Lilly Margrit klettert etwas schwerfällig die hohen Stufen runter bis ans Gitter. Dort strecken ihr bereits mehrere Kinderhände leckere Futterstückchen entgegen. Sanft schleckt sie die pelletartige Stückchen weg. Als sie sieht, dass die Kinderhände leer sind, schlurft sie wieder in den hinteren Bereich des Geheges.

Lilly Margrit, die Zwerggeiss lebt im Wildpark Mühletäli, ist wieder schwanger. «Sie ist eine unserer Stammmütter», sagt Kyra Bosshardt, die sich seit 23 Jahren um die Tiere im Wildpark Mühletäli in Starrkirch-Wil kümmert. Das will heissen: Lilly Margrit und fünf oder sechs andere Geissen gebären fast jedes Jahr ein kleines Geissli. «Unsere Lilly war bisher immer mit Zwillingen schwanger», so Bosshardt weiter.

Tobi ist Vater des zahlreichen Nachwuchses

Vater der Wildpark-Babygeissli ist seit einigen Jahren immer der Geissbock Tobi: Er verbringt jeweils einige Wochen pro Jahr im Wildpark. Noch bevor sein Nachwuchs zur Welt kommt, verlässt er die Gruppe aber wieder. Sein Zuhause ist in Hintermoos LU.

Die Geburten erwartet Bosshardt in den Wochen zwischen Mitte und Ende Mai. Kein Wunder, fällt der Zwerggeiss das Treppensteigen schwer: Ihr Bauch wölbt sich auf beiden Seiten stark sichtbar hervor.

Thalmann-Stiftung finanzierte Umbau

Die Zwerggeissen halten sich derzeit am liebsten entweder direkt beim Zaun oder im hinteren Bereich auf, der neu gestaltet wurde. Zwei Wochen lang kurvte ein kleiner Bagger durch das Gehege. Der Grund für die Sanierung: Da das Gestein auf das Geissengehege zu fallen drohte, musste eine Stützmauer aus Beton, Armierungseisen und Stützpfeilern erstellt werden.

«Während den Bauarbeiten waren die Geissen in einem anderen Gehege zu Hause», erklärt Bosshardt. Die Sanierungsmassnahmen seien vollumfänglich von der Thalmann-Stiftung aus Olten finanziert worden.

«Wir machen ein Wochenbett bereit»

Nun konnten die insgesamt 13 Zwerggeissen wieder zurück in ihre gewohnte Umgebung. Doch an Ruhe ist noch lange nicht zu denken. Denn sobald die Euter der schwangeren Geissen anschwellen, beginnen im Wildpark die Vorbereitungsarbeiten für die Geburten.

Bosshardt: «Wir legen die kleinen Ställe dann mit ganz viel Heu aus. Wir machen den Geissen also quasi ein Wochenbett bereit.» Auch wenn diese nur für einige Minuten nach der Geburt genutzt würden. «Danach stehen Mutter und Junges bereits auf und klettern herum», sagt Bosshardt und zeigt auf den steinigen Hügel direkt hinter den Stallungen.

Babygeissli werden verkauft

Die neugeborenen Zwerggeissen schreibt Bosshardt nach ein paar Wochen dann im Internet aus. «Wir behalten keine, sonst wäre die Gruppe zu gross.» Die meisten Zwerggeissen verkauft der Wildpark laut Bosshardt an Privatpersonen.

In diesem Jahr werden eventuell vier Jungtiere in das Gehege beim Alters- und Pflegeheim Brüggli in Dulliken umziehen. «Wegen dem Umbau haben sie ihre Geiss, die Petra, zu uns gebracht. Wenn nun alles fertig gebaut ist, könnten sie aber einige Jungtiere aufnehmen», so Bosshardt.

Rentierherde für den Wildpark geplant

Während die Geissen-Gruppe im Wildpark nicht anwachsen soll, denkt der Verein derzeit aber über die Anschaffung neuer Tierarten nach. Konkret sind zwei Projekte in Planung: Unterhalb des Sitzplatzes soll bald eine vier- bis fünfköpfige Rentierherde ihr Gehege bekommen. Und zu den zwei Pfauenziegen, zwei Walliser Schafen und dem Mufflon könnte sich bald ein neues Pärchen gesellen.

Welche Tierart es wird, das steht noch nicht fest. «Ich würde hier gerne ein Gehege ausschliesslich mit Tieren aus der Schweiz einrichten» sagt Bosshardt. Dafür sei sie bereits im Gespräch mit der Pro-Specie-Rara-Stiftung, die sich für den Erhalt rarer Nutztiere einsetzt. Was für den Verein und für Bosshardt aber klar ist: «Der Wildtierpark wird so bleiben, wie er ist. Ohne Eintritt und ohne Kiosk, dafür mit viel Nähe zu den Tieren.»

Weitere Informationen unter www.wildpark-muehletaeli.ch.