Wie erwartet mischt sich der Erlinsbacher Gemeinderat in die Diskussion um das Vorhaben des Aarauer Energielieferanten Eniwas ein. Dieses sieht vor, das Türmchen des Kraftwerks Aarau und der Aare-Mitteldamm zu entfernen (wir berichteten mehrfach). Durch die Entfernung werden Fliessverluste vermindert und die Nettofallhöhe beim Ausbaudurchfluss gesteigert.
Der Mitteldamm liegt zum Hauptteil auf Gemeindegebiet Erlinsbach SO und stellt ein beliebtes Naherholungsgebiet für Jogger, Spaziergänger und Schwimmer dar.

Im Rahmen der Mitwirkungsphase hat der Gemeinderat nun Stellung zum Projekt genommen. Er hat sich schriftlich an das Solothurner Amt für Umwelt gewandt. Am geplanten Abriss des Kraftwerk-Türmchens hat die Gemeinde erwartungsgemäss nichts zu beanstanden, wichtiger ist ihr der Mitteldamm: In der Stellungnahme, die dieser Zeitung vorliegt, schreibt der Rat, dass er die «naturnahen Aufwertungsmassnahmen entlang der Kanalufer» positiv wahrnimmt. «Trotz alledem erleidet aber das Naherholungsgebiet an der Aare unserer Ansicht nach durch den Wegfall eine Attraktivitätseinbusse», heisst es weiter. Der Rat befürchtet primär ein Konfliktpotenzial zwischen den Nutzern des Mitteldamms.

Naturschutzgebiet «Grien» betroffen

Madeleine Neumann, die Gemeindepräsidentin von Erlinsbach führt aus: «Bisher gibt es entlang der Aare drei Wege, wenn der Mitteldamm entfernt wird, geht einer verloren.» Somit wären nur noch zwei Wege vorhanden, was das Konfliktpotenzial der verschiedenen Interessensgruppen, die diese Pfade nutzen, steigern würde. Zudem, so der Rat in seinem zweiseitigen Schreiben, bestehe die Gefahr, dass zukünftig mehr Personen das Naturschutzgebiet Grien benutzen werden. Es erstreckt sich vom Schönenwerder Wehr entlang des linken Aareufers bis nach Aarau. Dadurch würde dieses Gebiet unerwünscht unter Druck geraten. Auch Kontrollen, die für die Einhaltung der im Naturschutzgebiet geltenden Regeln würden dadurch erschwert werden.

Der künftige Aare-Kanal ohne den Mitteldamm.

Der künftige Aare-Kanal ohne den Mitteldamm.

«Wir schätzen die von der Enwia geplanten Aufwertungen sehr, wir haben auch Verständnis dafür, dass sie für eine effizientere Stromproduktion Massnahmen treffen müssen. Mit unserer Stellungnahme möchten wir einfach so viele Hinweise wie möglich machen», so Neumann weiter.

Neben diesen beiden Bemerkungen bringt der Erlinsbacher Gemeinderat auch Anregungen hervor: Er empfiehlt etwa, die geplante neue Schwimmausstiegshilfe bei der alten Badi mit Ein- und Ausstiegshilfen zu ergänzen. «So kann besser auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Schwimmerinnen und Schwimmer eingegangen werden und Akzeptanz für die Entfernung des Mitteldamms geschaffen werden», steht im Communiqué.

Darum geht es beim Projekt

Kurzer Rückblick: Um effizienter Strom produzieren zu können, hat die Eniwa, die damals noch IBAarau hiess, 2013 ein Umbauprojekt für das Kraftwerk Aarau vorgeschlagen. Weil dieses Vorhaben mittlerweile veraltet ist und Einsprachen erhoben wurden, wurde Anfang Januar dieses Jahres ein Neues bekannt gegeben. Es löste bei der Bevölkerung sowohl Begeisterung als auch Unverständnis aus. Das Projekt tangiert nicht nur Aarau, sondern auch die vier Niederämter Gemeinden Erlinsbach, Eppenberg-Wöschnau, Schönenwerd und Niedergösgen. Dies, weil sie einerseits Strom von der Eniwa beziehen oder weil sich andererseits die geplanten Massnahmen zur Förderung der Stromproduktion auf Gemeindegebiet des entsprechenden Dorfs befindet.

Die öffentliche Mitwirkung im Rahmen dieses Projekts läuft seit dem 11. Januar und dauert noch bis 11. Februar.