Niederamt
Seit dem ersten Lockdown wird kräftig ausgemistet

Wegen Corona sind viele Aktivitäten ausserhalb des trauten Heimes nicht mehr möglich. Laut Beobachtungen zweier Entsorgungsstellen im Niederamt haben die Bewohner der Region diesen Umstand vermehrt dazu genutzt, die eigenen vier Wände auf Vordermann zu bringen.

Denise Donatsch
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Erst gar keinen Abfall zu produzieren ist das Ziel der dreiköpfigen Familie Roas aus Schönenwerd. Da dies noch nicht ganz umgesetzt werden kann, fährt die Familie jeden Samstag zur Entsorgbar, um den Müll fachgerecht zu trennen.

Erst gar keinen Abfall zu produzieren ist das Ziel der dreiköpfigen Familie Roas aus Schönenwerd. Da dies noch nicht ganz umgesetzt werden kann, fährt die Familie jeden Samstag zur Entsorgbar, um den Müll fachgerecht zu trennen.

Denise Donatsch

Gemäss Maik Weber, Teil des Verkauf- und-Marketing-Trios der Transport AG Aarau und entsorgBar in Däniken, ist das Entsorgen von Abfällen für einen grossen Teil der Gesellschaft innerhalb der letzten Jahre ein wichtiges Ritual geworden. Das Erlebnis, Dinge aus der Vergangenheit, die nur mehr als Ballast gesehen werden, loszuwerden, empfinden viele als befreiend.

Ganz generell sei die gesellschaftliche Sensibilität, was die Abfallentsorgung betreffe, in den letzten Jahrzehnten angestiegen. Die Menschen seien sich indessen durchaus der Wichtigkeit der fachgerechten Entsorgung der verschiedenen Güter bewusst und gingen sorgsamer mit den vorhandenen Ressourcen um. Viele seien deshalb froh darum, dass ein grosser Teil der Abfälle via Recycling wieder in den Produktionskreislauf zurückgeführt werden könne und nicht kategorisch in der Verbrennungsanlage enden würde.

Aber auch die Verbrennungsanlagen würden mittlerweile nicht mehr allein zur Einäscherung der Abfälle genutzt. Die thermische Energie, die während des Verbrennungsprozesses frei wird, werde beispielsweise zum Beheizen verschiedener Gebäude verwendet.

Es wurde wie verrückt geräumt und renoviert

Ein Anstieg des Abfallvolumens sei definitiv feststellbar, bemerkt Andreas Misteli, Geschäftsführer der Rippstein Transport AG Trimbach. Nebst der Tatsache, dass die Produktion von Abfällen ganz generell zunähme, habe man einen rapiden Anstieg des Müllberges von März bis Mai des vergangenen Jahres feststellen können.

«Während des ersten Lockdowns konnte eine regelrechter Entsorgungswut beobachtet werden.»

Insbesondere was Müll aus privaten Haushalten betreffe. «Da man weder in den Ausgang gehen noch in die Ferien reisen konnte, hatten die Leute ein viel grösseres Zeitangebot, welches sie zuhause ausfüllen mussten.» Laut Misteli hätte man deshalb vermehrt nach Tätigkeiten gesucht, die auch daheim gemacht werden können. Eine solche Möglichkeit sei das Räumen und Renovieren der eigenen vier Wände. «Es wurden wie verrückt Keller geräumt und Neugestaltungen der Räume vorgenommen», ergänzt der 52-Jährige.

Dementsprechend viel Abfall aus Renovationen sei bei ihnen angekommen. Auch die Muldenaufträge durch Privatpersonen hätten in dieser Phase deutlich zugenommen. Ebenfalls habe man in den Zeitungen vermehrt Bauausschreibungen finden können, da auch für Um- und Anbauten die dazugewonnene freie Zeit genutzt worden sei.

Giovanni Ciccone aus Lostorf gab am vergangenen Samstag schweren Herzens seine in die Jahre gekommene Kaffeemaschine in der Entsorgbar ab. Weitere Abfälle warteten fein säuberlich getrennt in seinem Kofferraum auf die Entsorgung.

