165 Meter lang ist der Abschnitt der Niedergösger Jurastrasse zwischen der Kreuzung Börsenplatz an der Hauptstrasse und der Erlinsbacherstrasse. Seit Mitte Februar ist dieses Strassenstück wegen Bauarbeiten für den Durchgangsverkehr geschlossen.

Betroffen sind die Anwohner im ausgedehnten Einfamilienhausquartier am Hang beim Niedergösger Schulhaus, aber auch der Durchgangsverkehr zwischen Schönenwerd und Erlinsbach und der BOGG-Bus. Nur für Fussgänger blieb die Jurastrasse durchgehend begehbar.

Der Zugang vom Börsenplatz aus (Situation am 10. November)

Der Zugang vom Börsenplatz aus (Situation am 10. November)

Der Umweg ist vielleicht 200 Meter länger als die gesperrte Strecke – für Motorisierte kein echtes Problem. Aber wenn die Umleitung sich über mehr als drei viertel Jahre erstreckt, kann das nerven. Besonders wenn der Eindruck entsteht, eigentlich passiere auf der Baustelle wenig, und die Sperrung des direkten Wegs wäre gar nicht nötig. Zur Jurastrasse in Niedergösgen jedenfalls machten sich kritische Stimmen bemerkbar, die eine mindestens zeitweise Öffnung der Strasse verlangten. 

«Das wäre falsch gewesen», entgegnet Andreas Meier. Er hat in mehreren Funktionen mit der Baustelle zu tun: Als Vizepräsident der Werkkommission, zuständig für das Ressort Strassen; als Bauunternehmer, der mit seiner Firma einen Teil der Strassenbauarbeiten ausführte; und seit Mitte März als Mitglied des Gemeinderats und Gemeindevizepräsident.

Auslöser der Strassensanierung war laut Meier der Bau eines neues Mehrfamilienhauses an der Jurastrasse. «Die Bauunternehmung fragte Mitte 2015 an, ob sie das Trottoir und einen Teil der Strasse als Installationsplatz benutzen könne», erklärt Meier. Die Werkkommission habe dies befürwortet: «Es gab gar keine andere Lösung, der Bauplatz ist extrem eng.» Auch der Gemeinderat habe dies im Januar, noch vor dem Auszug der SP- und SVP-Ratsmitglieder, ohne Gegenstimmen zur Kenntnis genommen.

Aufgrund des Mehrfamilienhausbaus entschied die Werkkommission, dass im gleichen Zug auch die Werkleitungen in diesem Abschnitt der Jurastrasse – Wasser-, Strom- und Telekommunikationsleitungen – erneuert werden sollten. Im Januar wurde an einer Sitzung mit dem kantonalen Amt für Verkehr und Tiefbau, der Polizei und dem Busbetrieb BOGG entschieden, dass die Jurastrasse bis Mitte Dezember gesperrt und der Verkehr umgeleitet werden sollte.

Da sich Meiers Büro genau an der Verzweigung Hauptstrasse/Erlinsbacherstrasse befindet, stellte er schon nach zwei Tagen Umleitung fest, dass dieser Knotenpunkt in den Stosszeiten überlastet war. Die Werkkommission veranlasste daraufhin den Einsatz eines Verkehrsdienstes, der seither den Verkehr auf dieser Kreuzung mit Handzeichen regelt: Von Montag bis Freitag von 16.45 bis 17.45 Uhr, ausser in den Sommerferien.

Gewöhnung ans Verkehrsregime

Wäre nicht wenigstens ein Einbahnverkehr auf der Jurastrasse möglich gewesen? «Dagegen sprach die Sicherheit der Arbeiter», sagt Meier. «Unter Verkehr wäre die Baustelle nicht zu verantworten gewesen.» Meier räumt ein, dass es in den Monaten von Februar bis heute einzelne Bauphasen gab, in denen die Öffnung im Einbahnverkehr grundsätzlich möglich gewesen wäre. «Es war aber ein klarer Entscheid der Werkkommission, dass die Jurastrasse dauernd geschlossen bleibt», erklärt der Strassenverantwortliche zu dieser Frage. «Eine Verkehrsregelung braucht immer eine gewisse Gewöhnung der Verkehrsteilnehmer, dann wird sie akzeptiert.» Und Meier fügt bei: «Der Umweg war zumutbar.»

Den Stimmen, die meinen, dass die Bauarbeiten zu wenig konzentriert vorangetrieben worden seien und die Sperrung in die Länge gezogen hätten, gibt Meier zu bedenken, dass nebst dem Hausbau eine ganze Reihe von Arbeiten ausgeführt wurden:

  • Ersatz der über 100-jährigen und für die heutigen Verhältnisse zu klein dimensionierten Wasserleitung durch eine neue 125-mm-Leitung;
  • Ersatz der Swisscom-Leitungen
  • Ersatz der Stromleitungen der a.en
  • Erneuerung der Hausanschlüsse
  • Bau eines neuen Regenauslasses bei der Kreuzung Jurastrasse/Erlinsbacherstrasse;
  • Neues Einlaufbauwerk für den Dorfbach (in der Vergangenheit gab es Überschwemmungen)
  • Sanierung der Strasse, wobei im Bereich Börsenplatz die Zufahrt zur Schachenstrasse und zum Tankstellenshop immer gewährleistet bleiben musste.

Alles in allem seien damit an der Jurastrasse Arbeiten im Betrag von rund 600 000 Franken ausgeführt worden. Die Strassen- und Werkleitungsarbeiten allein hätten auch um zwei Monate früher beendet werden können, erklärt Meier. Aber die Baustelle des Mehrfamilienhauses habe die Strasse über die gesamte Zeit beansprucht; der Baukran wurde erst in den letzten Tagen abgebaut.

Nun ist Besserung nahe: In gut zwei Wochen gehört die Baustelle Jurastrasse der Vergangenheit an.