Olten-Aarau

Mineure feiern den Durchstich am Eppenbergtunnel – Züge fahren hier Ende 2020

Rund ein Jahr lang hat sich die Bohrmaschine durch den Fels gefressen. Obwohl der Vortrieb auf den letzten Zentimetern nicht nach Plan verlief, ist das Herzstück der Vierspurstrecke zwischen Aarau und Olten nun im Rohbau fertig. Die ersten Züge sollen im Dezember 2020 durch den Eppenberg fahren.

Einst war es ein Aprilscherz des Oltner Tagblatts: 1995 meldete die Zeitung exklusiv und auf einer ganzen Seite, der damalige Bundesrat Adolf Ogi habe sich zur sofortigen Realisierung des Eppenbergtunnels entschlossen. In einem Brief, den alle Gemeindekanzleien in der Region erhalten hätten, habe Ogi mitgeteilt: «Der Baubeginn erfolgt unmittelbar nach dem symbolischen Spatenstich am Samstag, 1. April 1995, zu dem Sie freundlich eingeladen sind.»

20 Jahre später, am 2. Mai 2015, fand der Spatenstich für den Eppenbergtunnel tatsächlich statt. Die Landesregierung war beim feierlichen Akt auch vertreten, allerdings nicht mit Adolf Ogi, sondern mit Verkehrsministerin Doris Leuthard.

Durchstich Eppenbergtunnel

Durchstich Eppenbergtunnel

Die grösste Arbeit ist geschafft. Der 2600 Meter lange Tunnel zwischen Aarau und Olten ist ausgebohrt. Bis 2020 soll der Innenausbau beendet sein.

Die Aargauer Bundesrätin sagte damals, sie wäre auch bei der Eröffnung des Tunnels 2012 gerne dabei, in welcher Funktion auch immer. Am Freitag hätte Leuthard die Chance gehabt, nochmals als Bundesrätin an den Eppenberg zu kommen. Doch beim offiziellen Durchstich beim Tunnelportal in Gretzenbach fehlte die Verkehrsministerin.

Meilenstein für den Bahnverkehr

Stattdessen war Anna Barbara Remund, Vizedirektorin des Bundesamts für Verkehr, aus Bern angereist. Remund, deren zweiter Vorname gleich lautet wie jener der heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Mineure, versprach markante Verbesserungen, wenn der Tunnel im Dezember 2020 in Betrieb geht. «Das Projekt ist ein Meilenstein für den Bahnverkehr, bisher ist es sehr erfolgreich verlaufen», sagte sie. Künftig sollen während den Hauptverkehrszeiten zusätzliche Intercity-Züge zwischen Bern und Zürich verkehren.

Zudem stelle der Vierspurausbau zwischen Aarau und Olten sicher, dass trotz mehr Personenzügen auch für den Güterverkehr auf der Strecke genügend Kapazitäten vorhanden seien. Schliesslich profitiert die Region mit besseren S-Bahn-Verbindungen.

Erdölfund im Tunnelgestein

Philippe Gauderon, Leiter SBB Infrastruktur, bezeichnete den Tunneldurchstich am Eppenberg als Meilenstein. Nach der Nord-Süd-Verbindung mit dem Gotthardtunnel und dem Viermeter-Korridor für den Güterverkehr stehe nun die Ost-West-Achse im Fokus. Mit Blick auf die Kosten von 855 Millionen Franken sagte Gauderon scherzhaft: «Ich hatte gehofft, das Erdöl, das beim Tunnelausbruch gefunden wurde, würde reichen, um das Projekt zu finanzieren.» Tatsächlich waren im Gestein, das von der Tunnelbaustelle zur ehemaligen Sondermülldeponie Kölliken transportiert wurde, geringe Spuren von Erdöl festgestellt worden.

Dies verzögerte die Bauarbeiten leicht, zudem bildete sich im September 2017 auf einem Feld in Gretzenbach ein fünf Meter tiefes Loch. Daneben habe im Tunnel zwar Abschnitte mit Lockergestein, aber sonst keine grösseren Zwischenfälle gegeben, sagte Gauderon. «Chapeau an alle, die dieses Projekt möglich machen», lobte er und betonte, der Tunnelbau sei terminlich und finanziell auf Kurs.

Wand blieb teilweise stehen

Nicht ganz nach Plan verlief hingegen der offizielle Durchstich. Die mächtige Tunnelbohrmaschine setzte sich zwar planmässig in Betrieb, nach kurzer Zeit zeigten sich erste Risse in der Wand, auf der ein riesiges SBB-Logo prangte – doch zum echten Durchstich kam es nicht. Vielmehr bröckelte die Wand, die für den feierlichen Anlass aus Armierungseisen und Spritzbeton gebaut worden war, nur im oberen Bereich ab, der untere Teil blieb stehen. Die Tunnelbohrmaschine hatte die dünne Wand nur angeknabbert und vor sich her geschoben. Später kippte die Wand leicht nach vorne, damit fehlte der Gegendruck für die Bohrmaschine, die schliesslich gestoppt wurde. Erst nächste Woche soll der Rest entfernt werden.

Dass der Durchstich nicht ganz perfekt gelang, tat der Freude am Tunnelportal indes keinen Abbruch. Mit einer Hebebühne wurden die Mineure aus der Tunnelbohrmaschine geholt, als der erste mit einer Statue der heiligen Barbara auftauchte, brandete Applaus auf.

Fertig ist das Projekt damit bei weitem nicht, mit dem Rohbau des Tunnels ist die Hälfte erreicht. Im Berg folgt nun der Innenausbau mit Schienen, Schwellen und Schotter sowie die Installation der Fahrleitungen. Ausserhalb des Tunnels werden zahlreiche Anschlussbauwerke erstellt, damit die vielbefahrene Strecke zwischen Aarau und Olten im Dezember 2020 für den vierspurigen Betrieb bereit ist.

Unser Liveticker zum Durchstich:

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