Giovanni Ciccone aus Lostorf gab am vergangenen Samstag schweren Herzens seine in die Jahre gekommene Kaffeemaschine in der Entsorgbar ab. Weitere Abfälle warteten fein säuberlich getrennt in seinem Kofferraum auf die Entsorgung.

Denise Donatsch

Kurze Beruhigung während der Sommermonate

Ähnliches konnte auch von Weber rund um die entsorgBar Däniken festgestellt werden. «Während des ersten Lockdowns hatten wir teilweise eine dermassen hohe Frequentierung der Anlage, sodass Staus entstanden sind.» Viele Kunden hätten in dieser Phase Wartezeiten von über einer Stunde in Kauf genommen.» Und was sicherlich auch dazu geführt habe, dass zum Entsorgen mehr Zeit benötigt wurde, seien die Schutzmassnahmen, die nach wie vor gelten.

Beruhigt habe sich die Situation im Jahr 2020 erst in den Sommermonaten, als den Leute wieder vermehrt Freizeitgestaltungsmöglichkeiten zur Verfügung standen. Jedoch nicht für lange. «Als im vergangenen Oktober die Fallzahlen wieder durch die Decke gingen, sei auch das Abfallvolumen aus Privathaushalten wieder angestiegen», erinnert sich Misteli. Zwar nicht mehr ganz so heftig wie im ersten Lockdown, aber dennoch deutlich spürbar. Und seither sei es auch so geblieben.

Ebenfalls ein Faktor, der zu mehr Abfällen führe, sei Mistelis Ansicht nach der Wunsch nach mehr Wohnraum. «Da viele Menschen nun von zuhause aus arbeiten, wird der Wohnraum vielerorts knapp.» Daheim müsse beispielsweise Platz geschaffen werden für ein Home-Office, mancherorts wird es darum eng. Deshalb sei ein erhöhtes Bestreben nach grösseren Wohnungen und damit in Zusammenhang stehend vermehrte Umzüge feststellbar. Und dies sorge natürlich zusätzlich für noch mehr Privatabfälle.

Am Samstag ist Adriana Stitic aus Erlinsbach eigentlich nie in der Entsorgbar anzutreffen, da es ihr viel zu viele Leute hat. Wegen des Zusammenzugs mit ihrem Partner in die erste gemeinsame Wohnung, macht sie aber eine Ausnahme, da es viel zu Entsorgen gibt.

Am Samstag ist Adriana Stitic aus Erlinsbach eigentlich nie in der Entsorgbar anzutreffen, da es ihr viel zu viele Leute hat. Wegen des Zusammenzugs mit ihrem Partner in die erste gemeinsame Wohnung, macht sie aber eine Ausnahme, da es viel zu Entsorgen gibt.

Denise Donatsch

Besonders intensive Samstage

Insbesondere an den Samstagen herrscht ein reges Treiben auf dem Areal der entsorgBar. Es steht Auto an Auto. Menschen mit Kisten und Säcken schwirren umher und befüllen fleissig die Container; fährt ein Auto davon, rückt sofort das nächste nach. Dass dennoch Ordnung herrscht, dafür sorgen Mitarbeitende der entsorgBar, welche den Verkehr souverän durch die Anlage leiten und die Kundschaft berät.

Entsorgt werden derweil die verschiedensten Güter. Adriana Stitic aus Erlinsbach hat an diesem Samstag allerlei alte Möbel abzugeben, da sie gerade dabei ist, mit ihrem Partner zusammenzuziehen. «In der aktuellen Situation haben wir besonders viel Zeit, um uns speziell sorgfältig um die Entsorgung unserer Abfälle zu kümmern», aber auch sonst sei es ihr sehr wichtig.

Die Familie Roas aus Schönenwerd geht dabei sogar noch einen Schritt weiter. «Wir versuchen gar nicht erst Müll zu produzieren, sondern möglichst verpackungsfrei einzukaufen.» Gäbe es dennoch Abfall, dann werde dieser in der Däniker Anlage korrekt entsorgt. Dies mache die Familie, wie sicherlich viele andere auch, immer an den Samstagen, da dies ihr freier Tag sei und sie dafür Zeit hätten.