Schönenwerd

Neuer Organist: «Eine Orgel dieser Grösse ist eigentlich ein Orchester»

Brunetto Haueter orgelt neu in Schönenwerd.

Brunetto Haueter orgelt neu in Schönenwerd.

Brunetto Haueter ist neuer Organist in der katholischen Kirche Schönenwerd. Musik gehört zu seinem Leben.

Franz Schuberts «Ave Maria» schwebt durch das quaderförmige, schmucklose Kirchenschiff der katholischen Kirche von Schönenwerd. Auf der Empore sitzt Brunetto Haueter (68) am Spieltisch einer der grossen Orgeln Solothurns. Seit den Sommerferien amtet er hier, zusammen mit seinen Kolleginnen, als Organist. Die Kuhn-Orgel von 1960 gefällt ihm: «Sie hat einen warmen, farbigen Klang.»

Mit den vielen achtfüssigen Grundregistern lassen sich darauf romantische Stücke spielen, aber auch Barockmusik sei möglich. Haueter zieht ein Heft mit Werken des französischen Komponisten François Couperin (1668-1733) hervor und beginnt zu spielen. Aus dem grossen Prospekt, wie die Vorderseite der Orgel bezeichnet wird, verbreiten sich Töne im Raum. Zarte Klänge begleiten die Melodie aus dem Hintergrund.

«Eine Orgel dieser Grösse ist eigentlich ein Orchester», sagt Haueter und weist auf die vielen weissen Täfelchen, die links und rechts von den drei Manualen platziert sind. Gedackt, Hohlflöte, Prinzipal, Schalmei, Krummhorn: Die verschiedenen Pfeifenarten kombiniert Haueter miteinander, um einem Stück den passenden Klang zu geben.

Wohl gibt es manchmal Vorgaben durch den Komponisten, aber das Empfinden des Organisten spiele eine wichtige Rolle, so Haueter: «Das Gehör ist dabei immer gefragt. Jede Orgel klingt anders.» Bei einem Gottesdienst wählt der Pfarrer die Lieder aus, die Haueter dann vorbereitet. «Ich gestalte zudem nach eigener Stückwahl das Eingangs- und Ausgangsspiel sowie die Zwischenspiele.»

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Musik soll einen Rahmen bilden

Als Organist ist ihm wichtig, dass sein Spiel die Liturgie unterstützt: «Ich schaue, dass die Musik tonartlich und inhaltlich zu den Liedern passt. Die Musik soll einen Rahmen bilden.» Haueter könnte sich auch vorstellen, in Schönenwerd ein Orgelkonzert zu geben. «Bislang war das allerdings noch kein Thema.»

Vor 50 Jahren hat Haueter, in Musikerkreisen auch unter seinem Künstlernamen «Brunetto d’Arco» bekannt, mit dem Orgelspiel angefangen. «Nach meiner ersten Orgelstunde wurde ich gleich gefragt, ob ich Orgeldienste übernehmen könnte!» Zuletzt amtete er über zwanzig Jahre lang als Hauptorganist an der Dorfkirche in Riehen bei Basel.

«Wo andere aufhören, fange ich an»

Durch seine Tochter Iona, die auch als Organistin tätig ist, wurde er in Schönenwerd eingeführt. Mit einigen Kolleginnen und Kollegen begleitet er nebst in Schönenwerd bisweilen auch in Dulliken, Däniken, Gretzenbach und Walterswil den Gottesdienst. Daneben leitet er Chöre und komponiert. «Allerdings mehr für den Hausgebrauch», meint er bescheiden. Seine Übungsstunden absolviert Haueter, der in Niederdorf im Baselbiet wohnt, meistens zu Hause. «Der grösste Wunsch meines Vaters war, eine Orgel zu besitzen. Er erfüllte sich diesen Wunsch, nun steht die Orgel bei mir und dient mir als Hausinstrument.»

Im Niederamt fühlt sich der gebürtige Bündner sehr wohl: «Ich wurde vom Team des Pastoralamtes, auch vom Pfarreileiter Peter Kessler, sehr herzlich aufgenommen.» Haueter ist sich bewusst, dass sein Alter ungewöhnlich sei, um eine Organistenstelle zu übernehmen: «Wo andere aufhören, fange ich an», stellt er lachend fest. Seit seiner Pensionierung als Musiklehrer an der Sekundarschule Waldenburgertal habe er aber endlich Zeit zum ausgiebigen Üben. «Diese hat mir früher oft gefehlt.»

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Fast jede Art von Musik ist spielbar

Dem Musiker entgeht nicht, dass sich der Geschmack des Publikums sehr wandle. «Manchmal haben die Leute bei Abdankungen abstruse Wünsche. Ich sollte einmal ‹Grüeni Banane› von Peter Reber auf der Orgel spielen.» Andere wollen den Radetzky-Marsch oder ein Volkslied hören. «Da die Orgel einen so breiten Klangbereich abgedeckt, ist fast jede Art von Musik auf ihr spielbar, aber natürlich klingt nicht alles gut», weiss Haueter aus Erfahrung.

In Schönenwerd spielt er in einer katholischen Kirche, was ihm als Reformierten nichts ausmacht: «Die Ökumene ist mir ein grosses Anliegen. Ich möchte Brücken bauen, verbinden statt trennen.» Auf den anderen Orgeln des Pastoralraumes hat Haueter bisher noch wenig Spielmöglichkeiten gehabt. «Jede Orgel ist ein Wesen für sich», ist er überzeugt und sieht in der Königin der Instrumente auch ein Abbild einer idealen Gesellschaft: «Die Orgel stellt wie eine Vision menschlich sozialer Zukunft dar: Jedes einzelne Register soll möglichst eigenständig und originell klingen, und doch sollen alle Register zusammen einen harmonischen Wohlklang ergeben.»

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