Regionale Feuerwehren

Nicht cool genug für das heisse Hobby? Im Niederamt fehlen Feuerwehrleute

Die Feuerwehr Schönenwerd im Einsatz. (Archiv)

Die Feuerwehr Schönenwerd im Einsatz. (Archiv)

Die Feuerwehren im Niederamt bekunden Mühe, genügend Personen zu rekrutieren, vor allem Kadermitglieder sind Mangelware.

Mir si vo der Füürwehr» sang schon das Löschzug-Chörli aus Interlaken. Dass die Zahl der Feuerwehrbegeisterten in den letzten Jahren jedoch sank, pfeifen die Spatzen schon länger von den Dächern. Auch im Niederamt sieht es nicht anders aus. Die meisten Feuerwehren bekunden Mühe damit, genügend Leute zu rekrutieren, vor allem in den Kaderpositionen.

Unterschiedliche Ausgangslage

Damit alle anstehenden Aufgaben fachgerecht erledigt werden können, braucht es genügend Feuerwehrmänner und -frauen. Und gerade das stellt vielerorts ein Problem dar. «Wir haben generell eher Mühe», heisst es etwa vom Dulliker Feuerwehrkommandanten Roman Kissling. Auch Franziska Hochstrasser, Kommandantin in Däniken, sagt: «Ja, es ist nicht einfach, gute Leute zu finden und zu behalten.»

Allgemein sei es recht unterschiedlich und es komme stark auf den Jahrgang an, heisst es unter anderem in Walterswil. Ein oft genanntes Problem ist, die jungen Leute zum Weitermachen bewegen zu können: «Normale Feuerwehrleute haben wir im Moment genug. Aber an solchen, die Kaderfunktionen wie Gruppenführer oder Offizier übernehmen, mangelt es», erklärt mitunter der Niedergösger Kommandant Martin Kern.
In den Gemeinden Kienberg, Lostorf und Starrkirch-Wil sieht die aktuelle Lage gut aus: «Da wir kürzlich verschiedene Personen in die Offiziers-, bzw. Kommandantenschule schicken konnten, haben wir keine Probleme bezüglich den Kaderfunktionen» meint Kommandant Christian Wenger.

Der Lostorfer Kommandant Christoph Soland sagt: «In den letzten Jahren war der Mannschaftsbestand von 50 Personen immer gut haltbar gewesen. Klar gibt es auch Abgänge, aber das ist normal.» In Wisen hingegen ist die Lage gar so prekär, dass die Feuerwehr in Verhandlungen mit der Verbundfeuerwehr Rüneberg-Kilchberg-Zeglingen aus dem Kanton Baselland ist, wie Kommandant Roland Nussbaumer verrät: «Die Fusion soll per 1. Januar 2017 über die Bühne gehen.»

Dienstalter verschieben?

Eine mögliche Lösung des Problems hält Markus Grenacher, der kantonale Feuerwehrinspektor der Solothurner Gebäudeversicherung (SGV), parat: «Heutzutage haben die Feuerwehren extrem Mühe, die 21-Jährigen für die Feuerwehr zu begeistern. Viele sind zu diesem Zeitpunkt noch in der Ausbildung, machen einen Auslandaufenthalt oder studieren.» Kurz: Sie sind weniger verfügbar und die Ausbildung und die Einsatzmöglichkeiten zu planen, ist schwieriger als noch vor 30 Jahren. 

Grenachers Lösungsvorschlag lautet folgendermassen: «Das Dienstalter wird verschoben. Neu wird beispielsweise erst mit 25 Jahren rekrutiert.» Bleiben müssten die Feuerwehrmänner und -frauen dann allerdings länger: «Je nachdem schliesst ein Feuerwehrmann mit 42 Jahren seine Kaderausbildung ab und tritt dann schon wieder aus der Feuerwehr aus, da die Dienstpflicht zu diesem Zeitpunkt endet. Dadurch geht viel Wissen verloren. Deshalb macht es mehr Sinn, die Obergrenze auf 50 Jahre anzuheben», erläutert Grenacher. 

Was die SGV im Hinterkopf hat, ist bei der Feuerwehr Schönenwerd, bestehend aus Schönenwerd, Gretzenbach und Eppenberg-Wöschnau, bereits seit dem 1. Januar dieses Jahres Tatsache. Das Dienstalter wurde erhöht. Als Einwohner dieser drei Gemeinden muss man nun bis zum 50. Altersjahr Feuerwehrdienst leisten.

Aus den gleichen Gründen, wie Kommandant Alessandro Klaiber erklärt: «Wenn ein Mitglied der Feuerwehr, egal ob Kadermitglied oder nicht, mit 42 demissioniert, geht uns viel Know-how und Einsatzerfahrung verloren. Dieses Wissen wollen wir aber behalten.»

Rekrutiert wird bei der Feuerwehr Schönenwerd auch erst mit 23 Jahren, anstatt mit 21, wie es obligatorisch ist. «Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es sinnvoller ist, später zu rekrutieren. Nämlich dann, wenn die jungen Leute sesshaft sind.» Wer weiss, vielleicht sind durch diese Massnahmen mehr Leute cool genug für das laut Werbeslogan heisse Hobby.

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