Unteres Niederamt
Mittwochs steht Deutsch für Flüchtlingskinder auf dem Programm

In Däniken und Gretzenbach startet im Januar ein Deutsch-Zusatzunterricht für Kinder von Asylbewerbern aus dem unterem Niederamt. Unterrichtet werden die 20 Primarschüler jeweils am Mittwochnachmittag durch pensionierte Lehrkräfte.

Christian von Arx
Drucken
Teilen
Bevor sie dem Schulunterricht folgen können, müssen Flüchtlingskinder überhaupt etwas Deutsch verstehen (Symbolbild). Archiv

Bevor sie dem Schulunterricht folgen können, müssen Flüchtlingskinder überhaupt etwas Deutsch verstehen (Symbolbild). Archiv

Hanspeter Baertschi

Am freien Mittwochnachmittag von 14 bis 16 Uhr jeweils zwei Lektionen Deutsch-Stützunterricht durch pensionierte Lehrkräfte für schulpflichtige Flüchtlingskinder: Mit diesem Angebot wollen die Gemeinden Däniken, Gretzenbach, Niedergösgen und Schönenwerd darauf reagieren, dass die Einschulung von Kindern mit sehr geringen oder gar keinen Deutschkenntnissen den Schulunterricht vor kaum lösbare Probleme stellt.

Über dieses Vorhaben orientierte diese Woche die Schönenwerder Gemeinderätin Charlotte Shah, zuständig für das Sozialressort, ihre Gemeinderatskollegen. Einen Beschluss hatte der Rat nicht zu fällen. Federführend für die praktische Durchführung ist die Sozialregion Unteres Niederamt (SRUN). Der Däniker Schulleiter Ruedi Rickenbacher, der zu diesem Thema eine Arbeitsgruppe der Schulleitungen im Sekundarschulkreis Unteres Niederamt leitet, bestätigte gegenüber dieser Zeitung die Rahmenbedingungen.

Vorerst für zweimal 10 Kinder

Die Pilotphase beginnt nach Neujahr und soll ein halbes Jahr dauern, das heisst bis zum Ende des Schuljahrs vor den Sommerferien. Vom Deutschunterricht profitieren werden zunächst bis zu 20 Asylbewerber-Kinder im Primarschulalter aus den vier Gemeinden. Unterrichtet werden sie in zwei Gruppen von höchstens 10 Kindern in Däniken und Gretzenbach. Die Gruppen sollen nach Altersstufen gebildet werden, zum Beispiel Erst- bis Drittklässler und Viert- bis Sechstklässler. Pro Gruppe werden zwei Lehrpersonen eingesetzt.

Welche Kinder zum Deutschunterricht am Mittwochnachmittag aufgeboten werden, bestimmt die Sozialregion, die für die Betreuung der in den angeschlossenen Gemeinden untergebrachten Asylbewerber zuständig ist. Die Sozialregion übernimmt auch die Organisation und Kosten auch für den Transport der Kinder an die Schulorte.

Lehrkräfte machen gratis mit

Vier pensionierte Lehrkräfte haben zugesagt, dass sie sich unentgeltlich zur Verfügung stellen. Als Schulräume bieten Däniken und Gretzenbach ihre Zimmer für den Unterricht in Deutsch als Zweitsprache (DAZ) ebenfalls gratis an. DAZ-Lehrmittel können ohne Kosten mitbenützt werden.

Die Sozialregion sucht weitere freiwillige Lehrkräfte oder andere geeignete Betreuungspersonen. Schulleiter Ruedi Rickenbacher denkt etwa an Studierende oder Personen mit pädagogischem Hintergrund. Das Ziel ist die Bildung weiterer Deutschklassen: Für die schulpflichtigen Jugendlichen der Sekundarstufe, für die Schulkinder der weiteren SRUN-Gemeinden (Erlinsbach SO, Walterswil, Kienberg, Rohr) oder später auch für Jugendliche über 16 Jahre. Ein Ausbau für diese Gruppen kann erfolgen, wenn weitere Unterrichtende gefunden werden.

Hintergrund des Angebots sind Hilferufe aus den Schulen: Mit Kindern, die praktisch kein Deutsch können, sei es schwierig, den Schulunterricht sinnvoll zu gestalten, hatten unter anderem die Schulen in Däniken und Niedergösgen im Frühjahr ihren Gemeinderäten klargemacht (wir berichteten). Die Gemeinderäte zeigten zwar Verständnis und Bereitschaft, Lösungsvorschläge zu prüfen, machten aber auch mehr oder weniger klar, dass dies möglichst keine Mehrkosten auslösen dürfe.

Die Kosten sind der Hauptgrund, warum es die Gemeinden im unteren Niederamt nun mit einem eigenen, niederschwelligen Modell für den Deutschunterricht der Flüchtlingskinder versuchen. Die Alternative wäre eine Integrationsklasse, wie es sie derzeit in zwei Abteilungen in den Schulhäusern Bifang und Frohheim in Olten gibt. Diese Lösung ist nicht nur wesentlich teurer, sie müsste auch durch das kantonale Volksschulamt bewilligt werden und dessen Vorgaben erfüllen. Diesen aufwendigeren Weg scheuten die Niederämter Gemeinden.

«Es ist klar, dass unser Angebot nicht mit einer Integrationsklasse verglichen werden kann», räumt Schulleiter Ruedi Rickenbacher ein. Er stellt auch nicht in Abrede, dass die Schulleitungen eine Integrationsklasse befürwortet hätten, weil sie den Schulunterricht weit stärker entlastet. Allerdings findet er, dass eine Zurückhaltung der Schulleitungen bei kostenträchtigen Projekten angebracht sei, weil derzeit schon die Einführung der Schulsozialarbeit anstehe.

Aktuelle Nachrichten