Chantal Müller
Neue Trimbacher Verwaltungsleiterin: «Sie haben das Schiff nicht sinken lassen»

Chantal Müller ist die neue Verwaltungsleiterin von Trimbach und damit Chefin von rund 40 Angestellten.

Philipp Felber
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Chantal Müller vor ihrer neuen Arbeitsstätte, dem Gemeindehaus Trimbach.

Chantal Müller vor ihrer neuen Arbeitsstätte, dem Gemeindehaus Trimbach.

Remo Fröhlicher

Die Gemeindeverwaltung ist kein wirklich schmuckes Gebäude. Weder von aussen noch von innen. Anders das Büro der neuen Verwaltungsleiterin. Ein Gemälde der Trimbacher Kapelle ziert die Amtsstube, auch einige Fotos der Familie sind bereits heimisch geworden. Auf dem Bürotisch ein paar ältere Reglemente. «Einige sind schon sehr veraltet», lacht Chantal Müller, welche die Verwaltung der siebtgrössten Gemeinde im Kanton Anfang März übernahm.

Nach zweijähriger Durststrecke leitet nun also eine neue Verwaltungsleiterin und Gemeindeschreiberin die Geschicke in Trimbach. Chantal Müller ist bekannt von ihrem Engagement als Gemeinderätin in Olten und alt Kantonsrätin; zudem hat sie eine Stadtrats- und eine Nationalratskandidatur hinter sich.

Sanfter Wechsel

Der Wechsel von der Politik in die Verwaltung war aber kein abrupter. Seit 2009 ist sie nicht mehr als Politikerin unterwegs, hat sich beruflich umorientiert. «Ich wollte nach der damaligen Trennung meinen Lebensunterhalt selber bestreiten», sagt sie. Und weil man mit einem Teilzeitjob und Politik nicht genug verdient, habe sie sich in der Folge weitergebildet. So kam sie denn auch vor zwei Jahren zum neu geschaffenen Posten beim Kanton als Leiterin Dienste des heilpädagogischen Schulzentrums des Kantons Solothurn. «Wir mussten alle Abläufe von Grund auf neu erarbeiten», sagt Chantal Müller.

Zur Person

Chantal Müller, 49, verheiratet mit Beat Haefeli, Leiter Fachschaft Sport BBZ Olten, drei erwachsene Kinder, wohnt in Olten.

Nach zwei Jahren, als alles nach Plan lief, wurde allerdings eines klar: «Ich konnte meinen eigenen Job eigentlich abschaffen und die verbleibenden Aufgaben neu verteilen. Anfangs konnte man noch nicht genau wissen, was es überhaupt braucht, um diese Schule an fünf verschiedenen Standorten zu führen», erklärt Müller. Insofern sei der Wegfall ihrer Stelle eine optimale Lösung, auch was die Wirtschaftlichkeit anbelangt. «Ich selber möchte auch nicht mit meinen Steuergeldern Leute bezahlen, welche nicht voll ausgelastet sind.»

Der Politik scheint sie indes keine Träne nachzuweinen: «Ich kann auch hier in Trimbach sehr viel bewegen.» Ihrer Partei, der CVP, blieb sie dennoch über die Jahre treu. «In jüngeren Jahren wäre ich vermutlich nicht in die CVP eingetreten. Ich war damals eher ein wenig weiter links angesiedelt.» Doch als sie dann in die Politik einstieg, habe sie erkannt, dass sie mit der CVP noch am meisten Berührungspunkte habe. «Ich glaube, es gibt kaum eine Partei, die alle persönlichen Interessen abdeckt.»

Zuerst einmal orientieren

Nun arbeitet sie seit Anfang März in ihrem neuen Büro. Der Einstieg gestaltet sich aber alles andere als einfach. Ihre Vorgängerin war zwei Jahre lang krankgeschrieben. Das bedeutet: Die Stelle blieb zwei Jahre verwaist. Hinzu kommt, dass eine Übergangslösung nur gerade drei Tage hielt und Gemeindepräsident Karl Tanner seit Oktober 2015 gesundheitlich angeschlagen ist. «Das Gemeindepersonal war so quasi führungs-, jedoch keinesfalls hilflos», stellt Müller klar.

Die Gemeindeangestellten hätten sich selber gut zu helfen gewusst, mussten einige Dinge zusätzlich übernehmen. «Sie haben dieses Schiff nicht sinken lassen, alle haben mitgerudert», lacht Müller. Die Führungsverantwortung hat zu einem grossen Teil der Finanzverwalter übernommen. Einige Dinge sind jedoch logischerweise trotzdem liegen geblieben. Nun sei sie daran, herauszufinden, wo die Brennpunkte liegen.

Als Erstes hat sie Mitarbeitergespräche geführt. «Es ist mir besonders wichtig, dass es den Angestellten gut geht.» Denn vielfach sieht man als Einwohner nur die Dinge, welche nicht so gut laufen. Was gut läuft, sehe man selten, deshalb ist es Müller wichtig, dass den Angestellten auch einmal von Verwaltungsseite her für ihren Einsatz gedankt wird. Ein weiteres heisses Eisen derzeit: Reglemente von anno dazumal überarbeiten und die Homepage, die aktualisiert werden soll.

Trimbach als Herausforderung

Die Oltnerin war übrigens eine Befürworterin der Fusion mit Trimbach und den umliegenden Gemeinden. Chantal Müller kennt Trimbach von Kindsbeinen an, hat sie doch neun Jahre ihrer Kindheit im Dorf verbracht. So ist sie denn auch überzeugt, dass sie mit ihrem Engagement in Trimbach eine interessante Aufgabe übernommen hat: «Trimbach ist von der Struktur her sehr urban, was es nicht einfach macht, aber sehr attraktiv ist.»

Das Dorf komme vielfach schlecht weg, dies obwohl Trimbach einige schöne Fleckchen kennt und insgesamt ein sehr liebenswerter Ort sei. «Der Werkhof macht zudem einen super Job. Das Dorf ist sehr gepflegt», sagt sie. Dass sie anspruchsvolle Jobs suche, sei Teil ihres Naturells. Ein weiteres Merkmal ihres Charakters: «Ich bin jemand, auf den man sich verlassen kann und der auch dazu steht, was er gesagt hat.»