Mit dem bekannten Schweizer Marsch «Feurig Blut» eröffnete die Musikgesellschaft Starrkirch-Wil ihre Abendunterhaltung, die unter dem Motto «Legenden» stand. Präsident Reto Neuenschwander begrüsste das zahlreiche Publikum und freute sich besonders über die Anwesenheit des Präsidenten des befreundeten Musikvereins aus Oberzell (D).

Das Motto «Legenden» hatte man gewählt, weil im vergangenen Jahr kurz vor Weihnachten zwei legendäre Musiker gestorben sind, die beide in der Schweiz gelebt hatten. Der Strengelbacher Trompeter Beny Rehmann, der 78-jährig wurde, hatte grosse Erfolge mit seiner Musik im Oberkrainerstil.

Von ihm erklang eine seiner bekanntesten Kompositionen, die rassige «Schiffsfeger-Polka». Die Ostschweizer Gruppe «Minstrels» landete nur einen einzigen Hit, der aber heute noch allen bekannt ist: «Grüezi wohl, Frau Stirnimaa!» der auch in der Bearbeitung für Blasmusik gut klingt.

Holzlöffel als wertvolle Zutaten

Volkstümlich ging’s weiter mit dem «Örgelihuus». Die Klarinetten kamen dabei vor allem im ersten Teil bestens zur Geltung, während Marco Friedli mit seinem Schwyzerörgeli und die Begleitung mit den Holzlöffeln wertvolle Zutaten waren.

Nach dem abenteuerlichen «Kriminaltango», der an den legendären Jazztrompeter und Bandleader Hazy Osterwald erinnerte, gedachte man des grossen österreichischen Sängers und Entertainers Udo Jürgens, der zwei Tage nach Beny Rehmann starb.

Sein Tod löste grosse Betroffenheit aus, hatte der 80-Jährige doch noch eine letzte Tournee geplant und war bis dahin kerngesund. Seine Kompositionen wurden vom Starrkircher Blasorchester sehr schön artikuliert und wohlklingend vorgetragen in einem Arrangement von Kurt Gäble.

Überraschung von Musikschülern

Der heute 84-jährige amerikanische Jazzsänger Bill Ramsey kam durch die Laune der Weltpolitik seinerzeit als Soldat nach Deutschland, wo er der Öffentlichkeit vor allem mit ulkigen Schlagern bekannt wurde.

Sein Flair für die Unterhaltungsmusik bewies Dirigent Christian Sommer in der «Zuckerpuppe» und «Souvenirs» mit seinem Solo auf dem Tenorsaxofon, worauf das Orchester mit dem furiosen «Pigalle» die Pause einläutete. Als Überraschungsgäste zeigten darauf zwei Musikschüler von Samuel Jäggi ihr recht fortgeschrittenes Können auf dem Schlagzeug.

Zurück in die 30er Jahren versetzt

Legendäre Musik berührt die Herzen auch viele Jahre nach ihrer Zeit. Dies bewiesen «The Washington Post» von Marschkönig John Philipp Sousa ebenso wie der «Jailhouse Rock» und «Blue Suede Shoes» mit denen der «King» Elvis Presley seinerzeit Furore machte.

Ein swingendes Intermezzo gab Christian Sommer mit einem schön improvisierten Saxofonsolo in «Fly Me To The Moon», mit dem schon Frank Sinatra Erfolg hatte. Im «Abba Revival» konnte man von den 70er Jahren träumen, während «Goody Goody» sogar in die 30-er zurückblendete.

Überraschender Auftritt

Präsident Reto Neuenschwander konnte gleich fünf Mitglieder für ihre langjährige Treue zur Blasmusik ehren. Anton Brügger hat 35 Jahre musiziert und wird deshalb eidgenössischer Veteran.

Robert Buck und Roland Hofmann werden nach 50-jähriger Aktivität zu eidgenössischen Ehrenveteranen ernannt. Bereits 56 Jahre Vereinsmitglied ist Ehrenpräsident Erich Baumann, während Vizefähnrich Peter Haller bereits 81-jährig ist.

Quasi als Special Guest kam für die beiden letzten Programmstücke die Sängerin Edith Schön überraschend auf die Bühne. In der beliebten «Pocapelsca Polka» und in «Heut spielt die Blasmusik» war sie mit ihrer dunklen Altstimme eine echte Bereicherung und brachte das Publikum zum Mitklatschen.

Sie machte dann sogleich auch bei der ersten Zugabe mit, einer gut klingenden Blasorchesterfassung des früher auf allen Tanzböden gespielten Schlagers «Rosamunde». Abgerundet wurde der Unterhaltungsabend der Musikgesellschaft Starrkirch-Wil mit dem legendären «Solothurner Marsch» von Stephan Jäggi.