Lostorf

Nach aufgelöster Stiftung: Die Bürgergemeinde sichert das Dorfmuseum

Blick in die Küche des ehemaligen Taunerhauses

Blick in die Küche des ehemaligen Taunerhauses

Die Stiftung Dorfmuseum Lostorf wurde letzten Monat aufgelöst. Nun obliegen der Bürgergemeinde deren Aufgaben und Pflichten.

Es gibt sie im ganzen Kanton, die kleinen Ortsmuseen. Oft von Kommissionen, Vereinen oder sonstigen Ehrenamtlichen geführt, hüten sie Werkzeuge, Kleidungsstücke, Alltagsgegenstände aus den jeweiligen Dörfern, dokumentieren ihren Wandel, bilden das Lokal-Gedächtnis. Das Dorfmuseum von Lostorf wurde 2011 im ehemaligen Taunerhaus eröffnet. Bereits am 13. März 2002 wurde die Stiftung Dorfmuseum Lostorf ins Leben gerufen. Ihre Aufgabe lag im Unterhalt der Liegenschaft an der Hauptstrasse 49 und in der Aufbewahrung und Vermittlung von «Kulturgut und Gegenständen des alltäglichen Gebrauches aus früheren Zeiten in Lostorf», wie ihr Stiftungszweck die Tätigkeiten beschrieb. Der laufende Museumsbetrieb mit den Ausstellungen und Veranstaltungen obliegt dem Verein Dorfmuseum Lostorf. Wie aus einer Mitteilung der Einwohnergemeinde hervorgeht, hat sich die Stiftung nun aufgelöst. An ihre Stelle ist die Bürgergemeinde getreten.

Im Schweizerischen Handelsamtsblatt wurde die Löschung am 24. Januar 2020 publiziert. Die hohen Kosten der Stiftungsführung haben den Ausschlag zu diesem Schritt gegeben: Für Gebühren der Stiftungsaufsicht, Entschädigungen der externen Revision und anderer Formalitäten musste ein vierstelliger Betrag aufgewendet werden, dies bei einem «bescheidenen Budget». Ausgaben, die ohne sichtbaren Nutzen verloren gingen: «Die Stiftung Dorfmuseum hat deshalb nach einer andern Lösung gesucht, damit dieses Geld für den Museumsbetrieb in Lostorf verwendet und nicht für administrative Zwecke ausgegeben wird», heisst es in der Mitteilung weiter.

Geld bekam die Stiftung von der Einwohnergemeinde, mit der sie am 18. April 2018 eine Leistungsvereinbarung abgeschlossen hatte. Darin verpflichtete sie sich gegenüber der Einwohnergemeinde, die Sammlung zu pflegen und «lebendig [zu] präsentieren». Auch die «Förderung des Kulturschaffens» gehörte dazu. Die Gemeinde überwies der Stiftung jährlich einen «vierstelligen Betrag», so Gemeindeverwalter Markus von Däniken. Die Leistungsvereinbarung bleibt bestehen, nun mit der Bürgergemeinde als Vertragspartnerin. «Für die Einwohnergemeinde ändert sich nichts», hält von Däniken fest.

Für die Bürgergemeinde beginnt nun die Phase der Eingliederung. «Der behördliche Akt ist erledigt», erklärt Armando Pagani, Präsident der Bürgergemeinde. «Als nächstes werden wir mit dem Verein Dorfmuseum zusammenkommen und die künftigen Aufgaben besprechen.» Verändern möchte die Bürgergemeinde Lostorf nichts: «Der Museumsverein macht sehr gute Arbeit. Es ist eine Freude, den Leuten zuzuschauen, wie sie sich mit Herzblut engagieren. Wir wollen den Museumsverein in seinem Wirken zukünftig unterstützen», sagt Pagani. Dass die Bürgergemeinde nun als Eigentümerin des Taunerhauses und des Museums auftritt, ist für Pagani stimmig: «Wir finden, das Dorfmuseum ist eine Attraktivität, die zu uns passt. Wir Bürgerinnen und Bürger sind interessiert, dass das Leben unserer Vorfahren den zukünftigen Generationen überliefert wird.» Was die frisch geschulterte Aufgabe für die Bürgergemeinde an zeitlichem Aufwand mit sich bringt, ist noch offen: «Wir möchten auf jeden Fall eine Ansprechperson seitens der Bürgergemeinde definieren, auch wenn wir sonst nicht nach dem Ressortprinzip arbeiten.»

Klar ist, dass die Eingliederung des Vermögens eine Veränderung der Finanzen mit sich bringt: Die Bürgergemeinde übernimmt von der Stiftung Dorfmuseum Aktiven in der Höhe von 314120 Franken und Passiven von 40807 Franken.

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