Guy Krneta kam mit einer Mission nach Erlinsbach. Er musste die Parole «No Billag» gar nie in den Mund nehmen, dennoch forderte er das Publikum im Alten Schuelhüsli ganz unmissverständlich dazu auf, im März gegen die Initiative zu stimmen.

Der Berner Mundartdichter, bekannt etwa aus der SRF-Sendung «Morgengeschichten», tat das mit ebenso unterhaltsamen wie kritischen Texten zum Medienkonsum. «I wott nur das luege, wo öpper anderem öppis wärt isch, für mi z zahle» oder: «Hüt lisi keni Ziitige meh, hüt lisi Facebook und Twitter», liess er seine Zuhörer wissen.

Zugespitzt, aber wahr

Der politische Teil, der sich durch das gesamte Programm mit dem Titel «Filetschtück» zog, wechselte sich mit weniger heissen Themen ab. So kamen auch die skurrilen Beobachtungen und Geschichten aus dem Alltag nicht zu kurz. Da geht einer zur Klassenzusammenkunft, aber keiner kennt ihn – weil er das falsche Datum erwischt hat.

Da ist die genervte Mutter, die ihr Kind am Tisch pausenlos zurechtweist – und sich dadurch selbst ganz verrückt macht. Um den obligatorischen Schwimmunterricht trotz fehlenden Hallenbads in der Nähe durchzuführen, sind manche Eltern sogar bereit, eine neue Religion anzunehmen. Und der Schriftsteller, der dauernd zu seinem neuen Roman befragt wird, glaubt, die Gunst seiner Bewunderer zu verlieren, wenn er diesen nicht bald endlich vorlegen kann.

Seinen Geschichten lägen häufig wahre Begebenheiten zugrunde, sagte Krneta. Durchaus zugespitzt allerdings. Die rund fünfzig Zuhörer konnte er damit sichtlich begeistern, und auch manche Lacher erhielt er dafür.

Er setzt auf den Sound

Was wohl nicht zuletzt an seiner Berner Mundart lag, in welcher er seine Texte ausdrucksstark vorzutragen pflegt. Wie er selbst erklärte, schaffe der Dialekt eine Nähe und Nachvollziehbarkeit, sodass sich das Publikum in seinen Erzählungen selbst wiederfindet. Das Hochdeutsche kriege das in der Schweiz nicht hin. Wichtig sei ihm als Spoken-Word-Dichter insbesondere auch der Sound der Sprache.

Die unvermeidliche Frage nahm er schliesslich gleich vorweg: Der Name Krneta, den habe ihm der Grossvater vererbt. Dieser sei anfangs des letzten Jahrhunderts aus Zagreb in die Schweiz eingewandert.