Trimbach

Musikalische Reise am Sonntagmorgen: Fabian Capaldi und seine Band erobern Herzen des Publikums

Der Saxofonist Fabian Capaldi hatte sichtlich Spass, vor Publikum spielen zu dürfen.

Der Saxofonist Fabian Capaldi hatte sichtlich Spass, vor Publikum spielen zu dürfen.

Der Saxofonist Fabian Capaldi begeisterte mit Jazzstandards, Pop- und Rockmusik an der Matinee des Kulturvereins Forum Trimbach.

«Megatoll, dass wir wieder einmal vor Menschen Musik machen können», meinte Bandleader Fabian Capaldi in seiner ersten Ansage. Capaldi und seine Band eroberten sogleich die Herzen des Publikums. Schon beim dritten Stück, «Stand By Me», hätten wohl alle trotz Maskenpflicht und Abstandsregeln gerne mitgetanzt, doch begnügte man sich halt damit, im Takt mit den Fingern zu schnippen.

Die fünf Musiker fühlten sich in den verschiedensten Musikstilen wohl: vom Mainstream-Jazz bis zu Funk, Rock und Soul. Sogar bei Mundartsongs, wie die erste Zugabe nach gut 70 Minuten Nonstopp-Konzert und den ersten Standing Ovations bewies: ein Medley mit populären Hits von Polo Hofer und Hanery Amman. Grund genug jedenfalls, dass die Matineebesucher zwar etwas zaghaft, aber doch animiert den Ohrwurm «Alperose» mitsangen.

Ein Heimspiel für den Musiker

Der 36-jährige Musiklehrer und international tätige Saxofonist Fabian Capaldi ist teilweise in Trimbach aufgewachsen und freute sich deshalb besonders, im Mühlemattsaal auftreten zu dürfen. In seinen Arrangements liess er seinen Mitmusikern viel Zeit und Raum für eigene Soli und Improvisationen – in den swingenden Jazzklassikern genauso wie in einer mitreissenden Instrumentalversion des letztjährigen Latino-Sommerhits «Despacito» oder der Schmuseballade «Isn’t She Lovely». Gelegentlich wurde ein wenig experimentiert, so etwa bei «Rock Meets Jazz», wo Capaldi bekannte Jazzstandards spielte und der brillante Gitarrist Andy Müller immer wieder mit raffinierten und harten Gitarrenriffs aus Rockklassikern abrupt dazwischenfunkte.

Dass beide zwischendurch nicht recht wussten, wie es weitergeht, hatte zwei Gründe: Sie spielten die Komposition erst zum zweiten Mal öffentlich und die Band hatte nur am Vortag in dieser Formation kurz proben können. Der Zürcher Jazzdrummer Dimitri Monstein hatte nämlich wegen eines Krankheitsfalls kurzfristig einspringen müssen.

Ein langes Solo voller Synkopen und rasanten Schlagzeugrhythmen bewies gegen den Schluss des Sonntagmorgenkonzerts sein überwältigendes Können. Von ihrer besten Seite zeigten sich aber auch die Elektrobassistin Lisa Scannell und der virtuose Pianist Adrian Schäublin.

Viel Publikum an der Saisoneröffnung

Mit der Matinee eröffnet der Kulturverein Forum seine 60. Saison. Und das Wagnis scheint geglückt. Sie wären im Voraus schon ein wenig unsicher gewesen, ob sich die Matinee durchführen liesse, meinte die Präsidentin Margrit Huber. «Wir befürchteten, wegen des ‹cheiben Coronavirus› würden sich viele Leute trotz umfassendem Sicherheitskonzept nicht ans Konzert trauen.»

Dem war nicht so, es wurden sogar zusätzliche Stühle in den Saal getragen. Jedenfalls passte die letzte Zugabe nach den zweiten Standing Ovations am Schluss des Konzerts perfekt zu den Gefühlen der meisten Besucherinnen und Besucher. Sie waren alle froh, dass sie endlich wieder einen Happen Kultur bekommen haben. Fabian Capaldi und seine Band spielten «What A Wonderful World» von Louis Armstrong, wohl einer der schönsten Songs der neueren Musikgeschichte.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1