Däniken
Nach 20 Knochenbrüchen: Rolf Enz hängt Motorrad-Helm an den Nagel

Verschiedene Verletzungen veranlassen Rolf Enz, Ende Saison die Wettkampfszene zu verlassen. Der 48-jährige Motorradfahrer aus Däniken will sich vermehrt seinem Unternehmen widmen.

Tijana Nikolic
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Seit 1988 widmet sich Rolf Enz mit Leidenschaft dem Endurosport.

Seit 1988 widmet sich Rolf Enz mit Leidenschaft dem Endurosport.

zvg

Der ehemalige Schweizer Meister im Endurosport findet, nach intensiven vier Jahren nach seinem Comeback sei die Zeit für ihn gekommen, seine Sportkarriere zu beenden. «Für mich ist dieser Entscheid nicht ganz einfach und es war ein emotionaler Moment der Entscheidung», sagt Enz.

Seit längerem beschäftige er sich mit der Frage des Aufhörens und dem Übergang in eine neue Lebensphase. «Verschiedene Verletzungen haben mich dann schliesslich dazu bewogen einen Strich zu ziehen, auch wenn ich mich durchaus noch in der Lage fühle, auf gleichem Niveau weiterzufahren», findet der 48-Jährige.

Nach über 20 Knochenbrüchen möchte es Rolf Enz ruhiger angehen.

Nach über 20 Knochenbrüchen möchte es Rolf Enz ruhiger angehen.

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Der schönste Moment

Mit seinen grössten Sponsoren habe er bereits ein Gespräch geführt und teils rührende Feedbacks erhalten. Verschiedene seiner langjährigen Gönner werden ihn auch «danach» unterstützen. «Es ist ja nicht so, dass ich komplett aufhöre mit dem Motorradfahren. Ich werde nach wie vor an einzelnen Events am Start stehen, mich aber nicht mehr auf die gesamte Schweizer Meisterschaft vorbereiten», meint der dreifache Vater entschieden.

Er glaube, dass dies den meisten Sportlern vergönnt sei, die sich während ihrer aktiven Karriere professionell um ihre Sponsoren gekümmert haben.

Wenn er zurückblickt, sind da viele Eindrücke vorhanden, die sich in all den Jahren angesammelt haben. «Ganz klar war der schönste Moment am Enduro du Jura 2013, als ich mit meinem Bruder Urs auf die Resultatliste geschaut habe und bereits ein Rennen vor Schluss den Titel einfahren konnte», erinnert sich Enz zurück. Er wusste danach, dass er das Tagesrennen nicht gewinnen musste, um den Titel zu holen, und konnte sich der Situation total stellen. Natürlich sind auch einige schlechte Erinnerungen vorhanden.

Der grösste Rückschlag

«Am schlimmsten war wohl mein doppelter Halswirbelbruch mit Lähmung beider Arme 1998, die zum Glück nach vier Monaten wegging», ist sich Enz sicher. Danach folgte ein 14-jähriger Rennunterbruch, bevor er zu seiner alten Leidenschaft zurückfand und seither wiederum sehr erfolgreich Rennen bestreitet. «Aber auch mein Sturz inmitten der argentinischen Wüste anlässlich dem «6Days»-Rennen im letzten November war nicht ohne. Da lag ich mit gebrochener Schulter, Rippen und Ellenbogen am Boden und wusste nicht, wie ich da wieder rauskommen sollte», erinnert er sich weiter.

In diesem Zustand ist er dann noch sieben Kilometer durch die felsige Wüste gefahren. Solche Schmerzen wünsche er niemandem. «Aber ich habe es überlebt. Über 20 weitere Knochenbrüche kamen in seiner ganzen Laufbahn noch dazu», lacht er. Seine Familie habe trotz der grossen Risiken nie versucht, ihn am Sport zu hindern. «Es war immer allen bewusst, dass mal was passieren kann», erklärt Enz. Er habe sich aber immer entsprechend professionell vorbereitet und stets versucht, das Risiko zu minimieren.

Im Niederamt verwurzelt

Die endurolose Zukunft soll jedoch alles andere als langweilig und ruhig verlaufen. «Zuerst einmal stehen noch die beiden letzten SM-Läufe in Sâone (F) und Chaumont (F) an, wo ich noch ein Wörtchen mitreden will», so Enz. Er sei in dieser Saison nach der «6Days»-Verletzung und einem erneuten Rippenbruch im März erst sehr spät in Form gekommen. «Danach werde ich mich vermehrt um meine Firma kümmern, die über die Jahre auch eng mit dem Motorsport verwachsen ist», verrät Enz weiter. Er ist Inhaber der Jobmanagement GmbH, welche unter anderem viele Rennfahrer rekrutiert und ihnen neue berufliche Perspektiven bietet. Der Beruf habe ihn auch vor beinahe 20 Jahren nach Däniken «gebracht». Ursprünglich kommt Enz aus Vauffelin, einem kleinen Bauerndorf in der Nähe von Biel.

«Ich habe mittlerweile mein Einfamilienhaus in Däniken gebaut, da mein Geschäft, die Jobmanagement GmbH, ebenfalls in Däniken domiziliert ist», erläutert Enz. Er sei mit dem Niederamt quasi «verwurzelt» und kenne jeden Stein aus der Umgebung aus seinen Trainingseinheiten.

Das eine und andere SM-Rennen als Tageslizenzierter oder vielleicht sogar ein Grossanlass, auch international, sei in Zukunft ebenfalls in Planung. «Ich kann mir schwer vorstellen, einfach in den Tag hinein zu leben. Ich brauche eine Herausforderung, sei sie sportlicher oder beruflicher Natur. Dies ist wichtig für meinen mentalen Ausgleich», sagt Enz abschliessend.

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