Alle Parkplätze vor dem Pfarreiheim in Ifenthal sind besetzt, ebenso alle Stühle im Saal. Einige Zuhörer lehnen an der Wand. Rund 70 Personen sind der Einladung zur Informationsveranstaltung gefolgt. Sie alle erwarten Antworten auf die drängendsten Fragen, die sich allesamt um das «Bolero»-Gebäude in Hauenstein-Ifenthal drehen.

Der Bau steht verlassen direkt an der Grenze zum Kanton Basel-Landschaft. Seit September 2012 ist das «Bolero» geschlossen. Um eines vorwegzunehmen: Der Abend wird den Hauensteinern einige Fragen beantworten — und viele neue aufwerfen.

«Wir haben uns einen Rundbau vorgestellt»

«Ein prägnanter Baukörper am richtigen Ort», lautet eine Unterschrift auf einer Präsentationsfolie von Christian Leuner. Der Geschäftsführer der Fischer Architekten AG mit Sitz in Zürich stellt den Hauensteiner das Projekt auf dem «Bolero»-Grundstück vor. «Wir haben uns einen Rundbau vorgestellt.» Und dieser enthält eine Mischung aus Hotel, Arbeitsräumen, Restaurant und Spa.

Blumig beschreibt Leuner das geplante runde Gebäude mit geneigtem Innenhof. «Mehrere Seminarräume, ein grosszügiges Restaurant, 88 bis 90 Hotelzimmer, ein Spa und eine Tiefgarage sind geplant», preist der Architekt sein Projekt an. Hörten die Anwesenden bis hierhin schweigend den Ausführungen zu, beginnen sie nun zu tuscheln: «Was, so viele Zimmer?», meint ein Hauensteiner.

Ein «Begegnungsort» für alle?

Es soll ein Ort «weg vom Gstürm» werden, für Gäste von überall her, beschwichtigt Leuner. Schliesslich sei es «ein Begegnungsort»: Während unter der Woche vor allem Firmen die Räume für Schulungen oder Sitzungen nutzen könnten, stehe der Bau «selbstverständlich auch jederzeit der Öffentlichkeit zu Verfügung». So hoffe man, auch Hauensteiner und Leute aus der Region ins Restaurant oder ins Spa locken zu können. Denn von der Investition in der Höhe von 50 bis 70 Millionen Franken soll auch die Bevölkerung profitieren können, so Leuner.

Das vierstöckige Gebäude auf der Passhöhe soll denn auch eine «klare geometrische Form in der freien Landschaft haben». «Das Objekt ist eine architektonische Herausforderung, das dem Ort eine neue Identität geben kann», sagt Leuner, als er den Deckel einer Kartonschachtel hebt und ein Miniatur-Modell des neuen «Bolero»-Gebäudes zum Vorschein bringt. Der Rundbau aus Holz sticht trotz der neutralen Farbe heraus, er hebt sich ab von Wald und Wiese.

«Es braucht Mut für ein solches Grossprojekt»

Finanziert wird das Projekt vorerst alleine durch Benjamin Witztum: Er ist seit Anfang 2017 Eigentümer des «Bolero»-Grundstücks. Für die Umsetzung des Projekts ist er auf der Suche nach zahlungswilligen Investoren. Der Kundenberater bei der Zürcher Kantonalbank fordert die Hauensteiner in einer kurzen Ansprache dazu auf, mutig zu sein. «Es braucht Mut für ein solches Grossprojekt, auch finanziell», so Witztum.

Er fühle sich stark verbunden mit dem Hauenstein und es sei ihm ein Anliegen, die Gemeinde in das Projekt zu involvieren. «Meine Beziehung zu diesem Ort begann schon lange vor dem Kauf des Grundstücks. Die Landschaft hier fasziniert mich so sehr, wie keine andere», erklärt der Zürcher seine Motivation. Als er von der zwielichtigen Vergangenheit des Gebäudes gehört habe, sei ihm klar gewesen: «Hier muss etwas hin, das nur Positives ausstrahlt.»

«Mehr Leute, mehr Verkehr, mehr Abfall»

Für die Hauensteiner war der Dienstagabend die Gelegenheit, Fragen zu stellen und Kritik anzubringen. Es schien jedoch, als müssten die Anwesenden das Grossprojekt zuerst sacken lassen, bevor kritische Anmerkungen gemacht werden können. So fielen die Reaktionen während der Infoveranstaltung denn auch verhalten aus.

Gewünscht wurde eine gute Anbindung an den Dorfkern durch Busse, gelobt wurde die Form des geplanten Neubaus, bemängelt wurden die fehlenden Überlegungen zur Wasserversorgung von Spa und Hotelbereich.

«Während der Veranstaltung dachte ich noch, das klingt recht gut. Jetzt, im Nachhinein, fallen mir aber doch Dinge auf, die ich nicht gut finde», sagt eine Einwohnerin nach der Präsentation. Ein solcher Neubau bedeute schliesslich «mehr Leute, mehr Verkehr, mehr Abfall». Ein anderer Hauensteiner meint: «Das Projekt ist ansprechend. Aber es sind viele Fragen noch ungeklärt. Das löst Unsicherheiten aus.»

«Die Leute brauchen Zeit, um alles zu verarbeiten»

Gemeindepräsident Stefan Berchtold ist sich sicher: «Die Leute brauchen nun Zeit, um alles zu verarbeiten.» Das sei ihm auch so gegangen. Berchtold: «Ich dachte zuerst: Ist das ein Ufo?» Mittlerweile sei er aber davon überzeugt, dass das Projekt den Ort aufwerten könne und der Grundstückeigentümer «etwas Schönes» machen will. Nichtsdestotrotz sei aber klar: «Es kann nur besser werden. Sogar eine Wiese anstelle des heruntergekommenen Gebäudes wäre ein Mehrwert.»

In einem nächsten Schritt führt das Architekturbüro eine Machbarkeitsstudie durch. Danach ist die Gemeinde gefragt: Im neuen räumlichen Leitbild für Hauenstein-Ifenthal muss das Projekt miteinbezogen werden. Ausserdem braucht es für den Neubau einen Gestaltungsplan und eine Teilzonenänderung zurück von der Wohnzone in eine Gewerbezone. Die Projektierung wird im Jahr 2021 erwartet.

Stimmung war positiver als erwartet

Architekt Leuner zeigt sich nach der Präsentation erleichtert: «Die Stimmung ist sehr positiv.» Es seien zwar kritische Voten gekommen, dennoch habe er die Anwesenden als offen empfunden. Leuner: «Ich hatte mich auf mehr negative Kritik eingestellt.» Als er dann um kurz vor neun Uhr abends den Pfarreiheim-Saal verlässt, streckt ihm ein Hauensteiner die Hand entgegen und sagt: «Bleibt dran.»