Niederamt
«Auch Tiefgaragen oder Strassen standen komplett unter Wasser»: Feuerwehren hatten viel zu tun nach Regengüssen

Am Montagabend waren mehrere Gemeinden im Niederamt von extremen Regengüssen betroffen. Bei den Behörden gingen zahlreiche Meldungen ein; besonders wegen vollgelaufenen Kellern.

Noel Binetti und Lea Durrer
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Wie die Kantonspolizei Solothurn am Dienstag mitteilte, gingen auf der Alarmzentrale am Montag zwischen 17 Uhr und Mitternacht rund 250 Meldungen ein. «Gemeldet wurde fast ausschliesslich eindringendes Wasser in Liegenschaften, was entsprechende Aufgebote der zuständigen Feuerwehren nach sich zog», heisst es. Am meisten Meldungen gingen aus den Gemeinden Lostorf (rund 60), Trimbach (rund 40), Schönenwerd (rund 30), sowie Niedergösgen, Stüsslingen und Winznau (je rund 25) Meldungen ein.

Lostorf

Auf Anfrage sagt Manuel Guldimann, Kommandant der Feuerwehr Lostorf: «Wir haben während der ganzen Nacht etwa 70 Einsätze geleistet.» So seien private Liegenschaften und Keller geflutet worden, «aber auch ganze Tiefgaragen oder Strassen standen komplett unter Wasser».

Dabei war die Feuerwehr Lostorf selbst betroffen: «Unser Depot wurde im Untergeschoss bis zur Decke mit Wasser geflutet.» Rund 35 Einsatzkräfte standen im Einsatz. «Das waren alle, die in der aktuellen Ferienzeit zur Verfügung standen.» Weiter hat Guldimann den Zivilschutz und die Partnerfeuerwehr des Kernkraftwerks Gösgen um Unterstützung gebeten: «Sie halfen uns mit zusätzlichen Pumpmaschinen aus und leisteten Hilfe bei der Bewältigung der zahlreichen Einsätze.»

Die letzten Arbeiten dauerten bis 4.30 Uhr, «wobei wir heute Morgen schon wieder erste Anrufe erhielten», so Guldimann. Zudem stehen Anschlussarbeiten an: «Wir müssen alles in unserem Keller in brauchbares und unbrauchbares Material sortieren.» So seien etwa die persönlichen Brandschutzbekleidungen der Mitarbeitenden, Umkleidekabinen und Materialbestände betroffen und im Moment nass. «Dennoch sind wir einsatzfähig», sagt Guldimann, «egal in welche Richtung ein allfälliger Einsatz ausfallen würde.» Das Primärmaterial sei glücklicherweise im Erdgeschoss oder auf den Fahrzeugen verteilt gewesen.

5 Bilder

zvg/Feuerwehr Lostorf

Dabei habe es am frühen Abend noch bewältigbar ausgesehen: «Eine erste Wolke die passierte, brachte noch mässig viel Niederschlag mit sich», sagt Guldimann, «doch eine zweite anrückende Wolkenfront liess innert kürzester Zeit so viel Wasser niedergehen, dass ganze Flüsse gebildet wurden, wo sonst keine sind.» Dabei handelte es sich dann vorwiegend um Dreckwasser, dass die Räumlichkeiten flutete. «Das sorgt für enorm aufwendige Aufräumarbeiten», sagt Guldimann.

Zum Ausruhen ist er noch nicht gekommen: «Ich bin etwa um halb sieben ins Bett und heute schon früh wieder aufgestanden.» Offenbar gab es Leute, die dann irgendwann einfach ins Bett wollten. «Heute Morgen haben diese dann offenbar weitere Schäden bemerkt und uns wieder aufgeboten.» Noch laufen die Einsätze der Feuerwehr Lostorf. Doch unterstützende Angebote von den umliegenden Feuerwehren konnte Guldimann ablehnen, «wir können die Einsätze abarbeiten».

