Niedergösgen
Mit zinslosen Kleinkrediten: Verein hilft lateinamerikanischen Kleinunternehmern durchzustarten

Der Niedergösger Verein Bifola unterstützt Kleinunternehmer in Südamerika mit zinslosen Kleinkrediten.

Kelly Spielmann
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Präsident Christoph Straumann zeigt Bilder aus einem Dorf in Ecuador, wo Bifola verschiedene Infrastrukturprojekte unterstützt.

Präsident Christoph Straumann zeigt Bilder aus einem Dorf in Ecuador, wo Bifola verschiedene Infrastrukturprojekte unterstützt.

Markus Müller

«Wir müssen keinen Gewinn aus der Sache ziehen», erklärt Christoph Straumann. Er ist seit dem Frühling dieses Jahres Präsident des gemeinnützigen Vereins Bifola aus Niedergösgen. «Unser Ziel ist es, den Verein nicht überaltern zu lassen», erklärt Straumann. Bevor er den Posten als Präsident übernahm, war er drei Jahre als Vizepräsident im Verein aktiv. Der Rücktritt seines Vorgängers Paul Meier, welcher über zehn Jahre im Amt war, erfolgte denn auch altersbedingt.

Zweck des 2003 vom ehemaligen Pfarrer Josef Rogger gegründeten Vereins ist die Förderung verschiedener Projekte in den ländlichen Gegenden Lateinamerikas. Roggers Ziel war, die Abwanderung der Landbevölkerung in die Städte zu bekämpfen. In der Anfangszeit geschah dies hauptsächlich durch den «Bildungsfonds für Lateinamerika» – daher der Projektname Bifola – und die Förderung der schulischen Bildung. Der Verein investierte Geld in die Ausbildung von Kindern und Jugendlichen. Dies in der Hoffnung, dass das neu gewonnene Wissen reinvestiert und an andere Schulkinder weitergegeben wird.

Kleinkredite bewirken viel

Relativ bald hat man aber gemerkt, dass es sinnvoller ist, das Geld auch in Form von Kleinkrediten über 1000 bis 2000 Dollar zu investieren, da dieses langfristig zurückkommt und reinvestiert werden kann. «So kann man einfach mehr bewirken», erklärt Straumann. Gewinn aus den Krediten zu schlagen, sei jedoch nicht der Sinn. «Nicht alles, was investiert wird, kommt auch zurück», erklärt der Präsident. «Aber der Grossteil schon. Und damit können wir wieder neue Projekte unterstützen.»

Doch auch mit dem Einführen der Kleinkredite für Erwachsene gingen die Schulkinder im Verein nicht vergessen: Noch immer wird in die Bildung in Lateinamerika investiert, beispielsweise in Schülertransporte, damit die Kinder überhaupt die Möglichkeit erhalten, zur Schule zu gelangen. Und durch den verbesserten Lebensstandard wird auch die Ausbildung der Jugendlichen vor Ort ermöglicht.

Vom Bauer bis zur Autowerkstatt

Als Projekte, die nicht mit Bildung zu tun haben, nennt Straumann sogleich einige Beispiele: «Wir unterstützen Landwirtschaftsbetriebe wie Kaffee- oder Kakaobauern, aber auch Schlosser oder Autowerkstätten.» Kleinbetriebe wie eine Metzgerei, ein Coiffeursalon, ein Marmeladegeschäft oder ein Blumenladen werden gefördert. Sogar eine Meerschweinchen-Farm in Ecuador gehört zu den Kreditnehmern des Vereins. «Schon 2000 Dollar reichen den Menschen dort als Startkapital», so Straumann.

Schwierige Kontrolle

Doch auch, wenn eine Tat noch so gut gemeint ist, kann sie ausgenutzt werden. Als eine der grössten Herausforderungen für den Vorstand nennt Straumann daher die Kontrolle über den Geldfluss. In Lateinamerika sind Organisationen vor Ort, welche die Kreditnehmer für den Verein empfehlen und auswählen. «Wir sind viel zu weit entfernt, um das selber beurteilen zu können», erklärt Straumann. Die Organisationen mit Kontakt zur örtlichen Bevölkerung können daher besser entscheiden, wer mit dem Kredit einen Betrieb starten kann – und die Chance auch tatsächlich nutzt. Kontrolliert wird schliesslich auch vom jeweiligen Staat. Doch dieser verlangt dafür einen Beitrag, was für den Verein wiederum Kosten bedeutet.
Generell sei es ein Problem, wenn das Geld nicht auf direktem Weg zu den Kreditnehmern gelange. «Wir Schweizer haben eine bestimmte Vorstellung davon, wie das alles ablaufen sollte», sagt Straumann. «In Lateinamerika funktioniert das aber nicht immer so reibungslos, wie man es gerne hätte.»

Straumann nennt ein Beispiel: Durch ein Unwetter in Peru wurde in einigen Gebieten die Infrastruktur zerstört. Bifola hat geholfen, die Kinder wieder zur Schule zu schicken und die Wasserleitungen zu ersetzen. «Da muss man aufpassen, dass der Staat nicht plötzlich die Schulgelder reduziert, weil wir die Bevölkerung zusätzlich unterstützen», so Straumann nachdenklich.

Bald direkte Abwicklung?

Gegen Probleme wie diese versucht Gründer Josef Rogger gerade anzukämpfen. In Ecuador befindet er sich in Gesprächen mit einer Anwältin, die dafür sorgen soll, dass die Geldprojekte des Vereins künftig direkt abgewickelt werden können. «Wenn wir das mit Ecuador geschafft haben, werden wir viel gelernt haben», ist Straumann überzeugt. Dann könne man die Probleme auch in anderen Ländern besser anpacken. «Und dafür sorgen, dass das Geld dort ankommt, wo es wirklich benötigt wird», so der Vereinspräsident.