Personalmangel
Solothurner Pilzsammler suchen nach Kontrolleuren: In Erlinsbach springt vorerst ein Aargauer ein

Mehrere Gemeinden finden kaum fachkundiges Personal, eine Ausbildung braucht Zeit. Es wird nach Lösungen gesucht.

Felix Ott
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Der Pilzkontrolleur Hans Blattner führt übergangsweise die Pilzkontrollen für Erlinsbach durch.

Der Pilzkontrolleur Hans Blattner führt übergangsweise die Pilzkontrollen für Erlinsbach durch.

Katja Schlegel (Archiv)

Giftig oder ungiftig? Das ist eine Frage, die über Leben und Tod entscheiden kann. Darum braucht es Pilzkontrollstellen mit diplomierten Kontrolleuren. Sie unterstützen sowohl erfahrene Pilzsammlerinnen und Pilzsammler der Identifikation essbarer Pilze, wenn diese von einer Suche aus dem Wald zurückkehren.

Im vergangenen Frühjahr verstarb Otto Bitterli, langjähriger Niedergösger Pilzkontrolleur. Seine Tätigkeit übte er für die Gemeinden im unteren Niederamt aus. Danach hatten einige Gemeinden keine Pilzkontrollstellen mehr. Der Erlinsbacher Gemeinderat schreibt in einem Bericht, dass nun eine Vereinbarung mit Hans Blattner in Küttigen (AG) getroffen wurde. Der Aargauer Pilzkontrolleur führt ab sofort zusätzlich die Kontrollen für Erlinsbach durch.

Aktuell werde noch eine langfristige Lösung für die Region gesucht, so der Gemeinderat. Doch in anderen Gemeinden, darunter Niedergösgen, ist die Pilzkontrolleurstelle weiterhin vakant.

«Die Nachfrage nach Pilzkontrolleuren ist gross»

In der Gemeinde Erlinsbach gingen bereits einige Anfragen ein, wo man die Pilze kontrollieren lassen könne, erzählt Madeleine Neumann. Die Erlinsbacher Gemeindepräsidentin bestätigt: «Die Nachfrage nach Pilzkontrolleuren ist gross». Eine Lösung musste schnell gefunden werden, da die Leute jetzt sammeln gingen, so Neumann.

Die Gemeindepräsidentin Erlinsbach Madeleine Neumann.

Die Gemeindepräsidentin Erlinsbach Madeleine Neumann.

Bruno Kissling (Archiv)
«Die Wahrscheinlichkeit jemanden zu finden ist am grössten, wenn man bei den Pilzsammlern direkt nachfragt, ob jemand Interesse hätte.»

Die Suche werde mit den umliegenden Gemeinden koordiniert. Eine regionale Pilzkontrolle habe sich als die beste Lösung erwiesen.

In Niedergösgen gebe es bereits eine Person, die sich zum Pilzkontrolleur ausbilden lassen wolle, verrät Neumann. Doch dies werde wohl erst 2022 der Fall sein, da die Kurse für dieses Jahr bereits ausgebucht seien, wie Hans Blattner berichtet.

Weitere News vom Gemeinderat

Starke Unwetter im August haben in Erlinsbach Schäden verursacht. Nebst Liegenschaften sind auch Strassen, Bäche und Wege betroffen. Die Risiken von künftigen Unwettern werden aktuell durch ein Ingenieurbüro analysiert schreibt der Gemeinderat im Bericht. 

Zum Schutz vor den Wassermassen verteilte die Feuerwehr Sandsäcke an die Bevölkerung. Diese können weiterhin beim Feuerwehrkommandanten angefordert werden.

Eine externe Analyse der Technischen Betriebe Erzbachtal zeigt auf, dass die Betriebsleitung gestärkt werden muss. Eine Stellenausschreibung werde folgen, schreibt der Gemeinderat.

Der Parkplatz Dorfplatz wird ab dem 1. September 2021 durch die Kantonspolizei Solothurn kontrolliert. Die Parkgebühren können neu per «Parkingpay», «Twint» oder «Easypark» beglichen werden.

Der Lotsendienst beim Dorfplatzkreisel und beim Rössliplatz wird auch im neuen Schuljahr angeboten.

Der Gemeinderat bittet alle Reiterinnen und Reiter den Pferdekot auf den Strassen und Gehwegen zu beseitigen.

Niedergösgen sucht aktuell ebenfalls nach Pilzkontrolleuren. Deshalb wird vom Gemeinderat eine befristete Zusammenarbeit mit Dulliken angestrebt, sagt Gemeindepräsident Roberto Aletti auf Anfrage. Nach einer langfristigen Lösung werde noch gesucht.

Die Pilzsaison ist angelaufen

Zwischen Mitte August und Ende Oktober werden die meisten Pilze gesammelt, berichtet Blattner. Montag, Mittwoch, Freitag und Sonntag jeweils zwischen 18:30 und 19:30 Uhr können auch Erlinsbacher Pilze zur Kontrolle bringen. Termine ausserhalb der Fixzeiten müssen telefonisch angefragt werden. Die Kontrollen werden beim Pilzkontrolleur zuhause in Küttigen durchgeführt.

Aktuell gebe es noch relativ wenig Pilze in den Wäldern, da die Böden noch zu feucht seien. «Lediglich unter Bäumen, wo es etwas trockener ist, lassen sich einige Pilze finden», so Blattner. Doch die Situation könne sich jederzeit ändern, dann kämen viele auf einmal heraus.

Das Pilzwachstum sei von vielen verschiedenen Einflüssen abhängig. Beispielsweise müssen Feuchtigkeit, Temperatur oder pH-Wert des Bodens genau passen, damit ein Pilz einen Fruchtkörper produziert. Genau genommen wird nämlich nicht der Pilz selbst gesammelt, sondern lediglich dessen Frucht. Der Pilz befindet als Myzeliennetzwerk unter der Erde.

Ein breites Fachwissen ist gefragt

Die VAPKO rät, alle gesammelten Pilze zur Kontrolle zu bringen, um Vergiftungen zu vermeiden.

Die VAPKO rät, alle gesammelten Pilze zur Kontrolle zu bringen, um Vergiftungen zu vermeiden.

Christian Beutler (Archiv)

Um Pilzkontrollen durchzuführen, muss bei der Vereinigung amtlicher Pilzkontrollorgane der Schweiz (VAPKO) eine Prüfung abgelegt werden. Dort wird viel mykologisches Wissen vorausgesetzt. Denn in der Schweiz sind über 10'000 Pilzarten bekannt und jährlich werden Dutzende neu dokumentiert.

Durchschnittlich werden in der Deutschschweiz jährlich rund 25 Pilzkontrolleurdiplome ausgestellt. Dazu werden vom VAPKO einwöchige Kurse an der landwirtschaftlichen Schule in Landquart durchgeführt. Die Teilnehmenden sind völlig durchmischt: «Die Frauen- und Männeranteile sind ausgeglichen und auch alle Altersklassen sind vertreten», erzählt die Medienverantwortliche der VAPKO, Marionna Schlatter.

Sie betont, wie wichtig die Kontrollstellen sind. In den letzen zehn Jahren hätten deutlich mehr Personen Pilze gesammelt. Dies führe auch zu einer Steigerung der Vergiftungsfälle. Die Kontrollstellen seien eine wichtige Dienstleistung und sollen auch genutzt werden.

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