Dorfbach tritt über die Ufer

Auf Sozialen Medien wurden Videos veröffentlicht, die den Dorfbach in Lostorf zeigen, der durch das Quartier fliesst. Ein User schreibt: «Der Regen überlastete komplett die Kanalisation in Richtung Mahren und liess die Strassen in einen Bach verwandeln.» Tatsächlich sehen die Gärten vor den Häusern wie eine Uferpromenade aus, nur dass die vorbeiziehenden Wassermassen braun sind. Und auch aus Stüsslingen ist ein Video zu sehen, in dem mehrere Autos auf einem überschwemmten Parkplatz stehen.

Niedergösgen

Der erste Alarm ging um 17.48 Uhr bei der Feuerwehr Niedergösgen ein. Dabei blieb es nicht: «Innerhalb von 2-3 Minuten sind zehn weitere Meldungen dazugekommen», blickt Feuerwehrkommandant Martin Kern zurück. Es habe extrem viel Regen gegeben. «Und der Hagel hat das Ganze noch verschärft», meint er. «Er verschloss die Abläufe, was das Wasser aus der Kanalisation hochdrückte.» Das habe dann teilweise auch nicht mehr so angenehm gerochen.

Martin Kern, Feuerwehrkommandant Niedergösgen.

Martin Kern, Feuerwehrkommandant Niedergösgen.

PD

30 Mitglieder der Feuerwehr – die Kommandogruppe – und ein Pikett standen im Dauereinsatz. Kern selbst leitete den Einsatz vom Magazin aus. Er schickte Gruppen mit Wasserpumpen und Schläuchen zu Häusern, bei denen Keller vollgelaufen waren. Mit Saugern ausgerüstete Feuerwehrleute folgten ihnen, um noch das restliche Wasser zu entfernen. Zur Stärkung gab es zwischendurch ein Sandwich und etwas zu Trinken. Feierabend gab es erst um 22.45 Uhr. Bis dahin ist die Feuerwehr 35 Mal ausgerückt. 25 Meldungen sind über die Kantonspolizei reingekommen.

Mehr als 30 Feuerwehrleute hätten gar nicht im Einsatz sein können. «Wir haben nicht so viel Material zur Verfügung, dass wir die Gesamtfeuerwehr einsetzen könnten», so Martin Kern. Bei so vielen Einsätzen im Zusammenhang mit Wasser müsste man langsam überlegen, mehr Material anzuschaffen. Kern hofft aber für den Augenblick, «dass nun Schluss ist mit den Wassermassen». Und er ist froh, dass die Dämme an der Aare ihren Dienst tun. Zumindest von dieser Seite kommt kein Wasser.

Olten - Trimbach

Auch in Olten war die Feuerwehr mit 40 Einsatzkräften unterwegs. Sie unterstützte im Rahmen der Nachbarschaftshilfe auch in der Region Trimbach. Dort trat zudem der Dorfbach über die Ufer.

Schönenwerd war in zwei geteilt

Der Kommandant der Feuerwehr Schönenwerd, Alain Lack, berichtet aus seinem Einsatzgebiet von einem ähnlichen Bild. Auf Anfrage beschreibt er den Einsatz vom Montagabend so: «Wir hatten rund 45 Meldungen, grösstenteils via Alarmzentrale.» Das Hauptproblem lag zu Beginn bei der Unterführung Richtung Gösgen, beim Coop; «diese war nicht mehr passierbar, man konnte nicht mehr auf die andere Seite gelangen.» Auch andere Strassen standen unter Wasser und einige Schachtdeckel wurden vom Wasser angehoben und weggespült. «Priorität war, die Verkehrsachsen wieder passierbar zu machen», so Lack. Anschliessend mussten Keller leergepumpt werden. Die Feuerwehr Schönenwerd beendete ihre Einsätze um 1.30 Uhr. Heute ist sie noch damit beschäftigt, die Hochwasserschutzmassnahmen zurück zu bauen. «Dazu gehören auch diese von vor zwei Wochen», so Lack.

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