«Es war nicht alles falsch, was sie gemacht haben» oder «das Dulliker Ufer sieht jetzt super aus, wie ein Park»: Zwei Sätze von Besuchern am Tag der offenen Baustelle in Obergösgen drücken stellvertretend für andere eine gewisse Freude aus über das, was unter Leitung des Solothurner Amts für Umwelt (AfU) in Sachen Hochwasserschutz an der Aare bisher entstanden ist.

Das ist nicht selbstverständlich, denn die Eingriffe in die Ufergebiete zwischen Olten und Aarau sind massiv. «Vor allem bei den ersten Rodungen in Winznau gab es viel Kritik, es wirkte für die Leute brutal», bestätigt Christoph Dietschi von der Abteilung Wasserbau im AfU. Zusammen mit Abteilungsleiter Gabriel Zenklusen stand er am Samstag an einem der elf Posten entlang des nördlichen Obergösger Aareufers und gab Auskunft über das Projekt.

Etwa 200 sehr interessierte Besucherinnen und Besucher schätzte er am Abend. Dass es nicht mehr waren, ist teils wohl der Hitze geschuldet, deutet aber auch darauf hin, dass Verständnis und Zustimmung zu den Massnahmen gestiegen sind. Die grosse Rodung dieses Frühjahrs im Wald unterhalb der «Fähre»-Brücke habe kaum noch Reaktionen ausgelöst, so Zenklusen.

Vögel, Fische und Amphibien

Mit einem Schock begann der Tag für Daniel Schär vom Naturschutzverein Egerkingen am Posten «Vögel»: Am Morgen konnte er einen Eisvogel beobachten, der kurz darauf am Dulliker Ufer von einer im Gebüsch lauernden Katze gefressen wurde. Noch so gerne hätte der Ornithologe in den Kampf eingegriffen. «Es gibt bei uns einfach zu viele Katzen», seufzte er.

Am Posten «Fische» zeigten die Biologen Stefan Gerster und Gabriel van der Veer vom Amt für Wald, Jagd und Fischerei auch mit lebenden, am Morgen aus der Aare gefischten Tieren auf, welche Fische heute (noch) in der Aare zu finden sind. Mit der Gestaltung der Ufer und der neuen Seitengerinne will das Projekt Fischarten wie der Barbe und der Aesche wieder bessere Bedingungen geben. Nichts ausrichten kann es gegen den Klimawandel: Seit 1970 ist die Temperatur der Aare um durchschnittlich 1,8 Grad gestiegen, was einige Arten an Hitzetagen kaum mehr vertragen. Das Nachwachsen der Bäume soll ihnen immerhin wieder mehr Schattenplätze ermöglichen.