Lostorf

Nach intensiver Debatte kommt «Hauptstrasse Nord» an die Urne

Das Projekt wurde mehrmals angepasst. Die Ausbuchtungen fallen nun kleiner aus als ursprünglich geplant, einzelne Poller kommen weg.

Eine intensive Debatte rund um die «Hauptstrasse Nord» und ein erfolgloser Rückweisungsantrag prägten die Gemeindeversammlung in Lostorf.

«Für unsere Gemeinde handelt es sich um eines der finanziell bedeutendsten Projekte der letzten Jahre», fasste Thomas Müller, Gemeindepräsident von Lostorf, die Vorlage zusammen. Tatsächlich ist das Sanierungsprojekt «Hauptstrasse Nord» mit Bruttokosten von 7,1 Millionen Franken nicht gerade ein Schnäppchen.

Da Projekte dieser Grössenordnung in der Regel nicht einfach durchgewunken werden, war im Vorfeld mit einem grösseren Aufmarsch an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung gerechnet worden. Und tatsächlich fanden sich am vergangenen Mittwoch gleich 136 Stimmberechtigte in der Dreirosenhalle ein, um über das Kreditbegehren zu befinden.

Weil die Ausgabe eine Million und damit die Finanzkompetenz der Versammlung übersteigt, stand lediglich das Eintreten auf die Vorlage und die Überweisung an die Urne zur Debatte, nicht aber der Schlussentscheid.

Erneute Projektanpassungen

Das Wort zum Eintreten hielt Gemeinderat Andreas Sämi Bünder, Ressortleiter Bau und Mitglied der Arbeitsgruppe «Hauptstrasse Nord». Nach einem Rückblick auf die fünfjährige Planungsphase erläuterte er die einzelnen Bestandteile des Projekts.

Nebst der Erneuerung der Werkleitungen und der Strasse kommt dem Hochwasserschutz eine grosse Bedeutung zu: Um auch ein Jahrhunderthochwasser bewältigen zu können, soll der Lostorferbach im unteren Bereich ausgeweitet und renaturiert werden.

Die Details der Sanierung wurden von Projektleiter Rolf Ackermann vorgestellt. Er erläuterte auch die jüngsten Anpassungen, die am Projekt vorgenommen wurden. So werden die Ausbuchtungen, die bei den Querstrassen für bessere Sichtverhältnisse sorgen sollen, kleiner ausfallen. Auch werden weniger Poller montiert als ursprünglich geplant.

Renaturierung als Streitpunkt

In der sachlich geführten Eintretensdebatte kamen vor allem Anwohner zu Wort, die von den Sanierungsmassnahmen direkt tangiert werden. So sind von der Bachrenaturierung zehn Landeigentümer betroffen. Nicht alle sind bereit, ihr Grundstück an die Gemeinde abzutreten oder für die Hochwasserschutzmassnahmen zur Verfügung zu stellen. Einer der Anwohner kündigte an, Einsprache gegen das Projekt erheben zu wollen.

Felix Lang, Einwohner und Kantonsrat der Grünen, gratulierte zwar zum Projekt. Gleichzeitig zeigte er sich aber beunruhigt über die Verunsicherung, die er bei den direkt betroffenen Anwohnern zu spüren glaube.

Es sei bedenklich, wenn ausgerechnet jene Personen dem Projekt kritisch gegenüber stünden, denen die Sanierung zugutekommen sollte. «Unter solchen Umständen wird es schwierig, eine Urnenabstimmung zu gewinnen.» Eine Rückweisung der Vorlage zwinge den Gemeinderat dazu, die Anliegen der Anwohner besser in das Projekt zu integrieren. «Ein solcher Reifungsprozess würde dem Projekt guttun», meinte Lang abschliessend.

Rückweisungsantrag abgelehnt

Während sich Lang für einen pauschalen Rückweisungsantrag aussprach, legte Iwan Moll einen detaillierten Antrag mit vier Punkten vor: Erstens seien die Werkleitungen zu ersetzen; zweitens sei die Strasse und das Trottoir zu sanieren, aber unter Beibehaltung der gegenwärtigen Dimension und Linienführung; auf Verengungen der Fahrbahn sei drittens zu verzichten; und viertens sei der Bach auf den für den Hochwasserschutz nötigen Querschnitt zu erweitern, ohne aber eine Renaturierung vorzunehmen.

Molls Antrag erhielt Beifall. Aber nachdem sich mehrheitlich kritische Stimmen zum Projekt geäussert hatten, meldeten sich gegen Ende der Debatte auch einige Befürworter. So sagte Urs Straumann, der das Fitnesscenter am Zehntenweg betreibt: «Ich bin ganz fest für das Projekt! Es ist an der Zeit, die Strasse den neuen Nutzungsverhältnissen anzupassen.» Die ewigen Provisorien rund um den Bach gehörten ersetzt. Ein Anwohner der Jurastrasse schlug in dieselbe Kerbe und meinte, Lostorf müsse endlich wieder ein Gesicht erhalten.

Nach der rund einstündigen Eintretensdebatte liess Müller über den Rückweisungsantrag abstimmen. 47 Bürger unterstützten den Antrag, 2 enthielten sich der Stimme. 87 Stimmberechtigte waren folglich gegen den Antrag. Damit wurde das Eintreten auf das Kreditbegehren beschlossen und es kommt am 25. November zur Schlussabstimmung an der Urne.

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