Interview

Nationalrat Felix Wettstein zum Busersatz für S9: «Für Olten und Trimbach ist das absolut keine Alternative»

Der Oltner Nationalrat Felix Wettstein (Grüne). (Archiv)

Der Oltner Nationalrat Felix Wettstein (Grüne). (Archiv)

Derzeit nimmt Grüne-Nationalrat Felix Wettstein aus Olten an der Session der eidgenössischen Räte in Bern teil. Der Verkehrspolitiker hat sich in der Vergangenheit immer wieder zur S9 von Olten über Läufelfingen nach Sissach, umgangssprachlich als «Läufelfingerli» bekannt, geäussert. Die aktuelle Entwicklung beobachtet er mit Empörung und Sorge. Er fordert, dass die SBB mit dem Bahnersatz aufhören und wieder Züge fahren lassen. Das Interview wurde schriftlich geführt.

Wie haben Sie reagiert, als Sie gehört haben, die S9 werde wegen Lokführermangels bis zum Fahrplanwechsel auf Bus umgestellt?

Felix Wettstein: Das darf nicht wahr sein! Sind die beiden Kantone Solothurn und Baselland überhaupt gefragt worden? Für Olten und Trimbach ist das absolut keine Alternative: Die Fahrt im Bus über den Hauensteinpass dauert zwanzig Minuten länger.

Wie beurteilen Sie die gegenwärtige Situation des Läufelfingerlis für Olten und Trimbach?

Falls die Bahn bis Dezember tatsächlich stillstehen würde, wäre dies ein herber Rückschlag. In Trimbach würde das Quartier am Düriberg – das in den letzten Jahren in Bahnhofsnähe gewachsen ist – vom öffentlichen Verkehr abgehängt; denn der Ersatzbus würde nicht hochfahren. Es besteht die Gefahr, dass die Bahn Kundinnen und Kunden wieder verlieren würde. Und in Olten wären die Hauptstrassen noch mehr verstopft.

Was erwarten oder fordern Sie von den SBB?

Ich fordere, dass der Entscheid sofort zurückgenommen wird. Wenn es vorübergehend zu wenig Lokpersonal hat, dann bitte auf den Strecken mit 15- oder 20-Minuten-Takt eine Verbindung auslassen, aber sicher nicht eine ganze Strecke stilllegen! Unsere beiden Kantone Baselland und Solothurn haben das Angebot bestellt und zahlen dafür, da können die SBB nicht einfach die Schultern zucken und die Passagiere auf dem Perron stehen lassen.

Wie kann das Läufelfingerli künftig attraktiver gemacht werden, damit mehr Leute damit fahren?

In den vergangenen zwei Jahren sind die Frequenzen bereits gestiegen. Entscheidend ist, dass der Anschluss auf die Fernzüge in Olten gut klappt: Das hat sich deutlich verbessert. In Sissach braucht es ein Projekt: Das Gleis soll so angeschlossen werden, dass die S9 weiterfahren kann, bis Liestal oder noch besser bis Basel Badischer Bahnhof. Und Region Olten Tourismus könnte in Zusammenarbeit mit den SBB die wunderschönen Ziele im Homburgertal vermarkten.

In der Ostschweiz soll die Bahnlinie Altstätten–Gais der Appenzellerbahnen aus Kostengründen auf Busbetrieb umgestellt werden. Ist das in Zeiten der Sorge um das Klima sinnvoll?

Hoffentlich fahren die Busse mit Biogas- oder Elektroantrieb! Die Situation ist sicher nicht mit dem Läufelfingerli vergleichbar: Erstens ist es eine Privatbahn und nicht die SBB, und zweitens gibt es zwischen Altstätten und Gais nur ein paar Weiler, jedoch keine Dörfer zu erschliessen, auch kein Anschluss ans Intercity-Netz. 

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