Dulliken

Mit Humor, Leidenschaft und «Gspüri» im Umgang mit Alzheimerpatienten

Wenn Gabriela Steiner von ihrer Arbeit erzählt, befindet sich ein Lachen auf ihrem Gesicht.

Wenn Gabriela Steiner von ihrer Arbeit erzählt, befindet sich ein Lachen auf ihrem Gesicht. Remo Fröhlicher

Wenn Gabriela Steiner von ihrer Arbeit erzählt, befindet sich ein Lachen auf ihrem Gesicht.

Gabriela Steiner arbeitet freiberuflich mit Demenzerkrankten. Für ihre Tätigkeit unter dem Label «Pflege zu Hause» erhält sie den Fokuspreis.

Gabriela Steiner aus Dulliken arbeitet als freiberufliche Pflegefachfrau mit Demenzerkrankten Patienten. Nun hat sie dafür den Fokuspreis der Schweizerischen Alzheimervereinigung erhalten – er wird für besonderes Engagement für Menschen mit Demenz vergeben.

Im Alter von 16 Jahren trat Steiner in den Pflegeberuf ein. Seit 2011 ist sie als freiberufliche Pflegefachfrau tätig. Rund neun Jahre hat sie dafür Weiterbildungen absolviert. Unter dem Label «Pflege zu Hause» betreut sie Demenzbetroffene und deren Familien in ihren eigenen vier Wänden. Momentan besucht sie rund zehn Patienten – die meisten davon täglich – in und rund um Dulliken.

Rund um die Uhr im Einsatz

«Die Arbeit mit dementen Personen hat mir schon immer extrem gefallen. Sie ist hochkomplex», sagt Steiner. So sei es auch klar gewesen, dass sie sich als Freiberufliche auf dieses Gebiet spezialisieren würde. Und dies, obwohl das freiberufliche Arbeiten viele Nachteile mit sich bringt: schlechtere Löhne, unregelmässigere Arbeitszeiten, eine enorme Verantwortung. Auf die Frage, ob es sich trotz allem lohne, zögert Gabriela Steiner keine Sekunde: «Ja, absolut. Man gibt viel, aber man erhält noch viel mehr zurück.» Es sei ihr schwergefallen, zuzusehen, wie viele Alzheimerpatienten in Heimen vor sich hin vegetierten. Nun kann sie es anders machen – und das geniesst sie besonders an ihrem Beruf.

Gabriela Steiner ist 24 Stunden am Tag erreichbar, und dies sieben Tage pro Woche. Darunter müsse vor allem ihre Familie leiden, denn es sei schon oft vorgekommen, dass sie an Weihnachten oder speziellen Anlässen nicht zu Hause sein konnte. Auch Ferien liegen bei ihr selten drin. «Trotzdem ist es keine schwierige Entscheidung gewesen. Denn wenn ich es schaffe, mein Ziel zu erreichen, lohnt es sich.»

Zu Hause statt im Heim

Ihr Ziel: dass Alzheimerpatienten trotz schwieriger Umstände zu Hause leben können. «Viele demente Menschen wollen nicht ins Spital oder Altersheim, sondern ihre manchmal letzten Jahre im eigenen Haus verbringen», erklärt Steiner. Genau dies will sie ihnen ermöglichen. So nimmt sie oft Patienten an, die bei anderen Organisationen für Pflege im eigenen Zuhause abgelehnt wurden. Diejenigen, die keinen anderen Ausweg mehr haben. «Es heisst dann, es sei zu gefährlich, diese Leute zu Hause wohnen zu lassen», so Steiner.

Doch es brauche nur die richtige Art der Betreuung, um diesen Menschen ihren Wunsch zu erfüllen. Für ebendiese sorgt Gabriela Steiner. «Man muss bei jeder Person lernen, was ihr gut tut und sie dort abholen, wo sie ist. Dafür muss man halt eine Beziehung mit ihnen aufbauen und richtig auf sie eingehen», erklärt die Pflegefachfrau. Oftmals höre sie, dass Pflegefachkräfte keine Beziehung zu Betreuten aufbauen wollen. Doch ohne Beziehung gehe bei Gabriela Steiner nichts. Denn sonst könne sie ihren Beruf nicht richtig ausüben.

Komplexes Arbeitsfeld

Die Herausforderung, herauszufinden, wie sie genau helfen kann, nimmt Steiner gerne an. Manchmal brauche es eine Alzheimer-CD mit Musik aus der Jugend der Betreuten, manchmal klappt es mit Humor, manchmal reicht ein kleiner Spaziergang im Quartier. «Ich finde gerne raus, was die Dinge sind, die es leichter machen», so Steiner. Das «Gspüri» dafür müsse man aber unbedingt mitbringen, um in diesem Berufsfeld zu arbeiten. Denn: «Alles, was demente Menschen sagen, hat einen Sinn. Wir sehen ihn nur nicht immer.»

Neben der menschlichen Ebene kümmert sie sich auch um die medizinischen Bedürfnisse, erstellt Betreuungspläne und besorgt Notfallmedikamente. Das Zusammenspiel der verschiedenen Aspekte – die Organisation, die Pflege, das Arbeiten mit anderen Menschen – mache ihren Beruf denn auch so spannend.

Doch schlussendlich bleibt eines für Steiner am spannendsten: die Menschen, die sie betreut. «Die Eigenschaften, die ein Mensch hat, werden in der Demenz verstärkt. Es ist eine hochkomplexe und hochinteressante Aufgabe, die ich habe», so die Pflegefachfrau.

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