So voll wird der Saal im Walterswiler Gemeindehaus selten. Die Stühle reichten nicht für alle der 70 Personen, manche mussten stehen. Der Zuhöreraufmarsch verdeutlicht: Das Thema  «Lärmschutzprojekt» interessiert.

Konkret geht es um Folgendes: Das Amt für Verkehr und Tiefbau (AVT) des Kantons Solothurn hat 2014 Lärmmessungen und Verkehrszählungen entlang der Walterswiler- und der Rothackerstrasse durchgeführt. Beides sind Kantonsstrassen. Dabei wurden verschiedene Lärmgrenzwertüberschreitungen festgestellt. Die Verkehrsmengen wurden bis ins Jahr 2034 mit einer durchschnittlichen Verkehrszunahme hochgerechnet. Für die Beurteilung wird dabei der höchste Wert in dieser Zeitspanne verwendet. In der Folge hat das AVT untersucht, wie dem Lärm in Walterswil entgegengewirkt werden kann.

Das Amt kommt zum Schluss, dass die Einführung einer Tempo-30-Zone auf den beiden Kantonsstrassen zwar einen zusätzlichen Nutzen aus lärmschützerischer Sicht bringen würde. Aber: «Da der untersuchte Abschnitt an einen Strassenabschnitt mit Tempo 80 grenzt, ist Tempo 30 mit keinen verhältnismässigen flankierenden Massnahmen durchsetzbar», heisst es in der Projektbeschreibung. «Wir haben in erster Linie Belagssanierungen definiert», gibt Rolf Müller, Leiter für Lärm- und Schallschutz beim AVT, Auskunft: Vorgesehen ist der Einbau eines Flüsterbelags auf einem Abschnitt der Rothackerstrasse. Geplant war diese Sanierung für 2023, durchgeführt wird sie nun schon im Juli 2019. Der restliche Teil der Kantonsstrasse wurde bereits 2011 und 2012 mit einem Flüsterbelag gedeckt.

Weiter sieht das Projekt «aus Ortsbildschutzgründen, wegen der unerwünschten Einengung des Strassenraums und aus Kosten-Nutzen-Gründen» nicht vor, Lärmschutzwände zu bauen. Einzig an einer Liegenschaft ausgangs Dorf in Richtung Däniken, bei der nicht nur der Immissions-, sondern auch der Alarmgrenzwert überschritten ist, sollen sechs Fenster durch Schallschutzfenster ersetzt werden.

2015 war das Projekt bei der Gemeinde in der Vernehmlassung, 2018 wurde es überarbeitet, nun liegt es einen Monat lang öffentlich auf.

Gemeinde will Tempo 30

Um die Bevölkerung über das Projekt zu informieren, hat die Gemeinde am Dienstagabend zu einer Veranstaltung eingeladen. Schnell wird klar: Sie ist mit den Plänen des Kantons nicht einverstanden. Walterswil ist eine der Ortschaften, die derzeit seine Ortsplanung revidiert. Darin werden auch Verkehr und Lärm thematisiert, wie Gemeinderat Marcel Fischer erklärte: «Die Idee ist, zwei Dorfkernzonen einzurichten: eine auf der Walterswilerstrasse, rund um das Restaurant St. Urs und Viktor sowie eine auf der Rothackerstrasse, von der Kirche bis nach dem Schulhaus.» Die Ortsplanungsrevision sieht also vor, das Lärmproblem mit Temporeduktionen anzugehen.

Fischer belegt die Idee mit einer Studie des Bundesamts für Umwelt: «Sie besagt, dass die Temporeduktion von 50 auf 30 eine Lärmreduktion von bis zu drei Dezibel mit sich bringt.» Die Geschwindigkeitsreduktion in den Dorfkernzonen hätte zur Folge, dass auf den angrenzenden Gemeindestrassen ebenfalls nur noch 30 Stundenkilometer gefahren werden darf. Eine gesamtheitliche Reduktion auf dieses Tempo sieht die Gemeinde nicht vor. Weil der Kanton keine Temporeduktion vorschlägt und das Vorhaben zudem auf Zahlen aus dem Jahr 2014 basiert, wird der Gemeinderat Einsprache gegen das Projekt erheben.

Ausserdem haben die Liegenschaftsbesitzer, die an der Rothacker- und an der Walterswilerstrasse wohnen, die Möglichkeit, ebenfalls Einsprache zu erheben. Der Gemeinderat hat für diese Einwohner bereits eine Einsprache vorbereitet: «Ihr dürft sie gerne übernehmen und mit euren persönlichen Anliegen erweitern», sagte Gemeindepräsidentin Marie-Louise Wilhelm zur anwesenden Bevölkerung.

«Allfällige Einsprachen werden durch das Bau- und Justizdepartement behandelt und in einem Regierungsratsbeschluss entschieden», sagt Müller vom AVT dazu.

Auflagefrist läuft

Der Tenor der Walterswiler war am Dienstagabend klar: Der Verkehr habe in der Vergangenheit zugenommen und sei bisweilen «unerträglich», monierten mehrere Anwohner. Auch das Thema Lastwagenverbot wurde angeschnitten, da an mehreren Stellen die Strasse zu schmal sei, damit LKWs kreuzen könnten. Die Gemeinde hält ein solches Verbot für nicht umsetzbar. Das Ziel der Ortsplanungsrevision sei aber, die Durchfahrt für alle Verkehrsteilnehmer mit den angesprochenen Temporeduktionen unattraktiver zu machen. Nicht alle Anwesenden waren mit dieser Idee einverstanden: «Lebensmittel kommen nicht mit dem Trottinet in die Läden», entgegnete ein Walterswiler. Ein anderer forderte Einbahnverkehr statt Temporeduktion.

Einige Anwesende brachten auch Vorschläge, die mit dem öffentlichen Verkehr zu tun haben: «Wieso richtet man nicht einen Bus von Aarau nach Zofingen ein? Damit könnte ein grosser Teil des Durchgangsverkehrs eliminiert werden», meinte ein Anwohner. Ein weiterer Walterswiler schlug vor, auf dem gesamten Gemeindegebiet Tempo 40 einzuführen. «Wenn die Umsetzung so einfach wäre, wären wir nicht schon seit vielen Jahren damit beschäftigt», erklärte die Gemeindepräsidentin die Umstände. Wichtig sei es jetzt, die Chance für Einsprachen zu nutzen und sich Gehör zu verschaffen.

Das Projekt liegt noch bis zum 26. Februar auf der Gemeindeverwaltung Walterswil und auf dem Kreisbauamt II in Olten auf. Bislang sind laut Müller noch keine Einsprachen eingegangen.