Olten/Trimbach
Hier wächst der Fischnachwuchs für die regionalen Gewässer heran

Der Fischereiverein Olten und Umgebung produziert bis zu 100'000 Bachforellen-Eier pro Jahr – ein Augenschein bei der Anlage in Trimbach.

Beat Wyttenbach
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Präsident Matthias Steiner steht vor einem Aufzuchtbecken.
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Der Weiher, der ebenfalls zum Verein gehört.
Im Clubhaus: In diese Becken werden die schubladenartigen Stahl-Aufzuchtbehälter gelegt, in welchen aus den Eiern kleine Fische werden.
Rundbecken: Hier schnuppern die Jungfische im Frühling erstmals frische Luft
Aufzuchtbecken: Hier wachsen die Bachforellen auf.

Präsident Matthias Steiner steht vor einem Aufzuchtbecken.

Bruno Kissling / Oltner Tagblatt

Ganz hinten im Trimbacher Graben liegt sie, die videoüberwachte Fischzucht-Anlage des Fischereivereins Olten und Umgebung mit dazugehörigem Weiher. Der Verein wurde 1912 von fünf Oltnern gegründet, weiss der Trimbacher und neue Vereinspräsident Matthias Steiner zu berichten, der seit diesem Jahr im Amt ist und die Nachfolge seines langjährigen Vorgängers Michael Haberstich übernommen hat.

Der Verein erhielt rasch viele Mitglieder, überstand die beiden Weltkriege «relativ gut» und erreichte seinen Höhepunkt bezüglich Mitgliederzahl so gegen Ende der 2010er-Jahre.

«Rund 500 waren es damals; doch mit der Einführung der Patentfischerei 2009 schrumpften wir massiv. Heute zählen wir gegen 140 Mitwirkende»,

erzählt der gebürtige Herisauer. Aber es sei auch eine Chance für die Zukunft gewesen: «Wir mussten uns überlegen, was wir unseren Leuten bieten wollten». Daraus entstand dann das vielfältige und reichhaltige Jahresprogramm, welches beliebte Anlässe wie Brunch, Grillplausch, Vereinsfischen, Fischessen oder Vereinsausflug umfasst.

«Nachwuchsförderung ist zentral»

Natürlich bildet die Nachwuchsförderung nebst der Aufzucht von Bachforellen den zentralen Teil der Vereinstätigkeit. 30 bis 40 Jungfischerinnen und Jungfischer gehören heute zum Verein. Mit 12 bis 14 Jahren stossen sie dazu und absolvieren die Ausbildung mit Theorie, Fachkunde und praktischem Teil an sechs Samstagen pro Jahr.

«So mit 16, 17 Jahren verlassen uns viele wieder. Die Lehre und die erste Liebe sind dann oft wichtiger als das Fischen», meint Steiner verschmitzt. Doch interessant sei, dass viele ab 25 Jahren, wenn sie im Leben etwas gefestigter dastehen, plötzlich wieder zurückkämen.

«Mit der Rekrutierung des Nachwuchses versuchen wir, die Überalterung des Vereins zu verhindern. Und bei uns lernen sie nicht nur Theorie, sondern sie dürfen sich auch mit der Praxis befassen.»

Dass aber auch die älteren Vereinsmitglieder nach wie vor eine zentrale Rolle spielen, beweist das Wirken der fünfköpfigen Aufzucht- und Besatzgruppe unter Obmann Fredy Murat: Im Dezember und Januar wird der Laich der Zuchtfische abgestreift und in schubladenartigen Stahl-Aufzuchtbehältern im Klubhaus herangezogen. «Einmal täglich müssen der Laich gesichtet und die unbefruchteten respektive pilzbefallenen Eier aussortiert werden, um den Rest nicht anzustecken», erklärt Steiner.

Im April und Mai kommen sie mit zirka zwei bis drei Zentimetern Länge in die Rundbecken im Aussenbereich und im Juni und Juli als Sömmerlinge in die Aufzuchtbecken. Nach dem Abfischen im Oktober gelangen die Jungfische dann in die vom Fischereiverein betreuten Gewässer – Dünnern, Aare, Mittelgäubach und Boningerbach –, wo sie für die Erneuerung des Fischbestandes sorgen. «Zudem betreuen unsere Senioren auch die Fische in den Aussenbereichen: Sie versorgen sie mit einem Futter, dessen Hauptbestandteile Fischmehl, Weizenmehl und Öle sind, und schauen, dass das Wasser stets sauber ist», so der Präsident.

Rund die Hälfte der Kosten ist für Unterhalt der Anlage

Der Erlös aus dem Aussatz und dem Verkauf der Fische, die Mitgliederbeiträge, die Jungfischerkurse, die Gewässerbewirtschaftung sowie die Zuschüsse des Kantons für die Aufwertung der Flüsse und Bäche bilden im Übrigen die Hauptstandbeine, mit denen sich der Verein finanziert. Die beiden grössten Kostenverursacher stellen auf der anderen Seite der Unterhalt der Anlage – rund die Hälfte der Ausgaben – sowie Spesen- und Entschädigungs-Aufwendungen dar.

Doch der Aufwand für «ein sehr schönes Hobby» lohne sich, meint Matthias Steiner – «der Fang des ersten Fisches bleibt unvergessen». Die Mitglieder, die meist aus der näheren Region stammen, freuten sich auch auf Zuwachs; melden können sich Interessierte beim Präsidenten, weitere Infos kann auch der Homepage fvolten.ch entnommen werden. Zudem finden nächstes Jahr wieder Jungfischerkurse statt. Jene Anwärter, die dieses Jahr wegen der Coronapandemie nur den theoretischen Teil der Kurse im Homeoffice absolvieren durften, könnten den praktischen Teil ebenfalls 2022 nachholen, hält der Präsident fest.

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