Regierungsratswahlen
Niedrige Wahlbeteiligung im Niederamt: In Walterswil wählte nicht einmal jeder Fünfte

Das Niederamt ging vergangenen Sonntag mit einer Wahlbeteiligung von durchschnittlich 27,99 Prozent an die Urne.

Kelly Spielmann
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Walterswil bot die tiefste Wahlbeteiligung des Niederamts.

Walterswil bot die tiefste Wahlbeteiligung des Niederamts.

Bruno Kissling/Archiv

Im zweiten Wahlgang des Regierungsrats konnte der Kanton Solothurn mit einer Wählerbeteiligung von 30,65 Prozent sein bereits relativ schlechtes Resultat vom ersten Wahlgang (34,7 Prozent) nicht verbessern. Auch im Niederamt liessen die Zahlen zu wünschen übrig: Während im ersten Wahlgang noch 32,16 Prozent aller Stimmberechtigten an die Urne gingen, waren es am vergangenen Sonntag im zweiten Wahlgang lediglich noch 28,34 Prozent.

Im zweiten Wahlgang konnte Starrkirch-Wil mit einer Beteiligung von 41,76 Prozent als einzige Gemeinde des Niederamts die 40 Prozent-Marke knacken. Gemeindepräsident Daniel Thommen glaubt, dass dies daran liegt, dass die SP und die FDP im Dorf eine starke Position einnehmen. «Beide Parteien haben natürlich versucht, ihre Leute zu mobilisieren», so Thommen. Ausserdem erlebe er bei allen Wahlen und Abstimmungen, dass die Wählerbeteiligung im Dorf im Vergleich zum gesamten Kanton überdurchschnittlich hoch sei.

«Wir haben hier ein politisch sehr interessiertes Publikum», erklärt der Gemeindepräsident dieses Phänomen. Dies zeigt sich auch im Abstand zwischen Starrkirch-Wil und der Gemeinde Hauenstein-Ifenthal, welche die zweithöchste Wahlbeteiligung aufwies. 34,8 Prozent aller Stimmberechtigten zog es dort am Sonntag an die Urne. Dass verhältnismässig viele Leute in Hauenstein-Ifenthal wählten, hat sogar den Gemeindepräsidenten Jürg Ryffel erstaunt.

Düster sieht es hingegen in Rohr aus: Im zweiten Wahlgang wählten dort bloss 20,27 Prozent aller Stimmberechtigten – exakt die Hälfte der 40,54 Prozent, welche im ersten Wahlgang noch an die Urne gingen. Grund dafür dürfte die politische Ausrichtung im Dorf sein: Im ersten Wahlgang überwogen die Stimmen für die beiden CVP-Kandidaten Roland Fürst und Roland Heim mit 21,74 beziehungsweise 19,57 Prozent aller Stimmen.

Die drei Kandidatinnen, welche im zweiten Wahlgang antraten, erhielten damals mit 13,04 Prozent (Brigit Wyss, Grüne), 9,78 Prozent (Marianne Meister, FDP) sowie 5,43 Prozent (Susanne Schaffner, SP) aller Stimmen relativ schlechte Werte. Es ist daher naheliegend, dass das politische Interesse, eine der drei Frauen zu wählen, im zweiten Wahlgang zu klein war, um die Bevölkerung erneut an die Urne zu locken.

Doch auch mit der extrem niedrigen Beteiligung ist Rohr nicht die wahlschwächste Gemeinde im Niederamt. Das Schlusslicht bildet Walterswil, wo nur 19,42 Prozent der Stimmberechtigten die neuen Regierungsräte wählten.

Gemeindepräsidentin Marie-Louise Willhelm-Merz kann dies nicht nachvollziehen. «Ich kann es leider auch nicht erklären. Ich versuche immer wieder, die Leute zu motivieren, an die Urne zu gehen, aber es scheint nicht zu funktionieren», so die Gemeindepräsidentin. In persönlichen Gesprächen sowie an Gemeindeversammlungen und Abstimmungen mache sie die Bevölkerung auf die Wahlen aufmerksam.

Ein Grund könnte ihrer Meinung nach sein, dass viele der Bewohner sich eher nach dem Kanton Aargau ausrichten, und nicht nach dem Kanton Solothurn. Auch gäbe es in Walterswil viele Neuzuzüger. Doch trotz der möglichen Gründe ist Willhelm-Merz nicht zufrieden mit der Wahlbeteiligung in der Gemeinde: «Es wäre schon schön, wenn wir mal nicht die letzten auf der Liste wären.»