Wisen
Nicht nur ein Instrument, eine Leidenschaft

Fabian Bloch aus Wisen und Thomas Rüedi aus Oberwil bei Büren sind Botschafter des gleichen Musikinstrumentes: Des Eufoniums.

Alois Winiger (Text und Bilder)
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Fabian Bloch aus Wisen, der aufstrebende, erfolgreichste Eufoniumspieler der Schweiz vor der Holzbrücke in Olten.

Fabian Bloch aus Wisen, der aufstrebende, erfolgreichste Eufoniumspieler der Schweiz vor der Holzbrücke in Olten.

ALOIS WINIGER

Man kennt das Eufonium hierzulande von der Blasmusik her. Dort führt es zur Hauptsache die Tenorstimmen an oder übernimmt eine Solopartie, manchmal auch ein ganzes Solostück, begleitet vom Korps. Weniger bekannt ist, dass das Eufonium auch im Sinfonieorchester eingesetzt wird, etwa in Kompositionen von Gustav Mahler, Dmitri Schostakowitsch oder Igor Strawinski.

Und kaum bekannt ist es als wirkliches Soloinstrument mit Klavierbegleitung – zumindest bis vor kurzem. Denn soeben haben zwei professionelle Eufoniumspieler aus unserer Region je eine CD getauft und präsentieren damit, welch grosser Reichtum an Klangfarben aus diesem Instrument herauszuholen ist. Der eine ist Fabian Bloch (30) aus Wisen, der andere ist sein Lehrer, Thomas Rüedi (47) aus Oberwil bei Büren, bekannt auch als Komponist, Arrangeur und Dirigent.

Ein Ausdruck zum Verlieben

Rüedi ist Dozent an den Hochschulen der Künste in Bern und Luzern; sein Verdienst ist es, dass sich die Schweiz zur internationalen Drehscheibe des Eufoniums entwickelt hat. Aktuell lassen sich zwanzig Studierende aus elf Nationen der ganzen Welt ausbilden. Rüedi selbst tritt weltweit als Solist auf und überzeugt durch seine musikalische Ausdruckskraft. «Ich bin in erster Linie Musiker, und als solcher spiele ich Eufonium» erklärt er.

Als Bub habe er sich in den Klang dieses Instruments verliebt und damit alles gespielt, was ihm gefiel. «Ich liebe es, den lyrischen Ausdruck und die virtuose Beweglichkeit dieses Instruments zu erleben. Diese Begeisterung treibt mich bis heute an und ich gebe sie gerne weiter.»

So verwundert es nicht, dass Rüedis Schüler Fabian Bloch sagt: «Das Eufonium ist eine Leidenschaft. Das Instrument dient mir dazu, sie auszuleben.» Aufgewachsen ist er in einer musikalischen Familie in Wisen, sein Vater und sein Grossvater spielten Eufonium bzw. Bariton (siehe Box), seine Mutter spielt Orgel und Posaune und war viele Jahre lang Dirigentin der Musikgesellschaft Winznau. Fabian leitet diese seit Januar 2015. An der Hochschule der Künste in Bern hat er den pädagogischen Master mit Auszeichnung abgeschlossen. «Dabei hatte ich zuerst gar nicht an ein Musikstudium gedacht. Doch mein Lehrer Christoph Bangerter hat mich dazu motiviert.»

Thomas Rüedi ist der Vorkämpfer für die Schweizer Eufonium-Szene.

Thomas Rüedi ist der Vorkämpfer für die Schweizer Eufonium-Szene.

ALOIS WINIGER

Nun ist Fabian Bloch Profi geworden. Aber wo braucht man einen professionellen Eufoniumspieler? «In der Schweiz gibt es tatsächlich nicht sehr viele Möglichkeiten», antwortet er, «aber diese Frage stand für mich nicht im Vordergrund. Das darf sie aber auch nicht bei jemandem, der vielleicht Geige oder Gesang studiert, denn Stellen in professionellen Orchestern und Chören in der Schweiz sind sehr rar.»

Gefragt sind Eufonisten als Meister des Fachs wie Fabian Bloch vorab in den Brass-Bands der Höchstklasse. Bloch ist Solo-Eufonist bei der Brass Band Fribourg. Zweimal pro Woche fährt er hin zur Probe. Geld verdient er dabei nicht. «Aber da kann ich mich voll ausgeben, bleibe in Form und kann Kontakte knüpfen.»

Glück brauche es natürlich auch, sagt Bloch. Als er in England, dem Mutterland der Brass-Bands, ein Studium am Royal Northern College of Music absolvierte, fand er Anschluss bei der Fairey Band, einer Band der Spitzenklasse, und konnte mit ihr auf Tournee gehen. «Da sind die Anforderungen entsprechend hoch, vom Betrieb her kein Vergleich mit jenem in der Schweiz. Einmal haben wir am Freitagabend ein Konzert gegeben, anschliessend gabs noch eine Probe und anderntags nahmen wir an einem Wettbewerb teil.»

Neue klangliche Möglichkeiten

Geglückt ist Fabian Bloch auch das Projekt, eine CD herauszubringen mit Kompositionen, die noch nirgends veröffentlicht worden sind. Die Finanzierung lief über «wemakeit»: Er suchte – und fand – via Internet finanzielle Unterstützung für seine CD «Drive». Wobei nicht alle der Kompositionen leicht ins Ohr gehen. Lässt man sich aber darauf ein, dann eröffnen sich neue Horizonte was Klang, Eleganz und musikalischen Möglichkeiten des Eufoniums angeht.

Der Start als professioneller Musiker und Eufoniumspieler scheint also geglückt. In Olten hat man das Talent und die Leistung von Fabian Bloch bemerkt und ihm 2013 den Förderpreis der Rentsch-Stiftung zugesprochen. Nun läuft die erste Etappe des Alltags als Profi: Wie gestalte ich meinen beruflichen Alltag, und wie verdiene ich meinen Lebensunterhalt?

Vom Bariton zum Eufonium

Das Eufonium liegt in der Familie der Blechblasinstrumente zusammen mit Posaune und Tenorhorn zwischen Sopran- und Bassstimme. Gebaut wurde das erste Eufonium anno 1843, man wollte gegenüber dem Tenorhorn einen etwas weicheren, volleren Klang erreichen. Dementsprechend ist sein Name, hergeleitet vom Altgriechischen «eúphōnos», was wohlklingend bedeutet. Entscheidend beigetragen zur Entwicklung hat übrigens der Erfinder des Saxofons, Adolf Sax, geboren 1814 in Belgien, gestorben 1894 in Frankreich. Aus seiner Werkstatt kam 1860 eine komplette Palette an Blechblasinstrumenten – Saxhörner genannt – für eine Kavalleriemusik, die einer heutigen Brass-Band-Besetzung sehr ähnlich ist. In dieser Besetzung, wie sie heute als Standard bekannt ist, gehörte das Eufonium schon immer dazu, in vielen Musikvereinen der Schweiz hingegen begann es erst um die 1960er-Jahre, als Neuinstrumentierungen durchgeführt wurden, den oval gebauten Bariton (Bild) abzulösen. In Blaskapellen sowie in vielen Blasorchestern rund um die Schweiz herum ist der Bariton aber nach wie vor im Einsatz. (wak)
Quelle: Hochschule der Künste Bern.