Erlinsbach
Pfarrer soll gehen, weil er Wohnsitzpflicht nicht erfüllt

Pfarrer Andy Jecklin soll künftig nicht mehr in Erlinsbach arbeiten dürfen. Dies, weil er nicht in der Gemeinde lebt. Die Solothurner Synode will die erteilte Ausnahmebewilligung nicht akzeptieren.

Kelly Spielmann
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Pfarrer Andy Jecklin bei seiner Installation im Dezember 2015. Bruno Kissling/Archiv

Pfarrer Andy Jecklin bei seiner Installation im Dezember 2015. Bruno Kissling/Archiv

Bruno Kissling

Die reformierte Erlinsbacher Kirchgemeinde bangt derzeit um Pfarrer Andy Jecklin. Der Pfarrer, welcher in Schönenwerd zu Hause ist und in der reformierten Kirche Erlinsbach arbeitet, soll sein Amt dort nicht mehr ausführen dürfen. Der Grund dafür ist in der Kirchenordnung der evangelisch-reformierten Kirche Solothurn zu finden, wo die Wohnsitzpflicht klar geregelt ist.

Seit August 2014 ist Andy Jecklin als nicht gewählter Pfarrverweser in der reformierten Kirche Erlinsbach tätig. Im Dezember letzten Jahres wurde er nach einem regelrechten Volksaufstand zu seinen Gunsten von der Kirchgemeinde offiziell zum Pfarrer gewählt. Trotz der Wohnsitzpflicht, welche vorschreibt, dass ein Pfarrer in derjenigen Kirchgemeinde leben muss, welche ihn gewählt hat, erlaubte der Kirchgemeinderat, dass Jecklin in Schönenwerd wohnhaft bleiben kann.

Die rechtliche Lage für Pfarrer

In der Kirchenordnung der evangelisch-reformierten Kirche Solothurn regelt Artikel 151: «Jeder Gemeindepfarrer hat innerhalb der Kirchgemeinde, die ihn gewählt hat, Wohnsitz zu nehmen.» Die Kirchenordnung wurde überarbeitet, 2017 tritt die neue in Kraft. Auch in dieser wird in Artikel 139 ausdrücklich vorgeschrieben: «Pfarrer und Pfarrerinnen wohnen in der Kirchgemeinde, die sie gewählt hat.» Dies gilt jedoch nicht für Verweser und Verweserinnen. (KSP)

Und zwar mit einer Ausnahmebewilligung, wie Käthy Schüttel, Kirchgemeindepräsidentin der reformierten Kirche Erlinsbach SO, sagt. «Da das Pfarrhaus zurzeit besetzt ist, haben wir bei Jecklin eine Ausnahme bewilligt», so Schüttel.

Keine Sonderbewilligung erlaubt

Nun habe die Solothurner Synode jedoch festgestellt, dass solche Ausnahmen nicht rechtens seien, und fordert die Wohnsitzpflicht für den Erlinsbacher Pfarrer. Heisst dies für Andy Jecklin nun: Umziehen oder seine Stelle aufgeben? Laut Schüttel komme ein Umzug für Pfarrer Jecklin nicht infrage, da er Kinder im schulpflichtigen Alter habe und mit diesen in ihrem gewohnten Umfeld bleiben möchte. Auch wolle man in Erlinsbach nicht, dass Jecklin seine Stelle aufgebe: «So einen guten Pfarrer kann man nicht einfach gehen lassen», äussert sich Käthy Schüttel dazu. Ausserdem sei es unvernünftig, von einem Pfarrer, dessen Arbeitspensum im Dorf nur 75 Prozent betrage, einen Umzug zu verlangen.

Bei den Mitgliedern der reformierten Kirche sei Andy Jecklin laut Schüttel äusserst beliebt. Dies zeigt sich wohl auch in der Tatsache, dass die Gemeinde im letzten Jahr für die Wahl von Jecklin gekämpft hat. Obwohl die Mehrheit des Kirchgemeinderats gegen die Wahl Jecklins war, setzten sich die Mitglieder der Kirchgemeinde vehement für Jecklin ein, bis dieser sein Amt im Dezember antreten konnte.

Zufriedenheit aller Parteien

Die Situation scheint also so, wie sie war, gut gewesen zu sein. Sowohl die Mitglieder der Gemeinde als auch der Kirchgemeinderat seien mit seiner Arbeit im Dorf glücklich gewesen. Dies nun ändern zu müssen, obwohl alle betroffenen Parteien zufrieden seien, ist für Schüttel unerklärlich.

Dass er nicht in der Gemeinde lebt, habe niemanden gestört und auch keine Probleme bereitet, so die Kirchgemeindepräsidentin. Ganz im Gegensatz zur jetzigen Situation: «Die Probleme, mit denen wir nun umgehen müssen, sind sehr einschneidend für unsere Kirchgemeinde und mit viel Aufwand verbunden», so Schüttel. Denn es sei alles andere als leicht, den Konflikt zu lösen.

Vom Beamten zum Angestellten

Käthy Schüttel habe sich zwar um eine Sonderbewilligung bemüht, damit Andy Jecklin weiterhin als Pfarrer arbeiten könne, sei damit aber erfolglos gewesen. Die einzige Lösung sei nun, Jecklin seinen Status als Beamten zu entziehen und anstelle dessen ein Angestelltenverhältnis einzugehen. Dadurch könne die Wohnsitzpflicht umgangen werden. Als Angestellter muss Jecklin, im Gegensatz zum Beamten, nämlich nicht von der Kirchgemeinde gewählt werden und somit auch nicht in dieser wohnhaft sein.

Dies bestätigt Reto Bähler vom Amt für Gemeinden: «Es ist mittels entsprechender Anpassung der Gemeindereglemente möglich, das Dienstverhältnis des Pfarrers anstatt im Beamtenstatus als Angestelltenverhältnis zu führen.

Dadurch ist er nicht von der Kirchgemeinde gewählt, sondern lediglich noch angestellt und die Wohnsitzpflicht trifft nicht mehr zu», so Bähler. Dafür ist jedoch ein Kirchgemeindeversammlungsbeschluss nötig. Diesen Weg wolle die Kirchgemeinde nun gehen, um Pfarrer Jecklin weiterhin im Dorf behalten zu können.

Andy Jecklin seinerseits hat auf wiederholte Anfragen dieser Zeitung um eine Stellungnahme nicht reagiert.

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