Mahren/Lostorf
Nach Einführung neuer Linie: Der Bus wird noch (zu) wenig benutzt

Seit dem neuen Fahrplanwechsel ist Mahren erstmals an den öffentlichen Verkehr angebunden. Die neu geschaffene Linie 518 bedient den Weiler.

Rahel Bühler
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Bruno Kissling

6.47 Uhr an einem kalten Freitagmorgen im Januar: Ein Kleinbus fährt an die neu eingerichtete Bushaltestelle «Lostorf Mitte» an der Mahrenstrasse. Er bedient die ebenfalls frisch geschaffene Buslinie 518, die von Rohr SO nach Mahren führt. Erstmals ist der Lostorfer Weiler somit an den öffentlichen Verkehr angeschlossen. Zu den Stosszeiten am frühen Morgen und nach Feierabend befördert ein Kleinbus mit 17 Sitzplätzen die Passagiere zwischen Mahren und Rohr. «Der Mittagskurs wurde bereits mit einem zusätzlichen Bus verstärkt, damit alle Schüler Platz haben», erklärt Toni von Arx, der Geschäftsführer der Busbetriebe Olten Gösgen Gäu (BOGG). Der zusätzliche Bus verfügt ausserdem über 42 Plätze.

Blaues Licht und Radiomusik

Und wie hat die Bevölkerung die neue Verkehrsanbindung sonst aufgenommen? An jenem Freitagmorgen im Januar herrscht zunächst wenig Betrieb. Ausser der Journalistin und dem Busfahrer hält sich niemand im Gefährt, das zuerst nach Mahren, dann zurück nach Lostorf und Stüsslingen fährt, auf. Das Vehikel wird im Innern von einem bläulichen Licht beleuchtet, aus der Fahrerkabine ertönt der Klingelton des lokalen Radiosenders. Der Bildschirm neben der Haltestellen-Anzeigetafel präsentiert die aktuellsten Neuigkeiten: Thierry Henry wurde als Trainer beim Fussballclub AS Monaco entlassen, der Miss Schweiz 2018 wurde ihre Krone aberkannt, die amerikanische Sängerin Pink erhält einen Stern auf dem Hollywood-Boulevard.
Erst in Rohr, der Endstation, steigt vorerst nur ein Schüler ein. Später folgen sechs Weitere. Sie kennen sich und unterhalten sich auf der Fahrt nach Lostorf über die bevorstehende Geschichtsprüfung und den Deutschtest. In Stüsslingen steigen noch mehr Schülerinnen ein, einige der jüngeren Rohrer Kinder verlassen den Bus. Die restlichen Jugendlichen steigen in Lostorf Mitte aus, um den nächsten Bus zu nehmen, der sie in die Kreisschule Mittelgösgen bringt. Bislang benutzten alle Passagiere die Buslinie 518 als Mittel, um in die Schule zu gelangen. Der Grund, warum sie den Bus benutzen, liegt auf der Hand. Ob sie froh sind, dass es ihn gibt, ebenfalls. Wer will schon frühmorgens bei winterlichen Minustemperaturen mit dem Fahrrad von Rohr in die «Kreisi» fahren?

Während die Rohrer ihre Bushaltestelle fleissig nutzen, ist an den neuen beiden Bushaltestellen «Lostorf, Buechehof» und «Lostorf, Mahren», den einzigen beiden neuen Haltestellen, bislang noch niemand zugestiegen. Ob dies wohl immer so ist?

Aus 517 wurde 518

Die neue Buslinie ist nicht aus dem Nichts entstanden: «Weil die alte Linie 517, die von Rohr über Obergösgen nach Dulliken führte, eine ungenügende Kostendeckung hatte, wurde sie überprüft», erklärt von Arx. Dabei wurde festgestellt, dass die Strecke zwischen Rohr und Lostorf nicht intensiv genutzt wurde. Deshalb hat man die Linie verkürzt. Neu pendelt sie zwischen der Kreisschule Mittelgösgen und dem Dulliker Bahnhof hin und her. Dies bedeutete allerdings, dass für die Gemeinde Rohr keine Anbindung an den öffentlichen Verkehr bestand. «Ausserdem stand es schon lange zur Diskussion, Mahren zu erschliessen. Es gab diverse Anfragen vonseiten der Bevölkerung und der Behörden», so der BOGG-Geschäftsführer. Daraus entstand die neue Linie 518. Dies bestätigt auch der Lostorfer Gemeindepräsident, Thomas Müller, auf Anfrage: «Das war ein Postulat, das wir schon länger an die BOGG gerichtet hatten.» Das Zielpublikum dieser Verbindung ist laut Müller vor allem die Mahrener Schülerschaft. «Deshalb sind die Abfahrtszeiten auf die Schule abgestimmt.»

7.22 Uhr: Zum zweiten Mal hält der Bus auf seiner Tour in Mahren. Dieses Mal steigt ein Schüler ein, um in Lostorfs Dorfzentrum wieder auszusteigen. Bis nach Stüsslingen ist der Bus wieder leer. Um halb acht steigen zwei Erwachsene ein. Ihr Ziel ist der Buechehof in Lostorf.
Fazit: Während der Stunde, in der die Haltestelle Mahren zweimal angefahren wurde, stieg insgesamt eine Person ein. Bei der Haltestelle «Buechehof» stiegen zwei Personen aus. Toni von Arx hat dafür eine Erklärung parat: «Der bisherige Betrieb von nur einem Monat ist zu kurz, um eine Beurteilung vornehmen zu können.» Erfahrungsgemäss brauche es einige Zeit, bis ein neues Angebot bei der Bevölkerung Fuss gefasst hat. Von Arx geht davon aus, dass die Linie bestimmt ein Jahr brauchen wird, um ihr Potenzial auszuschöpfen.

Thomas Müller bläst ins gleiche Horn, ist sich aber auch bewusst, dass die Mahrener Bevölkerung den Tatsachenbeweis, dass sie den Bus wirklich braucht, erst noch erbringen muss. «Die neu geschaffene Haltestelle für den Buechehof könnte allerdings wirklich ein Bedürfnis für handicapierte Personen sein.»