Unter sich sein, Musik hören, gamen, sich austauschen – und zwar dann, wenn es zeitlich gerade am besten passt: Einen Ort, den Jugendliche unabhängig von fixen Öffnungszeiten in ihrer Freizeit aufsuchen können, gab es in Lostorf lange Zeit nicht. Aber seit Kurzem steht beim Werkhof an der Stüsslingerstrasse ein Container, der genau diesen Zweck erfüllt. Er wird morgen Freitag in Anwesenheit von Anwohnern, Eltern und Gemeindevertretern eingeweiht.

Die Idee zum Container haben die Jugendlichen zusammen mit der Offenen Jugendarbeit Lostorf/Obergösgen (OJALO) entwickelt. Auch die Umsetzung des Projekts geschah in enger Zusammenarbeit, wie Stefanie Wyss, Jugendarbeiterin der OJALO, erklärt: «An allen Arbeitsschritten – vom Einreichen des Baugesuches über das Errichten des Baugespannes bis hin zum Aufstellen und Einrichten des Containers – waren die Jugendlichen beteiligt.» Finanziert wurde das Projekt unter anderem durch eine im Rahmen eines Lehrlingsanlasses gesammelte Spende.

Jugendliche, die Interesse an der Nutzung des Containers haben, können sich bei der OJALO melden und einen Mietvertrag abschliessen. Vorerst beträgt die Mietdauer ein Jahr. Da aber das Angebot auf grossen Anklang stösst und bereits eine lange Warteliste existiert, ziehe man in Betracht, die Mietdauer zu kürzen, sodass mehr Jugendliche zum Zug kommen könnten, so Wyss. Eine Nutzungsvereinbarung, die sowohl von den Jugendlichen als auch von deren Eltern unterschrieben wird, hält Regeln und Pflichten fest. 

In diesem Container in Lostorf können die Jugendlichen ihre Freizeit verbringen.

    

Die Jugendlichen erhalten dann einen Schlüssel, sodass sie jederzeit Zutritt zu ihrem kleinen Reich erhalten. Im Container können sie ihre Freizeit gemeinsam verbringen, auch wenn der Jugendtreff der OJALO gerade nicht geöffnet hat. Die beiden Jugendarbeiter der OJALO, die über einen Zweitschlüssel verfügen, führen angekündigte und spontane Besuche durch, um nach dem Rechten zu sehen.

Bauwagen wird wohnlich

In Trimbach wird gegenwärtig ein ähnliches Projekt auf die Beine gestellt. «Noch in diesem Frühling, spätestens aber bis zu den Sommerferien soll ein alter Bauwagen so hergerichtet werden, dass ihn die Jugendlichen zum Chillen nutzen können», erklärt David Bieli, der als Jugendarbeiter bei der Offenen Kinder- und Jugendarbeit Trimbach (OKJAT) tätig ist.

Der Bauwagen befindet sich schon seit längerem im Besitz der OKJAT. Man habe aber gewartet, bis die Jugendlichen von sich aus den Wunsch nach einer Nutzung geäussert hätten, so Bieli. Nun sei eine Gruppe Jugendlicher damit beschäftigt, den Wagen nach ihren Bedürfnissen umzugestalten. Auch sei man daran, eine Nutzungsvereinbarung auszuarbeiten.

Mitwirkung erwünscht

Die Projekte aus Lostorf und Trimbach haben eine Gemeinsamkeit: Sie wurden von den Jugendlichen selbst initiiert, geplant und umgesetzt. Dabei wurden die Jugendlichen stets von den Fachpersonen der offenen Jugendarbeit begleitet und unterstützt. Solche Projektarbeit gehört zu den Ansätzen der modernen Jugendarbeit: Im Rahmen von eigenständig durchgeführten Projekten soll die Eigeninitiative der Jugendlichen gefördert werden. Durch aktive Mitwirkung und Mitbestimmung sollen die Jugendlichen zudem lernen, für sich und andere Verantwortung zu übernehmen.

Die Schaffung von selbstverwalteten Räumlichkeiten ist dabei nur eine Möglichkeit unter vielen, wie das breite Angebot der OJALO und der OKJAT zeigt. So läuft noch bis morgen Freitag in Trimbach das mehrtägige Street-Soccer-Turnier, das auf ausdrücklichen Wunsch der Jugendlichen hin ins Leben gerufen wurde und das seit drei Jahren regelmässig in den Frühlings- und Herbstferien stattfindet. Anfang Mai wird – ebenfalls in Trimbach – zum vierten Mal der Girls & Boys Day durchgeführt, an dem auch Jugendliche als Workshop-Leiter in Aktion treten. Diese Veranstaltung ist ein Kooperationsprojekt der drei Niederämter Jugendarbeitsstellen. Und am 18. Mai wird in Obergösgen der mobile Bauwagen eingeweiht, der zukünftig die Anlaufstelle der OJALO beherbergen wird. Zahlreiche Jugendliche haben an dessen Umbau mitgewirkt.

Wichtige Arbeit vor Ort

Jetzt, wo mit dem Frühling die wärmere Jahreszeit Einzug hält, kommt ein weiterer wichtiger Aspekt der offenen Jugendarbeit zum Tragen: Das aktive Aufsuchen und Ansprechen der Jugendlichen, die sich nun wieder vermehrt draussen im öffentlichen Raum aufhalten. In Trimbach gehen die beiden Jugendarbeiter etwa zwei Mal die Woche auf die Strasse – immer abends, aber zu unterschiedlichen Zeiten. Sie wollen damit vor allem jene Jugendliche erreichen, die nicht bereits die regelmässigen Freizeitangebote der OKJAT nutzen. Durch die häufigen Kontakte sei es möglich, zu den Jugendlichen eine Beziehung aufzubauen, erklärt Bieli. Sollten sich Schwierigkeiten mit Anwohnern anbahnen, zum Beispiel wegen Lärmklagen, könne man rechtzeitig vermittelnd eingreifen.

Dadurch liessen sich viele Konflikte vermeiden, wie Bieli weiter ausführt – das sei die grosse Stärke der aufsuchenden Jugendarbeit. Auch Wyss betont, wie wichtig es sei, an den Treffpunkten der Jugendlichen präsent zu sein: «In den Sommermonaten sind wir von der OJALO sicher ein bis zwei Mal pro Woche unterwegs und gehen auf die Jugendlichen im Dorf zu».

In seltenen Fällen würden sie durch Anwohner aufgeboten, die sich durch die Anwesenheit der Jugendlichen gestört fühlten. Doch dies komme sehr selten vor, höchstens ein bis zwei Mal im Jahr, gibt Wyss zur Auskunft. Wie die Beispiele aus Trimbach und Lostorf zeigen, kann also eine professionell geführte offene Jugendarbeit dazu beitragen, die Reibungen zwischen den Generationen im Dorf zu reduzieren.