US-Oldtimer sind Relikte aus einer anderen Zeit und Welt. Und diese Welt betritt, wer der Garage «V8 Bros» von Roland Schibli und Andi Lüthi in Trimbach einen Besuch abstattet.

Amerikanische Nummernschilder und alte Werbeplakate zieren die Wände. Und das Wichtigste: Rund 35 Autos mit Jahrgängen zwischen 1945 und 1972, gelegentlich auch jünger, stehen zur Besichtigung auf dem Vorplatz und im Showroom oder zum Unterhalt in der Werkstatt.

Vor fünf Jahren übernahmen Schibli und Lüthi das Areal der ehemaligen Auto Gerny AG im oberen Dorfteil. Amerikanische Oldtimer zu importieren und instand zu setzen, ist eine langjährige Leidenschaft der beiden. Die Initiative für die Gründung einer eigenen Garage kam von Schibli, gelernter Maschinenmechaniker, der nach langer Tätigkeit in der Montage mit vielen Reisen sesshaft werden wollte.

Seine Vorstellung sah zwar etwas deutlich Bescheideneres vor als das grosse Areal, auf das ihn ein Freund aufmerksam machte. Schliesslich entschied er sich, das Risiko einzugehen, und fragte Lüthi an (gelernter Auto- und Lastwagenmechaniker), ob er mitmachen wolle. «Andi sagte sofort zu», freut sich Schibli. Beide sind in Olten aufgewachsen und kennen sich seit ihrer Jugend.

Auf Augenschein in den USA

Mittlerweile stützt sich die Firma auf drei Standbeine: Verkauf, Werkstatt und Vermietung. Zwei Mal jährlich reist Schibli für insgesamt rund sieben Wochen in die USA, um sich nach geeigneten Autos umzusehen. «Es ist ganz wichtig, keine Blindkäufe zu tätigen, sondern das Auto vor Ort anzuschauen», erklärt Schibli.

Zu einfach falle man sonst auf die Nase und bekomme das Auto in ganz einem anderen Zustand, als angepriesen. Die jährlich 25 bis 45 gekauften Autos werden aufs Schiff verladen und bis nach Basel transportiert. In Trimbach setzen Lüthi und Schibli die Autos instand, wechseln alle wichtigen Flüssigkeiten und führen sie der Motofahrzeugkontrolle vor.

Mit ihrer Werkstatt sind die V8 Bros. schon fast eine Ausnahme. «Die wenigsten Händler haben noch eine Werkstatt», stellt Schibli fest. Doch gerade das fördert das Vertrauensverhältnis zu ihren (Stamm-)kunden. Während des Gesprächs ruft ein Kunde an, weil der Motor seines Oldtimers nicht anspringen will.

Schibli gibt ihm einen Tipp, wie sich das Auto anschieben lässt – wenn nicht, komme er mit dem Lastwagen. «Es ist schon ein Sieben-Tage-Job», so Schibli. Es könne vorkommen, dass am Sonntagmorgen das Telefon klingelt – auch wenn Schibli dafür nicht immer gleich viel Verständnis aufbringt.

Seit rund zwei Jahren vermieten sie ihre Oldtimer, sei es für eine Abendausfahrt, einen Tag, ein Wochenende oder länger. Wer sich also die Autos mit Preisen zwischen 12'000 und 130'000 Franken nicht leisten kann oder möchte, kann zumindest ein Wochenende lang mit einem gut unterhaltenen US Classic Car durch die Gegend brausen.

Ganz einfach ist ihr Geschäft nicht. Der Markt verändert sich, die Preise steigen in den USA, der Absatz wird schwieriger. Mit dem Risiko müssen sie leben. «Ich bin eine risikofreudige Person und das ist auch notwendig», so Schibli.

Durchschnittskunden gibts nicht

Was die Käufer ihrer Autos betrifft, sind sich Lüthi und Schibli einig: Einen Durchschnittskunden gibt es nicht. Die Palette reiche vom 22-jährigen, der einen sogenannten «Muscle Car» mit viel Hubraum und Leistung kaufe, bis zum 70-jährigen Sammler. Der Nutzen sei beim Kauf jedoch das kleinste Kriterium. «Das sind keine Autos, die man für den Alltag kauft. Das ist Leidenschaft und Hobby.»

Aktuell ist retro wieder en vogue, aber ein grosser Vorteil von den Autos ist zeitlos: Im Gegensatz zu neuen Produktionen steigt ihr Wert mit den Jahren, die Kilometerzahl ist weniger entscheidend.

Und was sind die beliebtesten Modelle? «Ford Mustang», kommt die rasche Antwort. Und etwas später: «Und Chevrolet Corvette.» Der grosse Hype um die beiden Autos sei definitiv spürbar. «Grundsätzlich gefällt aber jedem Kunde etwas anderes. Andere Epoche, andere Merkmale, andere Farbe», so Schibli.

Die beiden sind regelmässig mit ihren Amischlitten an Oldtimer-Treffs zu sehen. Vom 2. bis zum 4. September werden sie mit mehreren Autos am Oldtimer-Treffen «Route 66» in Aarburg dabei sein.