Obergösgen
Neues Leben kehrt ein: Das Hochstudhaus wird zum Restaurant

Nach langem Stillstand folgt ein Neuanfang im Hochstudhaus in Obergösgen: Der ehemalige Lostorfer Gemeindepräsident Samuel Rindisbacher eröffnet ein Restaurant mit saisonalen Gerichten im historischen Gebäude.

Rahel Bühler
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Bruno Kissling

Er trotzt dem Beizensterben: Der Lostorfer Samuel Rindisbacher richtet mit seiner Partnerin Senada Haller in Obergösgen ein neues Restaurant ein. Und zwar im Hochstudhaus an der Grenze zu Winznau. Die Liegenschaft stand seit ihrem Umbau, der 2015 fertiggestellt wurden, fast immer leer.

Nun hat Rindisbachers Immobilienfirma, die riba home ag aus Lostorf, das Objekt im März vor einem Jahr vom Vorbesitzer Markus Borner aus Olten abgekauft. «Es ist absolut geeignet für ein Restaurant», schwärmt der neue Besitzer. «Es ist ein spezielles Gebäude mit einer wunderschönen Umgebung, genügend Parkplätzen und der Möglichkeit, einen Gartensitzplatz einzurichten.» Das Restaurant wird an eine Betreibergesellschaft verpachtet. Derzeit ist die Pächterin auch eine Firma von Rindisbacher.

 Das Hochstudhaus in Obergösgen früher und heute.

Das Hochstudhaus in Obergösgen früher und heute.

zvg/bko

Der ehemalige Gemeindepräsident von Lostorf verfügt bereits über Erfahrung im Gastrogewerbe: Zusammen mit seiner Partnerin wirtete er im aargauischen Rothrist im Restaurant Geisshubel. Wegen Unstimmigkeiten mit dem Verpächter hätten sie sich entschlossen, diesen Betrieb aufzugeben. «Wir möchten etwas Eigenes machen, damit wir uns nicht mehr mit denselben Sorgen umherschlagen müssen», sagt Rindisbacher. Er selbst wird allerdings nicht hinter dem Herd stehen, sondern einen Teil seines Teams aus Rothrist mitnehmen: Dazu gehören Küchenchef Christoph Moor und Betriebsleiterin Senada Haller.

«StudHuus» wird es heissen

Das Lokal verfügt über 30 Sitzplätze im Erdgeschoss und 30 weitere im Obergeschoss. «Bei uns soll der Gast sein Essen zu vernünftigen Preisen geniessen können», erklärt Rindisbacher. Welche Art der Küche er anbieten wird, verrät er nicht, sagt aber, dass saisonale Gerichte den Schwerpunkt bilden werden. «Es wird auch gewisse Standardspeisen geben.»

Das Hochstudhaus bei der Ortsdurchfahrt in Obergösgen nach dem Umbau im Oktober 2015
11 Bilder
Das Gebäude ist um einige Meter von der Strasse zurückversetzt
Rückseite (mit Dachfenstern) des neu gebauten und um einige Meter von der Strasse zurückversetzten Hochstudhauses an der Ortsdurchfahrt in Obergösgen. Bruno Kissling
Neue Bausubstanz, alte Form
Markus Borner ist Eigentümer und Bauherr des Hochstudhauses
So sieht es im Innern aus
Die Dachfenster
Markus Borner durfte das Gebäude unterkellern
Das etwa 250-jährige Haus vor dem Abbruch, am alten Standort direkt an der Oltnerstrasse
Die alte Dachuntersicht
Ein Bagger macht sich am Haus zu schaffen

Das Hochstudhaus bei der Ortsdurchfahrt in Obergösgen nach dem Umbau im Oktober 2015

Bruno Kissling

Kein Geheimnis hingegen ist der Name des neuen Restaurants: Es heisst «StudHuus», wie das Schild verrät. Die Küche ist im Untergeschoss des Hauses mit der markanten Glasfassade angesiedelt. Geöffnet hat es von Mittwoch bis Samstag von 17 Uhr bis «Feierabend» und am Sonntag durchgehend von 11 bis 20 Uhr. Die Lokalität wird laut Rindisbacher zwei festangestellte Mitarbeiter und drei Angestellte auf Abruf beschäftigen. Nebst dem Restaurantbetrieb sieht er ausserdem vor, Seminare und Schulungen in den Räumen im Obergeschoss durchzuführen. «Natürlich in Kombination mit Mittagessen», so der Lostorfer.

Eröffnung im Frühling geplant

Wenn in den nächsten Wochen alles nach Plan läuft, kann die neue Beiz im Frühling ihre gläsernen Tore öffnen. Bislang kamen allerdings einige Punkte dazwischen. Ursprünglich sollte es nämlich im vergangenen Herbst eröffnet werden. Das Baugesuch wurde in Obergösgen bereits vor einer Weile eingereicht. Nachdem es ohne Einsprachen bewilligt worden sei, mussten gewisse Abklärungen gemacht werden und Auflagen des Kantons erfüllt werden. So ging es etwa darum, dass die Küchenmitarbeiter, die im Untergeschoss tätig sein werden, Zugang zu einem Fenster haben werden, oder dass der Abstand zum Wald, der sich hinter dem Hochstudhaus befindet, eingehalten wird.

Derzeit läuft der Bau eines zusätzlichen Gebäudes, in dem die sanitären sowie die technischen Anlagen installiert werden.

Das Haus hat eine bewegte Geschichte

Das Obergösger Hochstudhaus soll im Jahr 1770 zum ersten Mal erwähnt worden sein. Das Stroh auf dem Dach wurde wahrscheinlich am Anfang des 20. Jahrhunderts durch Eternitplatten ersetzt. Damals nutzte ein Metzger das Grundstück zur Schweinehaltung. Ab etwa Mitte des 20. Jahrhunderts mietete die Gemeinde Obergösgen die Wohnung für eine bedürftige Familie. Im Anschluss wurde das Haus als Werkstatt zur Herstellung von Metallteilen vermietet. Danach stand es viele Jahre leer und wurde baufällig. Nach dem Ableben des Metzgers planten seine Erben eine Überbauung auf dem Grundstück. Doch weil die Liegenschaft im Obergösger Zonenplan als «erhaltenswertes Kulturobjekt» eingetragen ist, konnten die Pläne nicht umgesetzt werden. 2010 erwarb der Oltner Antiquitätenhändler Markus Borner das Grundstück. Er wollte dort einen Ausstellungs- und Verkaufsraum für seine Möbel einrichten. Das Projekt zog sich in die Länge. So war zum Beispiel die Bausubstanz in einem schlechteren Zustand, als erwartet und sowohl die Fassade als auch das Dach konnten nicht mehr verwendet werden. So entstand die Idee eines vollständigen Neubaus mit einer Glasfassade. Auf dem Dach wurden Fenster eingebaut, die Liegenschaft wurde unterkellert und um fünf Meter von der Strasse weg und um drei Meter nach Osten versetzt. Erhalten blieben Form und Grösse des alten Dachs. In der Zwischenzeit hatten sich Borners Pläne für einen Ausstellungsraum geändert und er legte sie wegen seines Alters auf Eis. 2015 wurde der Umbau fertiggestellt. Im März 2017 fand eine einmonatige Kunstausstellung in der Lokalität statt. Bis im März 2018 stand es zum Verkauf. (rb)

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