Corona-Epidemie

Nach Hofladen-Boom im Niederamt: Trend zu regionalen Lebensmitteln flacht ab

Vor dem Laden auf dem Hof der Thalmanns in Trimbach präsentiert der Angestellte Gregor Kapron frisch geerntete Kürbisse.

Vor dem Laden auf dem Hof der Thalmanns in Trimbach präsentiert der Angestellte Gregor Kapron frisch geerntete Kürbisse.

Die regionalen Hofläden hatten im Lockdown einen Besucheransturm – dieser hat aber bereits im Mai wieder nachgelassen.

Ende März 2020 verzeichneten Hofläden in der Region einen regelrechten Boom. Viel mehr Menschen besuchten während des Lockdown die lokalen Bauernhöfe. Gegenüber dieser Zeitung berichtete Roman Grob vom gleichnamigen Gemüsebau zum Beispiel, dass sich die Anzahl Kundinnen und Kunden verdoppelt hätte.

Seit den Lockerungsmassnahmen im Mai und definitiv seit der Wiedereröffnung der Landesgrenzen flache die Zahl der Kundinnen und Kunden in den Hofläden aber wieder kontinuierlich ab, schreibt der Schweizer Bauernverband. Diese Einschätzung deckt sich mit den Beobachtungen der Bauern aus dem Niederamt.

Auf Nachfrage äussert sich Hansueli Schmid vom Weidweghof in Erlinsbach: «Die Situation ist wieder wie vor Corona. Die Besuchszahlen sind etwa auf Vorjahresniveau.» Roman Grob pflichtet ihm bei. Martin Thalmann vom gleichnamigen Hof in Trimbach sagt ebenfalls, dass der Trend zurückgegangen sei. Er betont aber, dass der Laden immer noch sehr gut laufe. «Es halten immer wieder Durchfahrende aus allen Kantonen bei uns an», meint er.

Auf dem Buechehof in Lostorf sieht die Situation hingegen etwas anders aus. Es habe sich zwar stabilisiert und es bilden sich keine Warteschlangen vor der Ladentür mehr, dennoch empfingen sie immer noch deutlich mehr Besucherinnen und Besucher als vor der Coronakrise, berichtet Beat Gygax, Leiter Personelles.

Hier sieht man den Hofladen auf dem Buechehof in Lostorf. (Archivbild)

Hier sieht man den Hofladen auf dem Buechehof in Lostorf. (Archivbild)

Wie die Trendbewegung um Hofläden entstand

Um die Frage zu klären, warum die Hofläden während des Lockdown so beliebt waren, stellten die Bauern verschiedene Theorien auf. Thalmann berichtet, dass viele Kundinnen und Kunden den Hofladen aufgesucht haben, die normalerweise den Marktstand des Hofes auf dem Wochenmarkt in Olten besucht hätten.

Gygax glaubt, dass Menschen zum einen gezwungen waren, auf den Hofladen auszuweichen, weil die Supermarktregale durch Hamsterkäufe leer geräumt wurden. Zum anderen stellt er aber auch die Hypothese auf, dass die Bevölkerung sich während der Coronakrise automatisch mehr mit ihrer Gesundheit auseinandergesetzt habe. Die Tendenz, biologische und regionale Lebensmittel einzukaufen, steige. Grob ergänzt die aufgestellten Vermutungen damit, dass die Leute generell mehr frische und unverarbeitete Nahrungsmittel eingekauft haben, weil sie – Homeoffice sei Dank – viel öfters zu Hause gekocht haben. «Ich habe unglaublich viele Anfragen zu Rezeptvorschlägen erhalten», ergänzt er seine These.

Warum die Kundenzahlen wieder abflachten

Woran das wieder schwindende Interesse liegen könnte, kann sich niemand so genau erklären. Möglicherweise haben Kundinnen und Kunden durch die etablierten Schutzmassnahmen das Vertrauen in die lokalen Grossverteiler wiedergefunden, vermuten Schmid und Thalmann. Vielleicht weichen sie wegen der geltenden Maskenpflicht auch auf andere Kantone aus, denkt Gygax.

«Man kann den Leuten nicht übel nehmen, dass sie wieder in alte Gewohnheiten zurückfallen», meint Grob. Ihm würde es wohl genauso gehen. Er sieht dies aber als Herausforderung. «Es liegt an uns, Kundinnen und Kunden zurückzugewinnen! Wir möchten den Mehrwert unseres Angebots näherbringen: saisonal, regional, nachhaltig und frisch.» Aktiv geplant hat er zu diesem Zweck noch nichts, einige Ideen hätte er aber schon. Mit Hilfe von Events auf dem Hof könnte man zum Beispiel Menschen motivieren, den Laden zu besuchen.

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