Grün ist es in der Aareschlaufe beim Kernkraftwerk Gösgen: Wiesen, Getreidefelder, Bäume und Hecken dominieren das Bild. Darin eingebettet: ein verschlafen wirkender Industriekomplex. Nur der süssliche Duft von nassem Papier verrät, dass hier rund um die Uhr produziert wird: Die Cartaseta-Friedrich & Co. stellt im Gretzenbacher Sandacker seit über 50 Jahren Hygienepapiere für den Schweizer Markt her (siehe Kontext).

Nun plant das Unternehmen eine Betriebserweiterung. Der Ausbau soll auf der südlich an das bestehende Firmenareal angrenzenden Parzelle geschehen. Die Bauprofile für die neue Lagerhalle sind bereits ausgesteckt. Der grösste Teil des Bauplatzes befindet sich auf Gretzenbacher Gemeindegebiet, ein kleiner Zipfel gehört zu Däniken.

Die Erweiterungspläne sind Teil einer langfristigen Strategie der Cartaseta. Wie Geschäftsleiter Roberto Todaro erklärt, habe man sich vor rund zehn Jahren – also noch vor der grossen Eurokrise – das Ziel gesetzt, die bisher ins Ausland exportierte Produktionsmenge in die Schweiz zu verlagern. Aus diesem Grund habe man in den vergangenen zehn Jahren den Betrieb modernisiert und in neue Anlagen sowie in eine Kapazitätserweiterung der Produktion und Verpackung investiert. Offenbar mit Erfolg: Wie der Geschäftsleiter von Cartaseta erläutert, wird unterdessen ein grosser Teil der Gesamtproduktion in der Schweiz abgesetzt.

Standortvorteil Schweiz

Die aktuelle Erweiterung sei auch ein Bekenntnis zum Standort Gretzenbach, wie Todaro weiter ausführt. Nahe am Zielmarkt zu produzieren, sei für ein mittelständiges Unternehmen wie die Cartaseta von Vorteil. So profitiere man von kurzen Versorgungswegen und könne ausserdem die Anzahl umweltbelastender Transporte reduzieren.

Angesprochen auf die Tatsache, dass viele industrielle Betriebe ihre Produktion ins Ausland verlagern, verweist Todaro auf die positiven Faktoren: «Die Schweiz bietet mit ihrer politischen Stabilität, der planbaren Energiestrategie und der Versorgungssicherheit langfristig auch Standortvorteile».

Langwieriger Prozess

Bereits im Jahr 2013 erwarb die Cartaseta das für die Erweiterung benötigte Grundstück. Da dieses als Reservezone ausgeschieden war, musste erst eine Umzonung in eine Industriebauzone erfolgen. Der neue Teilzonenplan wurde 2014 verabschiedet. Bis der entsprechende Gestaltungsplan ausgearbeitet und genehmigt wurde, vergingen weitere zwei Jahre.

Der Gestaltungsplan regelt insbesondere die Gebäudevolumen und die Aussenraumgestaltung. Ziel ist eine «möglichst naturnahe Einbindung der Industriebauten», wie der dazugehörige Regierungsratsbeschluss festhält. So ist eine Bepflanzung mit einheimischen Bäumen und Sträuchern vorzunehmen und allfällig gerodete Hecken müssen ersetzt werden. Ein Erschliessungsplan schliesslich regelt die Zufahrt zum Industriekomplex auf der Sandackerstrasse.

Baubeginn frühestens 2019

Die Erweiterung der Cartaseta wird in drei Etappen erfolgen, wie Geschäftsleiter Todaro erklärt. Die ersten beiden Etappen werden gleichzeitig realisiert, während die Umsetzung der letzten Etappe zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen soll.

Ein definitiver Zeitplan steht noch nicht. Todaro rechnet aber damit, dass Anfang 2019 mit dem Bau begonnen werden kann, sodass die neuen Gebäude Anfang 2020 bezugsbereit sein sollten. Bis es so weit ist, läuft allerdings das Baugenehmigungsverfahren. Die Pläne können noch bis zum 15. Juni öffentlich eingesehen werden.