Niedergösgen
Nebst dem Inhalt geht es in diesem Laden auch um das Drumherum

Andrea Näf hat sich mit ihrem Glasshop einen Traum erfüllt. In ihrem Laden in Niedergösgen stehen Glasflaschen im Zentrum.

Lena Bueche
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Die fehlende Erfahrung im Verkauf hat Andrea Näf nicht davon abgehalten, einen eigenen Laden zu eröffnen – und zu ihrer Zufriedenheit zu führen.Bruno Kissling

Die fehlende Erfahrung im Verkauf hat Andrea Näf nicht davon abgehalten, einen eigenen Laden zu eröffnen – und zu ihrer Zufriedenheit zu führen.Bruno Kissling

Bruno Kissling

Ihr Geschäft liegt zwar mitten im Dorf, das Sortiment entspricht aber nicht ganz dem eines typischen Dorfladens: Andrea Näf verkauft in ihrem Glasshop an der Hauptstrasse in Niedergösgen keine Waren des täglichen Gebrauchs, sondern ausgewählte Produkte für besondere Momente. Nebst speziellen Likören, Schnäpsen, aromatisierten Olivenölen und diversen Essigsorten bietet sie auch Konfitüren oder Dipsaucen an.

Serie

Sie trotzen dem Lädelisterben: Wir stellen in einer losen Serie Leute aus der Region vor, die ihren Verkaufsladen (fast) alleine betreiben.

Diese Delikatessen sind aber nur das «Beigemüse», wenn man so will – denn Näf geht es nebst dem Inhalt auch um das Drumherum: Wie es der Name ihres Geschäfts verrät, bilden Glasflaschen in allen Formen und Grössen den Kern des Verkaufsangebots. Ein besonderer Blickfang sind dabei die mundgeblasenen Spirituosenflaschen, die in ihrem Inneren mit farbigen Glasfiguren bestückt sind. Die meisten Lebensmittel sind im Offenverkauf erhältlich – und das ist denn auch das Konzept von Näfs Laden: Die Flaschen, die einst bei ihr erworben wurden, können immer wieder aufgefüllt werden.

«Die Kunden schätzen es, wenn sie eine schöne Flasche nicht entsorgen, sondern mehrfach verwenden können», sagt Näf. Ausserdem entspreche das Prinzip des Offenverkaufs dem Zeitgeist: Da weniger Verpackungsmaterial verbraucht werde, leiste man einen Beitrag an den Umweltschutz, was bei der Kundschaft gut ankomme.

Die Chance gepackt

Näf ist eine Quereinsteigerin – zweifach sogar. Gelernt hat sie ursprünglich Tierpflegerin. Fünf Jahre lang hat sie diesen Beruf ausgeübt. Dann kam der erste Wechsel: Sie nahm einen Job bei der Firma Schenker Storen an, wirkte dort in verschiedenen Funktionen und arbeitete sich Schritt für Schritt bis zur Schichtleiterin hoch. «Ganze 27 Jahre bin ich der Firma treu geblieben. Nach so vielen Jahren war es nun an der Zeit, einen weiteren Wechsel vorzunehmen», erzählt Näf.

Sie entschloss sich, ihren lang gehegten Wunsch, einen eigenen Laden zu führen, in die Tat umzusetzen – und das, obwohl sie über keine Erfahrung im Verkauf verfügt. Als Näf erfuhr, dass in Niedergösgen eine Ladenfläche zur Miete ausgeschrieben war, nahm sie ihren Mut zusammen und wagte den Schritt in die Selbstständigkeit. Diesen bereut sie bis heute nicht. Sie ist stolz darauf, den Laden in so kurzer Zeit auf die Beine gestellt zu haben: Nur zwei Monate hat sie für die ganzen Vorbereitungen gebraucht, bis sie am 1. Dezember des vergangenen Jahres ihren Shop eröffnen konnte.

Wider das Lädelisterben

Näf ist in Niedergösgen aufgewachsen. Die 49-Jährige erinnert sich an die vielen Geschäfte, die es zur Zeit ihrer Kindheit im Dorf gab. Das Lädelisterben bereitet ihr Sorge: «Ich bin zwar noch nicht so alt – aber was wird sein, wenn ich dereinst weniger mobil sein werde?», fragt sie sich. «Vor allem im Alter schätzt man es doch, wenn man die täglichen Besorgungen gleich um die Ecke erledigen kann.» Schon früh hat Näf deshalb den Entschluss gefasst, einen Beitrag an das Dorfleben zu leisten.

Als es darum ging, ihren Traum des eigenen Ladens zu verwirklichen, kam für sie nur Niedergösgen als Standort infrage. Das Geschäft in einer grösseren Ortschaft wie Olten oder Aarau zu eröffnen, sei ihr gar nicht erst in den Sinn gekommen, erzählt Näf. Aus dem Dorf habe sie viele positive Rückmeldungen und guten Zuspruch erhalten. Aber es habe auch kritische Stimmen gegeben. Manche hätten an ihrem Durchhaltewillen gezweifelt: «Ich hörte Sprüche wie: ‹Noch so ein Laden, der nicht lange überleben wird!›, und anderes mehr.» Aber Näf liess sich nicht entmutigen.

Mit dem Geschäftsgang ist sie bislang zufrieden, auch wenn es saisonale Schwankungen gibt. Vor allem der Weihnachtsverkauf sei gut gelaufen, da sich ihre Produkte auch als Geschenke eigneten, erklärt Näf. Überhaupt sei dies der schönste Aspekt an ihrem neuen Beruf: die Kunden ausführlich beraten und ihnen assortierte Geschenkkörbe zusammenstellen zu können. Vollends zufrieden sei sie, wenn sie von den Beschenkten ein positives Feedback erhalte. Kämen die Beschenkten dann selber zu ihr in den Laden und würden zu neuen Kunden, dann sei sie froh, den Traum des eigenen Ladens realisiert zu haben.

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