Diese Woche präsentierte die Weltwoche das neue Gemeinderating. 924 Schweizer Gemeinden wurden unter die Lupe genommen und in einem Ranking zusammengefasst. Beurteilt wurden folgende Kritierien: «Wohnen und Immobilien», «Arbeitsmarkt», «Bevölkerungsstruktur», «Steuerbelastung», «Mobilität und Verkehr», «Versorgung» sowie «Sicherheit». Untersucht werden nur Gemeinden mit mindestens 2000 Einwohnern.

Von den 18 Niederämter Gemeinden schafften es somit nur neun auf die Liste (s. Tabelle). Sie alle schnitten mehrheitlich schlecht ab. Mit dem 897. von 924 Rängen erhielt Obergösgen das schlechteste Rating aller Niederämter Gemeinden. Besonders in einem Punkt schnitt das 2200-Seelen-Dorf schlecht ab: Im Bereich «Wohnen und Immobilien» landete Obergösgen schweizweit auf dem letzten Platz.

Zuzüger positiv überrascht

«Mit der Lebensqualität und der Stimmung im Dorf hat diese Statistik meines Erachtens nichts zu tun», kontert Peter Frei, der neue Gemeindepräsident von Obergösgen. Das Ranking könne aber eventuell Auswirkungen auf die Entscheidung haben, einen Wohnortwechsel nach Obergösgen vorzunehmen. Doch von den meisten Zuzügern hört Peter Frei nur Gutes: «Sie sind sehr positiv überrascht vom Dorf, dem Zusammenhalt, den Vereinen und speziell vom Naherholungsgebiet mit der Aare, dem Aarekanal und dem Naturschutzgebiet. Auch die öV-Anbindung nach Olten ist im 30-Minuten-Takt sehr gut und wird bald sogar auf 15 Minuten ausgebaut.»

Trotzdem ist es für den Gemeindepräsidenten nachvollziehbar, dass der Rang in der Kategorie «Wohnen und Immobilien» im Vergleich zu den Vorjahren weiter gesunken ist: Seiner Gemeinde fehlt es derzeit an Bauplätzen. Das soll sich bald ändern: «Eine grössere Überbauung mit attraktiven Wohnungen für jedes Alter und einem Pflegebereich für ältere Menschen ist in der Planung und wird seit drei Jahren vom Gemeinderat eng begleitet», erklärt Frei.

Der Umstand, dass Obergösgen im Vergleich zu anderen Gemeinden relativ wenig Industrie hat, wirke sich auf die Kategorie «Steuern» aus. «Wir streben hier einen Mittelplatz an und hoffen, in Zukunft die Steuern auch wieder senken zu können. Aktuell ist dies wegen den vielen Bauvorhaben und Investitionen jedoch noch kein Thema», erklärt Peter Frei.
Er vermutet zudem, dass beim Gesamtresultat gewisse Kriterien in jüngster Zeit nicht mehr überprüft wurden: «Bei den Schulen belegten wir vor wenigen Jahren mit Rang 36 einen Spitzenplatz. Auch auf den Bereich Integration legen wir seit Jahren sehr grossen Wert und sehen hervorragende Resultate.» In Kürze nimmt sich eine Arbeitsgruppe der Aufgabe an, Tagesstrukturen für Familien zu schaffen.

Alles in allem bleibt Peter Frei positiv. Er nimmt die Statistik zur Kenntnis und setzt den eingeschlagenen Weg fort. Er ist überzeugt, dass die Projekte, die momentan schon laufen oder aufgegleist sind, einen Einfluss auf die nächsten Ranglisten haben werden. Und fügt an: «Wer dieser Statistik nicht ganz traut, soll mich anrufen. Ich mache gerne eine persönliche Führung durch unser schönes Dorf. Lieber live sehen, wie es ist, anstatt sich nur anhand von Zahlen ein Bild machen.»

Platz 633 ist der Beste

Nicht nur Obergösgen hat sich keinen Spitzenplatz ergattern können. Auch die Ergebnisse anderer Gemeinden aus dem Niederamt lassen zu wünschen übrig – alle befinden sich im unteren Drittel der Liste. Am besten abgeschnitten in der Region hat Erlinsbach SO. Doch auch die Gemeinde im Erzbachtal konnte sich bloss den 633. Platz ergattern. Das vergleichsweise gute Resultat verdankt sie dem Kriterium «Sicherheit», wo Erlinsbach SO auf dem 273. Rang liegt.