Wo sich das ehemalige Bauernhaus noch letzte Woche in seiner urtümlichen, vollen Pracht zeigte, bietet sich einem heute ein Bild der kompletten Zerstörung: An der östlichen Wand durch eine Stützkonstruktion gesichert, steht das Haus völlig ausgemergelt an der Aarauerstrasse in Obergösgen. Lediglich ein Skelett aus russgeschwärzten Dachbalken ragt noch knapp hinter den mittlerweile aufgestellten Gerüsten hervor.

Das ehemalige Bauernhaus, welches am vergangenen Freitag ein Raub der Flammen wurde, ist seither nicht mehr bewohnbar. Sowohl die Wohnung der einzigen Bewohnerin des Gebäudes sowie auch das Blumen- und Dekoartikelgeschäft «schöner schenken» wurden durch Feuer und Wasser vollständig zerstört. Glücklicherweise wurde beim Feuer niemand verletzt – doch wie steht es um den Zustand des alten Bauernhauses und dessen Zukunft?

Nicht alles wurde zerstört

Das Gerüst und die Stützen wurden zum Schutz des Gebäudes aufgestellt. Sie sollen auch verhindern, dass Trümmerteile des ausgebrannten Hauses auf die Strasse fallen. «Das ist ein Standardvorgehen bei Vorfällen dieser Art», erklärt Heinrich Würgler von der Solothurnischen Gebäudeversicherung (SGV). Obwohl gewisse Teile des Hauses möglicherweise einstürzen könnten, bestehe seiner Meinung nach keine akute Einsturzgefahr. Auch sei das Fundament des Hauses kaum beschädigt, wie dies bei Bränden meistens der Fall sei. Ist es also möglich, das Gebäude zu erhalten?

«Ob und wie viel vom Gebäude abgerissen werden muss, wird sich noch zeigen», so Würgler. «Ein Teil wird sicher entfernt werden müssen, aber gewisse Bereiche könnten auch erhalten werden», fügt er an. Die Bestandteile, die nicht oder nur wenig beschädigt wurden, seien mit Blachen geschützt. Somit könne man das Haus wieder aufbauen – wenn man denn wolle. «Die Entscheidung liegt beim Eigentümer», so Würgler.

Sobald das volle Ausmass des Schadens bekannt sei, werde sich die Besitzerin entscheiden müssen, ob es sich lohnt, das Gebäude wieder zu errichten, oder ob sie es abreissen lassen möchte. Wie es mit dem ehemaligen Bauernhaus an der Aarauerstrasse weitergeht, ist also noch offen. Die Eigentümerin des Gebäudes hat auf eine Anfrage dieser Zeitung nicht reagiert.

Geschäftsinhaberin bleibt positiv

Wer bestimmt nicht allzu schnell aufgeben wird, ist Susanne Roppel, Inhaberin des Geschäfts «schöner schenken», welches sich im Erdgeschoss des Hauses befand. Vor drei Jahren hat sie den Laden gemeinsam mit ihrer Schwester eröffnet. «Wir haben unser Herzblut reingesteckt», erzählt sie gegenüber TeleM1. Nach dem Feuer bleibt sie positiv: «Wir sind es unserer Kundschaft schuldig, dass wir wieder etwas aufbauen.»

Bauernhaus-Brand zerstört Lebenswerk

Tele M1-Beitrag vom 15. Juli: Bauernhaus-Brand zerstört Lebenswerk

Auf ihrer Homepage bedankt sie sich bei ihrer Kundschaft für die Solidarität und das Mitgefühl. Und fügt an: «Wenn es mir gelingt, ich die Kraft dazu habe und es möglich ist, werde ich einen neuen Standort für mein Geschäft suchen.» Obergösgen darf also darauf hoffen, auch künftig schöner schenken zu können.