Gretzenbach

Mögliche Vermietung des Täli als Reserve-Asylunterkunft wirft keine Wellen

Vor der Eröffnung des Zentrums in der Zivilschutzanlage Täli im April 2016 waren gegen 350 Einwohner in die Turnhalle geströmt. An der Informationsveranstaltung vom Montag versammelten sich nun nur noch 40 Personen.

Innert elf Monaten hat sich in Gretzenbach die Aufregung um das Durchgangszentrum für Asylsuchende gelegt. Dieser Schluss drängt sich nach der Informationsveranstaltung vom Montag auf: Waren Ende April 2016 – vor der Eröffnung des Zentrums in der Zivilschutzanlage Täli – gegen 350 Einwohner in die Turnhalle 1957 geströmt, versammelten sich nun, nach bald sechs Monaten Betrieb, nur noch 40 Personen. Und statt Wut und Kritik gabs diesmal Dank und Komplimente.

In einem Monat läuft der Mietvertrag bereits wieder aus, Ende April wird das Durchgangszentrum in Gretzenbach wie geplant geschlossen. Wegen der stark gesunkenen Anzahl Zuweisungen braucht es der Kanton im Moment nicht mehr.

Er möchte es aber als «Reserveanlage» mieten, für den Fall, dass die Asylzahlen plötzlich wieder ansteigen sollten. Vor dem Abschluss des neuen Vertrags wollte der Gemeinderat die Stimmen aus der Bevölkerung hören. Doch das Interesse war bescheiden, die Emotionen sind verflogen.

«Unsicherheit und Nervosität waren damals spürbar – auch bei mir selber», erinnerte sich Gemeindepräsident Daniel Cartier an den Frühling 2016: «Man wusste nicht, was auf Gretzenbach zukam.» Der Gemeinderat hatte Anfang 2016 auf Anfrage des Kantons entschieden, 100 Plätze in der Zivilschutzanlage Täli für ein Jahr als kantonales Durchgangszentrum zu vermieten.

Darauf mobilisierte im Dorf eine aktive Gegnerschaft. «Die Stimmung im Saal zu Ende der Veranstaltung liess nicht darauf schliessen, dass eine Mehrheit der Anwesenden nun hinter dem Entscheid ihres Gemeinderates steht», berichtete diese Zeitung im letzten Frühling.

«Nichts gesehen, nichts gehört»

Doch es wurde alles weniger heiss gegessen als gekocht. Zuerst dauerte es bis Anfang Oktober, bis die ersten Asylbewerber ins «Täli» einzogen. Und als es so weit war, kamen statt der erwarteten 100 nie mehr als 35, mit einer durchschnittlichen Belegung von 15 bis 20 Personen, wie David Kummer vom Amt für soziale Sicherheit berichtete. Denn inzwischen war die Zahl der Zuweisungen massiv zurückgegangen.

Laut Kummer machte die Polizei regelmässige Kontrollen in der Unterkunft, am Jöriweg und in der Umgebung. In den sechs Monaten Betrieb waren nur zwei polizeiliche Interventionen nötig, wegen der Missachtung des Hausverbots durch die gleiche Person.

«Insgesamt war es ein ruhiger Betrieb ohne grössere Schwierigkeiten», bilanzierte David Kummer. Dies schrieb er auch der sehr guten Unterstützung durch die Gemeinde, die Begleitgruppe, die Nachbarschaft, die Polizei und den Meetingpoint Gretzenbach zu.

Die am Montag anwesenden Anwohner bestätigten diese Sicht. «Wir haben überhaupt nichts gehört, es gab keinen Anlass zum Reklamieren», meinte ein Teilnehmer, «Kompliment an die ORS und an Ruth Liechti.»

Damit waren die Betreiberfirma und die Anwohner-Vertreterin in der Begleitgruppe gemeint. Ein einziger Kritikpunkt kam von einem Anwohner der Hashubelstrasse, den die Scheinwerfer, die abends das «Täli» ausleuchten, stören. Ansonsten hatte auch er von den Asylbewerbern nichts gesehen oder gehört.

Mietvertrag für Reserve-Plätze

Da der Kanton die Zivilschutzanlage als Notunterkunft für geeignet erachtet, möchte er sie nun ab 1. Mai für ein weiteres Jahr als Reserveunterkunft für ausserordentliche Situationen wie im Herbst 2015 mieten. Die vertragliche Maximalbelegung würde von 100 auf 80 Personen reduziert. Auch ohne Belegung würde der Kanton der Gemeinde dafür einen Mietzins von 1500 Franken pro Monat zahlen. Bei Belegung wären es Fr. 5.60 pro Übernachtung.

Im Fall einer Belegung würde der Gemeinde Gretzenbach die Hälfte der Bewohner des Durchgangszentrums an ihr Asyl-Aufnahmekontingent angerechnet (also maximal 40). Für die blosse Reservehaltung, ohne Belegung, würden ihr immer noch 10 Prozent der reservierten Plätze, also 8, ans Kontingent angerechnet. Zum Vergleich: Aktuell beträgt das Aufnahmesoll der Gemeinde 15 Asylbewerber pro Jahr; in früheren Jahren lag dieses Soll auch schon bei 8 bis 10 pro Jahr.

Ob die Gemeinde den Reserve-Mietvertrag mit diesen Rahmenbedingungen abschliessen soll, wird der Gemeinderat demnächst entscheiden. Da an der Informationsveranstaltung keine Gegenargumente vorgebracht wurden, ist wohl damit zu rechnen.

«Eine vernünftige Lösung»

«Andere Gemeinden mussten Häuser kaufen oder bauen, um Unterkünfte für Asylbewerber zu haben», stellte Gemeindepräsident Daniel Cartier fest. «Bei uns gab es eine vernünftige Lösung.» Dass dies möglich wurde, sei der Bevölkerung, der Begleitgruppe und dem Meetingpoint zu verdanken: «Ihnen winden wir ein Kränzchen.»

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