Trimbach

Mitleiden nicht nötig – Notfallseelsorger erzählt beim Männerapéro

Der Zürcher Peter Schulthess (links) berichtet vor den rund 25 Männern über seine Erfahrungen als Notfallseelsorger.

Der Zürcher Peter Schulthess (links) berichtet vor den rund 25 Männern über seine Erfahrungen als Notfallseelsorger.

Beim Männerabend treffen sich Männer um über diverse Themen zu sprechen. Dieses Mal zu Besuch ein Notfallseelsorger.

In der Männergruppe, welche von der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Olten geführt wird, haben Männer die Gelegenheit, sich zu treffen, die Gemeinschaft zu pflegen und über gleichgesinnte Themen zu sprechen. Die Treffen finden in der Regel einmal pro Monat am Dienstagabend in der Johanneskirche in Trimbach statt. Vergangenen Samstag wurde zum ersten Männerapéro geladen. Zu Gast war der bekannte Notfallseelsorger und Buchautor Peter Schulthess, welcher über den Umgang mit Schicksalsschlägen und Notsituationen berichtete.

Der 67-Jährige darf auf eine langjährige Tätigkeit als reformierter Pfarrer zurückblicken. Der vierfache Vater war einer der ersten Notfallseelsorger in der Schweiz. Diesen Beruf gab es in diesem Sinne früher noch nicht. Mit Humor verstand er es, die rund 25 Besucher in das «schwierige Thema» seines Referats zu führen. In einem seiner Bücher beschreibt er, dass er erst einige Monate als Pfarrer tätig gewesen sei, als er zu einer Familie gerufen wurde, in der sich ein Familienmitglied in der Nacht zuvor das Leben genommen hatte. Die leidvolle Situation, die er dort angetroffen habe, machte ihn betroffen. Vieles haben die Trauernden nicht verstehen können. Viele «Fremde» – Rettungssanitäter, mehrere Polizisten etc. – seien zum Sterbeort gekommen. Es sei ihnen nicht klar gewesen, warum jetzt auch noch diese oder jene Person sich am Sterbeort aufhielt. Auch Schulthess wusste es nicht, kannte er zu diesem Zeitpunkt die vom Gesetz vorgeschriebenen Abläufe bei einem «ausserordentlichen Todesfall» noch nicht. Diese seelsorgerische Erfahrung am Anfang seiner pfarramtlichen Tätigkeit sei der Anstoss gewesen, dass er sich im Bereich der Notfallseelsorge ausbilden liess.

Gespannt hörten die Männer dem Referenten zu. Einbrüche, Überfälle, Arbeitsplatzverluste, Beziehungsdramen und so weiter: Über diverse Schicksalsschläge wurden sie orientiert. Auch erklärte Schulthess, dass jeder Mensch anders trauert. «Fühlen und leiden Sie aber nicht mit», war eine der Kernaussagen, welche Schulthess den Zuhörern mit auf den Weg gab. Beim Mitleiden sei der Schmerz so gross, wie wenn dies das eigene Schicksal wäre. Nach einem Ereignis ist das Leben aber vor allem für die Betroffenen nicht mehr so wie vorher.

Nach dem Referat nutzten die Männer die Gelegenheit, Fragen zu stellen. Ob es Unterschiede bei seiner Arbeit mit «Andersgläubigen» gebe. Darauf antwortete Schulthess: «Wahrscheinlich wird es Sie nun erstaunen: Aber Mensch ist Mensch – egal welchen Glaubens!»

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