In weniger als einem Monat, am 2. August, nimmt die Bohrmaschine im Eppenbergtunnel ihre Arbeit wieder auf. Seit dem 7. Juni steht sie unter einem Feld zwischen Schönenwerd und Gretzenbach still. Dort wird sie auf Nassbetrieb umgerüstet, der für das Lockergestein im Gretzenbacher Untergrund nötig ist.

Bis zum Portal in Gretzenbach fehlen noch 773 Meter, die zuerst unter freiem Feld und später unter bewohntem Gebiet verlaufen. Das Gebiet über dem Tunnel wurde in zwei Korridore eingeteilt. Der innere Korridor geht von der Mitte des Tunnelquerschnitts 20 Meter auf beide Seiten, der äussere je 70 Meter. Die 60 Parteien, deren Häuser und Liegenschaften sich in einem dieser Korridore befinden, wurden von der SBB brieflich zu einem Informationsanlass eingeladen.

Vorinformation für Anwohner

Rund 40 Personen waren am Dienstag der Einladung in die Bibliothek Meridian in Gretzenbach gefolgt. Nach der Begrüssung durch den Gesamtprojektleiter Thomas Schweizer erklärte Baustellenchef Remo Pinazza den weiteren Bauablauf. Er meinte: «Wir werden uns in den nächsten Monaten sehr nahe kommen.» An der dünnsten Stelle ist die Oberkante der Bohrmaschine nur zwölf Meter unter der Erdoberfläche. Eine Tatsache, welche die darüber wohnhaften Menschen durchaus zu beunruhigen vermag.

Im Nassbetrieb wird mit einer Stützflüssigkeit aus Wasser und Tonpartikeln Druck aufgebaut, damit das Loch nicht einstürzt, bevor es befestigt werden kann. Diese Flüssigkeit hat eine ähnliche Konsistenz wie Joghurt. Um zu wissen, wann die Bohrmaschine ihre Liegenschaft unterquert, können sich die Anwohner für eine telefonische Vorinformation anmelden, die dann eine Woche vorher erfolgt. Geplant ist, pro Tag rund 10 Meter zu bohren und vor Weihnachten dieses Jahres fertig zu sein, damit die Arbeiter nach Hause können. Die Bohrmaschine läuft im Nassbetrieb 24 Stunden am Tag, weil der Stützdruck aufrechterhalten werden muss.

Florian Eidt, Projektleiter Überwachung bei der Terra Vermessungen AG, erklärte, wie die betroffenen Liegenschaften überwacht werden. Zum einen gibt es eine Tachymeterstation, die zuvor angebrachte Messziele an Häusern alle 30 Minuten auf Veränderungen untersucht. Die Station wird dann entsprechend dem Standort der Bohrmaschine verschoben. Zum anderen werden Erschütterungen mit schuhkartongrosssen Messgeräten in den Kellern der Häuser gemessen und die Häuser im äusseren Korridor mit Nivellementpunkten, die wie Schrauben aussehen, überwacht.

Messgeräte schlagen Alarm

Diese Messgeräte werden rund um die Uhr automatisch überwacht und lösen bei Veränderungen einen Alarm bei der Bauleitung und den Bohrmaschinenführern aus. Auf Nachfrage erklärt Thomas Schweizer, dass dieser Alarm nicht direkt an die Bewohner gegeben wird, weil die Messgeräte viel früher alarmieren, als dass Schäden zu erwarten sind. Die Messwerte können von den Anwohnern aber im Nachhinein eingesehen werden, falls dies gewünscht wird. Den Verantwortlichen war es wichtig zu betonen, dass die Messgeräte da sind, um zu beweisen, dass nichts passiert. Um allfällige Schäden festzustellen wird nach dem Ausbau der Innenschale eine zweite Begehung stattfinden. Falls vorher irgendwelche Schäden bemerkt werden, sollen sich die Betroffenen bei der SBB melden. Um klarzustellen: Bei den möglichen Bewegungen handelt es sich um wenige Millimeter und bei den Schäden um Risse in der Dicke eines Bleistiftstrichs.

Die meisten Anwohner, die den Informationsanlass in Gretzenbachbesuchten, haben sich mittlerweile an den Tunnelbau gewöhnt und sich damit abgefunden. Mit den ausführlichen Informationen der SBB waren die sie mehrheitlich zufrieden. Sie fühlen sich gut betreut und sind froh um die Möglichkeit, sich jederzeit melden zu können. Trotzdem konnten nicht alle Ängste und Zweifel zerstreut werden. Bemängelt wurden einzig der Zeitpunkt der Veranstaltung in der ersten Woche der Sommerferien und die Komplexität der Informationen. Bis der Tunnel Ende 2020 in Betrieb genommen werden kann, müssen sie sich noch gedulden.