Trimbach
Oberster Solothurner Verkehrspolizist: «20 Unfälle pro Jahr sind ein guter Wert»

Yves Staub Chef Verkehrstechnik Polizei Kanton Solothurn sprach in Trimbach über die Verkehrsentwicklung.

Christoph Zehnder
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Durch den Kreisel auf der Baslerstrasse gibt es auf Trimbachs Strassen heute weniger Konfliktpunkte.

Durch den Kreisel auf der Baslerstrasse gibt es auf Trimbachs Strassen heute weniger Konfliktpunkte.

Bruno Kissling

Er sei nicht nach Trimbach gekommen, um Verkehrspolitik zu betreiben, stellte Yves Staub, Chef Verkehrstechnik der Solothurner Kantonspolizei gleich zu Beginn klar. Der oberste Solothurner Verkehrspolizist, der selber in Trimbach aufgewachsen ist, war am Dienstag vom Kulturverein Forum eingeladen worden, um über die Entwicklung und aktuelle Situation im Strassenverkehr – auch aber nicht nur in der Region – zu sprechen. Dass Verkehr oftmals ein Reizthema ist, bewies die lebhafte Beteiligung der rund 50 Zuhörer im Mehrzweckraum Gassacker, darunter auch die Mitglieder des Trimbacher Gemeinderats.

Jeder sei in irgendeiner Form Verkehrsteilnehmer und habe als solcher je nach Situation eine andere Perspektive: «Als Automobilist rege ich mich oft über Fussgänger auf – und umgekehrt als Fussgänger über die Autofahrer», gab der Referent augenzwinkernd zu. Wenn es um die Sicherheit geht, setzt die Polizei beim Faktor Mensch an. Denn dieser ist laut Staub für 90 Prozent aller Unfälle verantwortlich. Technische oder umweltbedingte Ursachen sind die Ausnahme.

Yves Staub, Chef Verkehrstechnik Polizei Kanton Solothurn «20 Unfälle pro Jahr sind für ein Dorf wie Trimbach ein guter Wert.»

Yves Staub, Chef Verkehrstechnik Polizei Kanton Solothurn «20 Unfälle pro Jahr sind für ein Dorf wie Trimbach ein guter Wert.»

KAPO SO

Gerade bei jungen Verkehrsteilnehmern spiele die Prävention daher eine grosse Rolle – angefangen bei der Aufklärung in der Primarschule bis zur Raserprävention an den Berufsfachschulen. Danach heisst es leider oft: Repression statt Prävention – also Bussen und Strafen. «Auch das erzeugt einen gewissen Lerneffekt», sagt Staub. Sensibilisierung sei aber der wichtigste Faktor für die Verkehrssicherheit.

Falsche Sicherheit

Mit ein paar statistischen Angaben zeigte der Polizist auf, was in Zukunft in Sachen Verkehr zu erwarten ist: Zwischen 1970 und 2016 hat sich die Zahl der Fahrzeuge auf Solothurner Strassen auf rund 200'000 vervierfacht. Schweizweit seien heute 8 Millionen Fahrzeuge immatrikuliert. Die Zahl der tödlichen Unfälle ist aber rückläufig. Zu dieser erfreulichen Entwicklung trage auch der technische Fortschritt bei. Manchen Autofahrer verleite das jedoch zu falscher Sicherheit. «Wir haben leider oft das Gefühl, die sicherer gewordenen Fahrzeuge durch eine riskantere Fahrweise kompensieren zu müssen.»

Im Gepäck hatte Yves Staub auch einige Zahlen zu Trimbach (siehe Tabelle). Die Hauptverkehrsbelastung trägt zweifelsohne die Baslerstrasse. Dennoch hat hier der Verkehr in den vergangenen Jahren abgenommen – von rund 16'000 auf 12'000 Fahrzeuge pro Tag. «Die ERO spielt da sicher auch eine Rolle.» Rund um Olten sei aber generell das Problem, dass viel Verkehr in einen kleinen Raum fliesse.

Die Unfallzahlen für Trimbach mit rund 20 (polizeilich registrierten) Unfällen pro Jahr liegen gemäss Staub im Rahmen. «Für ein Dorf wie Trimbach ist das ein guter Wert», sagte Staub und zeigte auf, wo sich die meisten Kollisionen ereignen. Am häufigsten «tätschts» im Bereich Basler-, Winznauer-, Brückenstrasse sowie auf der Hauensteinstrecke.

Vergleichsweise wenig Unfälle gibt es in den Quartieren. Dies sei sicherlich auch der Tempo-30-Zone zu verdanken. «Aber 30er-Zone heisst nicht automatisch sichere Fahrbahn», warnte Staub. Solche Bereiche stellten einfach andere Herausforderungen an die Verkehrsteilnehmer und wollen daher vor der Einführung gut überlegt sein. Selbiges lässt sich über den Kreisel auf der Baslerstrasse sagen, den Staub als «keine schlechte Lösung» bezeichnete. Er machte keinen Hehl daraus, dass ihn persönlich nicht alle Verkehrsmassnahmen im Raum Olten vollständig überzeugten. Mit den Bauvorhaben an Aarburgerstrasse, Post- und Bahnhofplatz komme ausserdem noch einiges auf die Region zu.

Motorenlärm nervt

Anhand der Fragen der Zuhörer wurde auch klar, dass sich einige Bewohner eigentlich mehr Polizeikontrollen im Dorf wünschten – und zwar nicht nur hinsichtlich der Geschwindigkeit. Denn mit den Temperaturen steigt auch der Lärmpegel auf der Strasse – sei dies durch getunte Autos oder aufgemotzte Motorräder. «Wir erwischen bei weitem nicht jeden, aber wir haben ein Auge drauf», versicherte der oberste Solothurner Verkehrspolizist.