In Niedergösgen herrscht während der nächsten zwei Wochen stickige Luft. Verantwortlich dafür ist die Papierfabrik Model AG, welche im Rahmen der Kläranlage, welche neu gebaut wird, ein Entwässerungsbecken stillegt. Seit gestern Montag bis zum Ende der ersten Maiwoche kann es im Dorf daher zu einer «erhöhten Geruchsbelästigung» kommen. «Ab dem 24. April wird ein erstes Entwässerungsbecken stillgelegt. Dazu werden Abdeckungsplatten demontiert und alter Schlamm aus dem Becken abgepumpt. Anschliessend muss das Becken ausgetrocknet, gereinigt, saniert und wieder zugedeckt werden», erklärt Iris Brugger, Mediensprecherin der Model AG.

«Gestank wie im Krematorium»

Doch wie führt dieser Prozess zum Gestank, den die Niedergösger während der nächsten vierzehn Tage aushalten müssen? «Damit alter Schlamm aus dem Becken abgepumpt werden kann, werden Abdeckungsplatten demontiert. Durch das Demontieren der Abdeckungsplatten wird temporär die Geruchsbelästigung erhöht», erläutert Brugger. Nach der Demontage wird der alte Schlamm abgepumpt und das gesamte Entwässerungsbecken ausgetrocknet. Erst nachdem das Becken komplett ausgetrocknet ist, kann es gereinigt und saniert werden. Das erklärte Ziel der Model AG: «Die Arbeiten möglichst schnell durchzuführen und die Geruchsbelästigungen auf ein Minimum zu beschränken.»

Eine minimale Belästigung und eine kurze Arbeitsdauer dürfte der Papierfabrik entgegenkommen. Denn über den Gestank im Dorf haben sich in der Vergangenheit schon mehrere Anwohner beschwert. Zwar noch nicht bei einem Projekt wie diesem, da dieses Vorhaben das erste seiner Art ist. Aber je nach Wetterbedingungen sei die Anlage auch ohne Arbeiten an Entwässerungsbecken riechbar. Die Reklamationen sind der Niedergösger Gemeindehomepage zu entnehmen, welche unter der Rubrik «Hotline Model AG» Fragen und Anregungen zur Papierfabrik entgegennimmt.

So schreibt eine Familie im Dezember des letzten Jahres, dass es an der Schmiedenstrasse wieder einmal sehr heftig stinke. Einen Monat zuvor erzählt ein Eintrag gar von einem «Gestank wie in einem Krematorium» und fügt an: «Schon seit einer Woche. Es sei sofort einzuschreiten.»

Bald eine neue Anlage

Einschreiten ist das, was die Model AG nun tut. Denn, wie die Firma den beiden reklamierenden Parteien erläutert: «Solange die derzeitige Kläranlage in Betrieb ist, kann eine Geruchsbelastung je nach Wetterlage (Tiefdruck und Windrichtung) eintreten.» Jedoch verschwinde das Geruchsproblem mit dem Neubau der Kläranlage, wovon die Stilllegung des Entwässerungsbeckens ein Teil sei. Die Model AG bittet die Anwohner in der Zwischenzeit um Geduld und sei bemüht, der Geruchsbelästigung rasch ein Ende zu setzen.

Bei der Sanierung der Kläranlage, die nun im Gang ist, wird die Reinigungsstufe durch neue Hochleistungsreaktoren ersetzt und zusätzlich durch eine zweite Stufe ergänzt. Die Inbetriebnahme der einen neuen Anlage ist für Oktober oder November dieses Jahres geplant. Die zweite Anlage soll voraussichtlich im Sommer 2018 in Betrieb gehen. Es sollte also nicht mehr lange dauern, bis die Geruchsbelästigung durch die Model AG in Niedergösgen ganzheitlich der Geschichte angehört. Bis dahin müssen die Anwohner jedoch noch etwas Geduld zeigen - und hoffen, dass der Gestank sich in Grenzen hält.