Niedergösgen
Doch ein deutliches Ja zur Klassenassistenz

Die Schaffung einer 60-Prozent-Stelle löste an der Gemeindeversammlung in Niedergösgen Diskussionen aus.

Fabio Baranzini
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Gemeindepräsident Roberto Aletti argumentierte für die neue Stelle einer Klassenassistenz.

Gemeindepräsident Roberto Aletti argumentierte für die neue Stelle einer Klassenassistenz.

Fabio Baranzini

Traktandum 3: Anpassung der Dienst- und Gehaltsordnung gemäss §3 – hinter diesem bürokratisch formulierten Titel verbarg sich das Thema, das an der Gemeindeversammlung Niedergösgen für die grössten Diskussionen sorgte. Worum ging’s? Der Gemeinderat beantragte bei den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern die Schaffung einer neuen, unbefristeten Stelle einer Klassenassistenz für die Primarschule. Es handelt sich dabei um ein 60- Prozent-Pensum. Warum es diese neue Stelle braucht, erläuterte Gemeindepräsident Roberto Aletti so: «Die Einführung des Lehrplans 21 hat die Lernsituation in den Schulen stark verändert. Es beansprucht mehr Selbstdisziplin, da mehr in Gruppen und im Selbststudium gearbeitet wird. In Kombination mit den gesellschaftlichen Veränderungen sind wir der Meinung, dass eine Klassenassistenz die richtige Lösung ist.»

Vorhaben hinterlässt Fragezeichen

Zu diesem Antrag gab es mehrere kritische Voten von Seiten der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger. Sie alle wollten wissen, ob denn die Lehrpersonen mittlerweile ihre Klassen nicht mehr im Griff hätten? Welches die Gründe für die Schaffung dieser neuen Stelle seien? Wie denn diese Klassenassistenz in der Praxis eingesetzt werde? Und welche Kosten dadurch jährlich auf die Gemeinde zukämen? Die Antworten lieferten einerseits Gemeindepräsident Aletti – «die Kosten belaufen sich auf jährlich rund 53'000 Franken» – und andererseits Schulleiterin Sandra Balli.

«Bei der Klassenassistenz handelt es sich nicht um eine zusätzliche Lehrperson, sondern um eine empathische Person, die mit ihrer Präsenz mehr Ruhe in die Klasse bringt. Diese Klassenassistenz setzen wir flexibel dort ein, wo sie benötigt wird – und zwar bewusst nicht nur bei schwachen oder auffälligen Schüler:innen, sondern auch zur Unterstützung der Begabteren. Die Lehrpersonen werden dadurch entlastet»,

erklärt Balli, die während der Diskussion mehrmals das Wort ergriff und sich für die neue Stelle starkmachte. Aletti führte zudem ein weiteres Argument für die Klassenassistenz ins Feld. «Niedergösgen soll für Neuzuzüger attraktiv sein. Dabei spielt die Qualität der Schule eine entscheidende Rolle. Die Klassenassistenz kann da durchaus ein Argument sein – für Neuzuzüger und für gute Lehrpersonen, die an unserer Schule arbeiten möchten.»

Am Ende doch ein souveränes Ja

Die Voten überzeugen noch nicht alle Stimmbürgerinnen und Stimmbürger. Und so kam ein Detailantrag aus der Versammlung zur Abstimmung. Dieser sah vor, dass die Stelle der Klassenassistenz mit einem jährlichen Rapport evaluiert wird und der Gemeinderat nach drei Jahren darüber befindet, ob es diese Stelle tatsächlich braucht. Dieser Antrag wurde allerdings abgelehnt. Und so kam der ursprüngliche Antrag des Gemeinderats für eine unbefristete 60 Prozent Stelle zur Abstimmung. Das Ergebnis fiel nach der längeren Diskussion dann letztlich doch klar aus: 30 Ja-Stimmen zu lediglich einer Gegenstimme bei vier Enthaltungen. «Damit wird die Stelle geschaffen», schloss Aletti und übergab das Wort Finanzverwalter Beat Fuchs, der durch die Zahlen des Jahres 2020 führte. Er konnte Erfreuliches berichten: Obwohl ein Verlust von 653'000 Franken budgetiert war, resultierte am Ende lediglich ein Aufwandüberschuss von 70'600 Franken. «Das ist eigentlich eine schwarze Null gemessen an unseren Aufwänden», bilanzierte Fuchs und führte das schlechter prognostizierte Budget aus. «Wir hatten weniger Sachaufwände, weniger Personalaufwände und trotz der Steuerreform deutlich mehr Steuererträge als budgetiert.» Wenig überraschend wurde die Rechnung 2020 von den Niedergösgerinnen und Niedergösgern ohne Gegenstimme angenommen.