präsentierte auch einige Zahlen zur Poststelle Dulliken, wo die Postgeschäfte zwischen 2010 und 2017 sogar zugenommen haben, jedoch im kürzeren Jahresvergleich 2016 bis 2017 wie im gesamten Poststellennetz abnehmend sind.

Kritischer Gemeinderat

Von den präsentierten Vorzügen einer Agenturlösung liessen sich die Protest-Teilnehmer in der Aula nicht erweichen. Und auch aus den Reihen des Gemeinderates kamen in der anschliessenden Fragerunde ausschliesslich kritische Fragen und Voten.

Die Feststellung von Gemeinderat Patrik Strahm, man fühle sich an eine Verkaufssendung erinnert, erntete wohlwollendes Kopfnicken in den Stuhlreihen. Noch deutlicher wurde Martin Wyss: «Ihr wollt uns den gleichen Mist wie in Starrkirch-Wil andrehen. Wir wollen unsere Post behalten!», polterte er und erntete dafür kräftigen Applaus.

Fragen gab es von den Gemeinderäten auch bezüglich Zukunft der Dulliker Postangestellten und zur weiteren Nutzung der Liegenschaft. Die Erläuterungen der Pöstler brachten in den Augen des Publikums aber nur wenig Erhellendes. Wiederholt wiesen Büchler und Krattiger daraufhin, dass noch nichts entschieden sei.

Diesen Eindruck teilten wohl nur die wenigsten in der Kleinfeld-Aula. Sollte die Post tatsächlich beschliessen, ihre Filiale in Dulliken durch eine Partneragentur zu ersetzen, kann der Gemeinderat eine Überprüfung verlangen. Die Chancen, eine Schliessung so zu verhindern, dürfte aber minimal sein, wie zahlreiche Beispiele zeigen.