«Beruf und Hobby ist als Bauer dasselbe. Das muss so sein, sonst mag man das nicht ewig durchziehen.» Dichter weisser Nebel umhüllt das Dorf auf 630 Metern über Meer an jenem Samstagmorgen. Es herrscht eine kalte Stille, als ob ganz Hauenstein noch schlafen würde. Doch für Andreas Nussbaumer hat der Tag bereits um sechs Uhr morgens begonnen. Auf dem knapp 300 Jahre alten Mattenhof, dessen Umrisse sich nur allmählich in dem dichten Nebel abzeichnen, bleibt nicht viel Zeit, sich auszuruhen: Die 27 Kühe im Stall wollen gefüttert und versorgt werden.

Von Kamber zu Nussbaumer

Seit 1988 ist Andreas Nussbaumer Landwirt und Betriebsleiter des Mattenhofs. «Mir ist das in die Wiege gelegt worden. Mein Vater und mein Onkel unterhielten ab 1954 gemeinsam den Hof, den sie damals von ihrer Mutter übernommen hatten.» Der 54-jährige Landwirt Andreas Nussbaumer erinnert sich bei einer Tasse Kaffee in der eigenen Küche zurück an seine Kindheit und die Anfänge des Hofes. Seit Generationen bewohnt und bewirtet die Familie Nussbaumer den Mattenhof. Im Jahre 1820 habe es mit der Heirat eines Nussbaumers mit einer Kamber begonnen. Ein massiver Holzschrank mit dem Schriftzug «Elisabeth Kamber 1820» im Wohnzimmer lässt auf diese 200-jährige Familiengeschichte schliessen. «Früher war es eines der grösseren Höfe in der Umgebung, heute sind wir im Vergleich mittelgross.»

Soweit das geschichtliche Wissen über den Hof reicht, wird seit seinen Anfängen Milchwirtschaft betrieben. «Ich kann mich noch daran erinnern, als wir Mitte der 1970er-Jahre noch Milch in die Molkerei in Olten geliefert haben. Sie wurde jeweils von einem Bus abgeholt und in die Stadt gebracht.» «Wir» bedeutet zu dieser Zeit bei den Nussbaumers eine 14-köpfige Familie. Als Jüngster auf dem Hof teilte Andreas Nussbaumer das Haus mit fünf Geschwistern, fünf Cousins, Mutter, Vater und Onkel. «Wir waren alle wie Schwestern und Brüder. Wir hatten keine Probleme miteinander und haben heute noch keine», erinnert sich der Landwirt zurück.

Das jüngste Glied eines solch grossen Haushaltes zu sein, bedeutet verzichten zu können. «Ich wollte nach der Lehre 1986 eigentlich nach Kanada oder Neuseeland arbeiten gehen. Es kam aber leider nie dazu.»

Zwei Jahre später übernahm Andreas Nussbaumer dann den Hof seines Vaters, kaufte ihn 1995 und führte ihn bis vor knapp sieben Jahren noch gemeinsam mit seiner Unterstützung. Doch nur drei Jahre später die Katastrophe: «Ich war im Stall, als plötzlich der Strom ausfiel. Als ich dann durch den Stall nach hinten schaute, stand bereits alles in Flammen. Ich hatte gar keine Zeit zu reagieren: Innerhalb von zwei, drei Minuten war nichts mehr zu machen.» Die Löschaktion der Feuerwehr dauerte vom Abend des 27. Aprils 1998 bis zum nächsten Morgen, doch der Stall war nicht mehr zu retten. Die Tiere allerdings habe man noch rechtzeitig in Sicherheit bringen können. Wegen einer defekten Elektroleitung sei ein Schaden in der Höhe von einer Million Franken angerichtet worden.

Zwei Jahre lang wurde neu gebaut, optimiert für die Milchwirtschaft. Keine einfache Zeit für die Familie, die seit 1992 um eine Ehefrau und zwei Söhne gewachsen war. «Das Leben zu dieser Zeit war einfach anders», lächelt Andreas Nussbaumer. «Im Winter beispielsweise hing an der Wohnzimmerwand nur Plastik und wir mussten viel mehr heizen.» Der Landwirt scheint unbeeindruckt von den damaligen Lebensumständen und erzählt mit einer gewissen Leichtigkeit aus jener Zeit.

Der Wandel nach der Milchkrise

Bis etwa vor zehn Jahren wurde die Mattenhof-Milch noch in die Migros geliefert. Doch nach der Milchkrise in den Jahren 2008 und 2009 sank der Milchpreis so drastisch, dass Andreas Nussbaumer auf die Mutterkuhwirtschaft stieg und mittlerweile ausschliesslich Fleisch produziert. «Man soll ja immer das produzieren, was die Leute wollen und mögen.» So kam er zu seinem ersten Angus-Muni. Mittlerweile seien 22 der 27 Kühe im Stall Angus, die alle nach den IP-Suisse-Standards gehalten werden. «Das heisst, man darf nur ein Minimum an Kraftfutter und Mais füttern. Die Tiere müssen ausserdem das ganze Jahr hindurch Auslauf haben und im Sommer täglich auf die Weide.»

Den Wandel in der langjährigen Geschichte des Hofes bereut der Landwirt gar nicht. «Ich habe schon während Vaters Zeit viel Neues eingebracht. Deswegen ist es nicht so schlimm für mich.» Was er jedoch durchaus vermisse, sei das Zusammentreffen aller örtlichen Bauern beim Milchabgeben. «Die Bauern haben dadurch nicht mehr denselben Zusammenhalt. Man sieht einander einfach nicht mehr.»

Nichtsdestotrotz: der Online-Verkauf des Angus-Fleisches laufe gut. «Wir schlachten nur auf Bestellung und beliefern im Moment nur Privathaushalte.» Geplant sei der Aufbau eines Hofladens mit noch mehr Produkten, nebst Eiern, Fleisch und Süssmost. Doch andere Pläne haben zurzeit Vorrang: «Ich bin dran, den Hof möglichst schnell dem älteren Sohn zu übergeben.» Dieser müsse allerdings noch die Ausbildung dazu machen. «Ich selber könnte zurück ins zweite Glied treten und etwas ganz anderes machen. Aber vielleicht braucht mich mein Sohn hier noch. Und wenn ich mal pensioniert bin, möchte ich ihm weiterhin helfen.» Wie sich nach ihm der Hof verändern wird, das liegt in der Hand des Nachwuchses. «Vielleicht will der Junior in Richtung Bio gehen. Da kann ich ihm dann auch nicht reinreden.»