Trimbach
Motorradkurier: «Mit meinem Töff bin ich schneller als die Post»

Der Trimbacher Tommy Steiner betreibt seit Ende November einen Motorradkurier und bedient damit die Region, die ganze Schweiz und auch mal das grenznahe Ausland.

Rahel Bühler
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Bruno Kissling

Es regnet in Strömen beim Interviewtermin, Schneeflocken mischen sich unter die Regentropfen und der Wind bläst. Dem Trimbacher Tommy Steiner macht das nicht viel aus: Er trotzt selbst den widrigsten Wettergebahren. «Ich bin kein Schönwetterfahrer», sagt er.
Seit Ende November betreibt er einen Motorradkurier. Auf die Idee gebracht hat ihn ein befreundeter Taxifahrer. «Ich bin auch privat nur mit dem Töff unterwegs und fahre daher ungefähr 20 000 Kilometer pro Jahr.» In der Schweiz gäbe es beispielsweise in Basel oder Zürich bereits solche Angebote. Da habe er sich gedacht, wieso nicht auch in der Region Olten?

Schnell sein ist nicht Rasen

Der Töff-Kurierdienst funktioniert ähnlich wie ein Autokurier: Statt mit dem vierrädrigen Vehikel fährt Steiner mit seinem Grossroller vom Auftraggeber zum Empfänger. Transportieren kann er vor allem kleinere Dinge wie Medikamente, Dokumente oder Ersatzteile. Oft ist er mit einem Rucksack unterwegs. Stauraum befinde sich aber auch unter der Sitzfläche des Rollers. Pakete von maximal 20 Kilogramm kann er so transportieren. Er fährt etwa für Apotheken, die einem Kunden dringend Tabletten überreichen müssen, allerdings nicht über die Kapazität verfügen, die Fahrt selbst zu übernehmen.

Die weiteste Strecke, die er bislang gefahren ist, beträgt 150 Kilometer: von Dulliken bis in die Romandie. Sammelbestellungen werden hingegen nicht ausgeführt. Damit verliere er zu viel Zeit. Einmal, so erzählt Steiner, habe er gar einen Schlüssel überbracht. «Der Ehemann in Bern brauchte ihn unbedingt auf der Arbeit. Also ging ich ihn bei der Ehefrau, die in unserer Region wohnt, holen.»

Wenn er verfügbar sei, führe er jeden Auftrag sofort aus, erklärt der 50-Jährige. «Ich bin schnell, unkompliziert und zuverlässig.» Von Olten sei er zum Beispiel innerhalb von 50 Minuten in Lörrach (D). Der Expresskurier der Post brauche unter Umständen nur schon die gleiche Zeit, um überhaupt erst in Olten zu sein, sagt Steiner. Der Töfffahrer liefert sofort ein weiteres Beispiel nach: Eine Lieferung von Olten nach Murten im Kanton Freiburg sei in vier Stunden erledigt, wenn die Post den Auftrag übernimmt. Steiner könne in einer Stunde vor Ort sein. «Mit meinem Töff bin ich schneller als die Post.»

Die Geschwindigkeit sei denn auch in seinem Metier ausschlaggebend. «Bei vielen Kunden steht der Preis an zweiter Stelle», weiss der Trimbacher. Schnell sein bedeute aber nicht Rasen: «Auch wenn die Sendung eilt, ich halte mich an die vorgegebenen Geschwindigkeitslimiten.» Sein Grossroller verfügt über einen Hubraum von 125 Kubikzentimetern und fährt maximal 120 bis 125 Kilometer pro Stunde. Schnelleres Fahren wäre also gar nicht möglich. Wenn er am Grenzübergang in Rheinfelden anstehen müsse, würde er jedoch die wartenden Autos auch schon mal umfahren, räumt Steiner schmunzelnd ein.

Bindeglied zwischen Auto und Velo

Tommy Steiner fährt einen Grossroller und kein Motorrad im eigentlichen Sinne: «Der Roller verfügt über einen grösseren Stauraum, der wasserdicht ist, und ist günstiger im Unterhalt.» Durch die Plexiglasscheibe sei er ausserdem gerade im Winter vor Regen und Schnee besser geschützt. Aber trotz dem Schutz: Der Kurierfahrer trägt gepolsterte Regenhosen, dicke Handschuhe, eine Jacke mit leuchtenden Einsätzen und einen Schal. Es gäbe kein Wetter, bei dem er nicht fahre. Bei Schnee sei Vorsicht angebracht. «Je nach Strecke und Strassenzustand übernehme ich eine Fahrt aber nicht», erläutert er.

Über seine Preise spricht der Unternehmer offen: Für Fahrten innerhalb eines Umkreises von 14 Kilometern ab dem Oltner Bahnhof verlangt er eine Pauschale von 28 Franken. Für alles, was weiter entfernt ist, verrechnet er zwei Franken pro gefahrenen Kilometer. Die Routen werden mithilfe von Google Maps berechnet. Wie viele Fahrten er seit November schon übernommen hat, kann er nicht sagen.

Tommy Steiner sieht seinen Motorradkurier als Bindeglied. Als Verbindung zwischen Velo- und Autokurier. Der Fahrradfahrer sei vor allem innerhalb von Städten einsetzbar, der Autofahrer eher für lange Überlandstrecken. Aus diesem Grund strebt er Kooperationen an: «Töffkuriere holen auch Sendungen bei einem Kunden ab und bringen sie im Anschluss zu einem Autokurier, damit dieser die weite Strecke fahren kann», weiss der 50-Jährige. Die Zusammenarbeit mit Velokurieren funktioniere genau so, einfach auf geringeren Distanzen. Derzeit stehe er in Verhandlungen mit einem Autokurier. Steiner versucht sich im Kuriermarkt zu behaupten: «Die Branche boomt und ist hart umkämpft.» Steiner ist aber überzeugt, dass sein Angebot funktioniert und es benötigt wird: «Einen Motorradkurier gab es in der Region Olten bisher noch nicht.» Er beschreibt sich als «Exot mit einem Nischenprodukt».
Auf das Thema Umweltschutz angesprochen lächelt er: «Mein Grossroller verbraucht 2,8 Liter bleifreies Benzin pro 100 Kilometer. Ausserdem hat er einen Katalysator eingebaut. Die Umweltbelastung ist deshalb nicht gross.»

Reich wird Steiner mit diesem Erwerb nicht. «Wahrscheinlich reicht es zum Leben», sagt er. Der Kurierdienst bildet allerdings nicht sein einziges Standbein. Er ist hauptberuflich als Fotograf tätig. So reiche das Geld gut. «Wenn ich aber Kinder hätte, bräuchte ich ein konstantes Einkommen», ist sich der Trimbacher bewusst.